Serie Bahnprojekt

Jetzt wird‘s spannend

Winterpause auf der Baustelle für ICE-Strecke ist vorbei – Tunnelbohrmaschine wartet auf Einsatz

In den vergangenen Wochen herrschte auf der Baustelle für die ICE-Neubaustrecke bei Aichelberg weihnachtliche Ruhe. Doch jetzt geht‘s wieder in die Vollen: Bald frisst sich die Tunnelbohrmaschine in den Berg.

Die Tunnelbohrmaschine wartet auf ihren Einsatz. Auch das Förderband, auf dem das Gestein abtransportiert wird, ist bereits aufg
Die Tunnelbohrmaschine wartet auf ihren Einsatz. Auch das Förderband, auf dem das Gestein abtransportiert wird, ist bereits aufgebaut.Foto: Genio Silviani

Aichelberg. Für die Mineure und anderen Arbeiter, aber auch für die zahlreichen interessierten Baustellentouristen ist die fast dreiwöchige Winterpause vorbei – nun kehrt wieder Leben ein in die Baustelle für die ICE-Neubaustrecke bei Aichelberg. In den vergangenen Wochen war das Gelände mit der riesigen Tunnelbohrmaschine verwaist. Nur ein Sicherheitsdienst schaute nach dem Rechten. Doch trotz der still stehenden Maschinen war die Baustelle, genauso wie sonst auch, in den Abend- und Nachtstunden hell erleuchtet.

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„Es ist traditionell bei den Mineuren so, dass sie in dieser Zeit frei bekommen, um Weihnachten und den Jahreswechsel zu Hause feiern zu können“, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Kommunikationsbüros der Bahn gegenüber dem Teckboten. Deshalb wurde in diesen Wochen die Baustelle „konserviert“. Nach dem Dreikönigstag erwachte sie dann wieder aus ihrem Winterschlaf.

Momentan sieht es aber noch so aus, als ob auf dem Baustellen-Areal nicht viel vorwärts ginge. Die Gleise für den Zug, mit dem die Einzelteile der Tunnelröhre vom „Tübbingwerk“ zum Tunnelportal gefahren werden, sind bereits verlegt. Das Förderband, auf dem das Gestein abtransportiert wird, ist aufgebaut. Startklar für ihren Einsatz ist auch das Herz der Baustelle: die 2 500 Tonnen schwere, 120 Meter lange und 11,38 Meter hohe Tunnelvortriebsmaschine mit dem Namen Käthchen.

Deren Schneiderad soll sich im Laufe des Monats beginnen zu drehen – dann wird es spannend für die Besucher des Aussichtspodests und die Arbeiter. Wann genau es losgeht, dazu wollte sich der Sprecher des Stuttgarter Kommunikationsbüros nicht näher äußern. Fest steht aber: Die Maschine wird dann nur noch etwa eineinhalb Wochen zu sehen sein, bevor sie schließlich komplett im Berg verschwindet.

„Jede Tunnelvortriebsmaschine ist ein Unikat und auf ein bestimmtes Bauwerk ausgerichtet“, sagt der Bahn-Sprecher. Auch wenn es derzeit für die Besucher am Boßertunnel nicht viel Neues zu sehen gibt, so würden dennoch viele Vorbereitungsarbeiten im Hintergrund laufen, gibt er zu bedenken. „Das Feinjustieren am Anfang kostet eben sehr viel Zeit.“

Beginnt „Käthchen“ dann mit ihrer Arbeit, schafft sie am Tag zwischen fünf und zehn Meter Tunnel, informiert der Sprecher weiter. Am Anfang sei man noch etwas vorsichtiger, auch um zu sehen, wie sich die Geologie verhält. „Später bewältigt die Maschine dann mehr als zehn Meter am Tag.“

Insgesamt werden mit dem riesigen Bohrgerät knapp 3 000 Meter Tunnel gebaut. Anschließend folgt die zweite Röhre des Boßlertunnels. Gearbeitet wird auch von der anderen Richtung aus: Vom Zwischenangriff, also einem Behelfstunnel, im Umpfental bei Gruibingen aus sprengen sich die Mineure sozusagen von Hand Stück für Stück vorwärts. Hier haben sie mittlerweile 730 Meter Tunnel geschafft.