Serie Bahnprojekt

Trassenbau geht in die Tiefe

Arbeiten an der künftigen ICE-Strecke bei Weilheim sind im Gange – Vorbereitungen für Tunnel

Die Arbeiten an der künftigen Neubaustrecke Stuttgart-Ulm im Raum Weilheim schreiten voran. Während Bagger und Baumaschinen in Richtung Holzmaden noch an der Oberfläche kratzen, geht es am Autobahnparkplatz „Vor dem Aichelberg“ schon in die Tiefe: Dort hat der Tunnelbau begonnen.

Neben dem Parkplatz „Vor dem Aichelberg“ klafft eine tiefe Schneise. Dort wird die Baugrube für den ICE-Tunnel ausgehoben und ab
Neben dem Parkplatz „Vor dem Aichelberg“ klafft eine tiefe Schneise. Dort wird die Baugrube für den ICE-Tunnel ausgehoben und abgesichert (oben). Für Radler, die von Weilheim nach Holzmaden oder umgekehrt fahren, ist eine Ausweichstrecke eingerichtet worden (unten).Fotos: Carsten Riedl

Weilheim. Viel Platz bleibt den Rastenden nicht mehr: Entlang der Ein- und Ausfahrt des Autobahnparkplatzes „Vor dem Aichelberg“ stehen Bauzäune und Abschrankungen. Die Sitzgarnituren mit Blick auf den Albtrauf sind gesperrt, ebenso wie 15  Stellplätze. Wo Auto- und Lastwagenfahrer aus nah und fern halten, haben die Vorbereitungen für den Bau eines 253 Meter langen ICE-Tunnels begonnen. Er soll dafür sorgen, dass die Hochgeschwindigkeitszüge quasi unter dem Autobahnparkplatz „Vor dem Aichelberg“ hindurchtauchen können, wenn die Neubaustrecke in fünf Jahren in Betrieb geht.

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Wer auf der Albseite des Parkplatzes einen Blick riskiert, schaut hinab in eine tiefe Schneise. Rund fünf Meter weiter unten bearbeiten zwei Bagger den Schiefer am Boden. Der Tunnelbau an sich hat noch nicht begonnen. Was derzeit entsteht, ist eine Baugrube, die an den Seiten von Stahlpfählen und einem Holzkons­trukt gestützt wird, dem sogenannten Verbau.

Auch am anderen Ende des Parkplatzes sind bereits die Baumaschinen angerollt. Dort entsteht neben der Baugrube ein neues Bett für den Seebach und ein Regenrückhaltebecken. Denn so klein der Bach auch sein mag – bei Hochwasser stellt er eine Gefahr dar. „Das Rückhaltebecken und eine Staumauer sollen verhindern, dass die Bahnstrecke und das Gebiet in der Umgebung überschwemmt werden“, erläutert der Bahnsprecher.

Je weiter die Bauarbeiten fortschreiten, desto weniger Platz bleibt den Rastenden auf dem Autobahnparkplatz. „Die Tunnel-Baugrube wird jetzt immer mehr Raum einnehmen“, so der Bahnsprecher. „Das Jahr 2017 über muss die Parkanlage dann ganz gesperrt werden.“ Weil die Unterführung dicht unter der Oberfläche liegt, wird die offene Bauweise angewandt. Das heißt, der Tunnel wird nicht gebohrt, sondern von oben bei Tageslicht gebaut. „Wir verwenden dafür 26 Standard-Betonelemente mit je 8,80 Metern Länge und drei Portalblöcke“, sagt der Bahnsprecher. Ist das Bauwerk fertig, kommt wieder ein „Deckel“ drauf – in diesem Fall ein neuer Parkplatz. „Ende des kommenden Jahres kann er wieder in Betrieb gehen“, schätzt der Sprecher des Bahnprojekts.

Auch an anderen Stellen bei Weilheim sind schon die Bagger an der Arbeit. Zumeist wird bislang nur an der Oberfläche gekratzt. „Das sind vorbereitende Maßnahmen“, sagt der Bahnsprecher. Man trage die obere Bodenschicht ab, richte die Baustelle und die Baustraßen ein. Dazu gehören unter anderem zwei Brücken über den Seebach und die Gemeindeverbindungsstraße nach Holzmaden. Dort gibt es zwar für Autos und Traktoren kein Durchkommen mehr. Für Radfahrer hat die Bahn aber eine Ausweichstrecke eingerichtet. „Es wurde extra ein Weg asphaltiert. Im Dunkeln ist er sogar beleuchtet“, sagt der Weilheimer Ordnungsamtsleiter Helmut Burkhardt. „Schulkinder können so sicher zur Schule und zurück fahren.

Ersatz für den Radweg nach Kirchheim bei der Kläranlage ist ebenfalls schon vorbereitet. „Er wird dann eröffnet, wenn die Brücke über die Lindach gebaut und die Straße bei der Kläranlage gesperrt wird“, sagt Helmut Burkhardt. Wann genau das sein wird, steht noch nicht fest. Zuletzt hatte die Bahn bekannt gegeben, dass Verzögerungen zu erwarten seien. Grund dafür ist, dass in dem Bereich der künftigen Eisenbahnbrücke über die Lindach Zauneidechsen gefunden wurden.

Für die Weilheimer hat Helmut Burkhardt noch eine gute Nachricht: Wenn die tatsächlichen Bauarbeiten im westlichen Bereich starten, wird ein Großteil der Laster den direkten Weg an der Autobahn entlang nehmen. Das habe er so mit der Baufirma vereinbart. „Nur der Bereich südlich der Lindach wird durch den Ort angefahren – aber da gibt es keine Erdtransporte“, so Burkhardt. Dort seien vor allem Betonmischer unterwegs.Zum Teil größere Umwege müssen Landwirte in Kauf nehmen, die die Autobahn queren wollen. Zwei Wirtschaftswege hatten auf der Gemarkung Weilheim bisher unter der Autobahn hindurchgeführt. Beide sind nun gesperrt.

Radweg Holzmaden Weilheim
Radweg Holzmaden Weilheim