Serie Bahnprojekt

6 000 Besucher drängen zum Tunnel

Interessierte informierten sich über die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm und den Steinbühltunnel

Dicht gedrängt stehen die Fahrgäste im Shuttlebus der Firma Fischer aus Weilheim. Geduldig ertragen sie die 20 Minuten dauernde Fahrt. Vom Flugplatz bei Laichingen geht‘s nach Hohenstadt. Dann sind es nur noch wenige Hundert Meter bis zum Ziel. An der Baustelle des Steinbühltunnels ist Endstation.

Der Tag der offenen Tür bei der Tunnelbaustelle in Hohenstadt zog die Massen an.Foto: Jochen Horndasch
Der Tag der offenen Tür bei der Tunnelbaustelle in Hohenstadt zog die Massen an.Foto: Jochen Horndasch

Hohenstadt. Alles aussteigen, Platz machen für eine Busladung an Gästen, die zurück zum Flugplatz wollen. Die große Info-Tafel direkt an der Bushaltestelle sticht ins Auge. Sie liefert erste Informationen. Diesen zufolge ist der Steinbühltunnel eine von insgesamt zwölf Röhren der 80 Kilometer langen Neubaustrecke von Stuttgart nach Ulm. Mit einer Länge von exakt 4 847 Metern belegt er gerade Mal Platz fünf. Länger sind der Fildertunnel, der Albvorlandtunnel, der Boßlertunnel und der Albabstiegstunnel. Bei Wiesensteig geht‘s rein, bei Hohenstadt kommt er wieder aus den Tiefen der Alb. In sechs Jahren sollen die Züge mit 250 Stundenkilometern durch die beiden Röhren rasen. Das versprechen jedenfalls die Planer auf der Info-Tafel.

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Bei Carina Müller, Projekt­ingenieurin der Bahn, wird die Neubaustrecke lebendig. Sie und andere Vertreter der Bahn, der Bauüberwachung, der Baufirmen und des Turmforums standen kürzlich gut

Die mobile Ausstellung war ständig zum Bersten gefüllt

sechs Stunden lang Rede und Antwort, beantworteten Fragen, ertrugen Lob, Kritik und ein nimmer müdes Publikum.

Auch Fred Froböse, der das Bahnprojekt in seinem Infomobil auf Monitoren und mit jeder Menge elektronischem Equipment präsentierte, konnte sich über mangelnde Kundschaft nicht beklagen. Die mobile Ausstellung in dem Sattelaufleger war ständig zum Bersten gefüllt. Der österreichische Dialekt entlarvte die Mineure, die nach zehn Tagen harter Arbeit im Zweischichtbetrieb fünf freie Tage bekommen.

Mit dem 34 Tonnen schweren Bohrwagen werden für jede Sprengung 50 bis 70 ungefähr 1,60 Meter tiefe Löcher in den Fels gebohrt. Jedes Loch wird mit knapp einem Kilogramm Sprengstoff gefüllt und gezündet. 150 Kubikmeter Fels verwandeln sich in transportfähige Gesteinsbrocken. Nach einer halben Stunde sind sie weggeräumt, es kann erneut gebohrt und gesprengt werden, bis zu zehnmal in 24 Stunden. Die Wand der Röhre wird anschließend mit Spritzbeton geglättet, bevor der 12,5 Meter lange Gewölbeschalwagen zum Einsatz kommt. Mit seiner Hilfe wird der Tunnel mit einer etwa 40 Zentimeter dicken Betonschicht ausgekleidet.

Durch diesen letzten Arbeitsgang bekommt die Röhre ihre endgültige Größe von knapp zehn Meter Durchmesser. Davon konnten sich die Besucher überzeugen. Etwa 50 Meter des Tunnels waren für das Publikum geöffnet. An der hinteren Abschrankung verlor sich der Blick im dunklen Loch.