Serie Bahnprojekt

Wenn’s im Tunnel brennt

Notfallpläne Der Boßlertunnel wächst. Ist er in ein paar Jahren fertig, sind die umliegenden Feuerwehren für den Brandschutz in den Röhren zuständig. Derzeit gibt es noch eine Baustellenwehr. Von Bianca Lütz-Holoch

Falls unter Tage mal etwas passiert, ist vorgesorgt: Die Tunnelbohrmaschine hat immer Rettungswehrmitarbeiter an Bord. Für event
Falls unter Tage mal etwas passiert, ist vorgesorgt: Die Tunnelbohrmaschine hat immer Rettungswehrmitarbeiter an Bord. Für eventuelle Brände auf der Baustelle vorm Tunnel sind schon jetzt die örtlichen Feuerwehren zuständig.Fotos: Arnim Kilgus

Natürlich hoffen alle, dass der Ernstfall ausbleibt. Aber wenn wirklich einmal ein Feuer im künftigen ICE-Tunnel bei Aichelberg ausbrechen sollte, dann ist vorgesorgt: Es gibt ausgeklügelte Rettungs- und Alarmpläne. Eine Faustregel lautet: „Während der Bauzeit müssen die Bahn und ihre Bauunternehmen für die Sicherheit unter Tage sorgen. Ist der Tunnel fertig, sind die örtlichen Feuerwehren zuständig“, sagt der Göppinger Kreisbrandmeister Dr. Michael Reick. Aber ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn schon jetzt, während noch kräftig an den Röhren gebaut wird, sind die örtlichen Einsatzkräfte gefragt.

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„Für mich bedeutet der Boßlertunnel derzeit rund zwei Tage Arbeit pro Woche“, sagt Michael Reick. Dabei geht es vor allem um die Koordination der Aufgaben. „Die beiden zusammen 15 Kilometer langen Tunnelröhren liegen im Bereich von zehn verschiedenen Feuerwehren aus drei Landkreisen“, verdeutlicht er. Ständig in Kontakt ist er nicht nur mit seinen Feuerwehrkollegen, sondern auch mit der baustelleneigenen Rettungswehr, die die Arbeitsgemeinschaft Tunnel Albaufstieg (ATA) stellt. „Als Rettungswehrmitglieder ausgebildet ist sowohl Personal auf der Maschine als auch in den Baubüros“, erläutert ein Sprecher der Bahn.

Wer ist im Notfall zuständig?

Dazu kommt, dass nicht nur tief in den Röhren gebaut wird, sondern auch im Bereich davor. „Und Obertage-Baustellen fallen sowieso immer in die Zuständigkeit der örtlichen Feuerwehr“, betont der Göppinger Kreisbrandmeister.

„Schon jetzt, in der Bauphase, ist der Tunnel eine Herausforderung für uns“, bestätigt der Weilheimer Feuerwehrkommandant Norbert Wahl. „Bis 200 Meter in den Tunnel hinein ist noch die normale Feuerwehr zuständig. Brennt es tiefer drinnen, ist die Rettungswehr gefragt.“ Aber selbst dann kann sich das Weilheimer Feuerwehr-Oberhaupt nicht einfach zurücklehnen: „Die Einsatzleitung hat immer der örtliche Kommandant.“

Eigentlich ist immer die Wehr am Zug, auf deren Gebiet das betroffene Tunnelstück liegt. „Aber das weiß man ja vorher nie so genau“, sagt Norbert Wahl. So rücken im Ernstfall eventuell gleich mehrere Feuerwehren - beispielsweise aus Aichelberg, Weilheim und Gruibingen - aus und kooperieren vor Ort mit der Rettungswehr. Probleme hat es bisher nie gegeben: „Wir arbeiten sehr gut zusammen“, versichern Michael Reick und Norbert Wahl gleichermaßen. Als Ansprechpartner für die Feuerwehren im Notfall steht rund um die Uhr der Leiter der Rettungswehr zur Verfügung. Auch sonst ist die Kommunikation rege. „Da sich die Baustelle ständig verändert, müssen wir immer im Gespräch bleiben“, sagt Michael Reick.

Kritisch beäugt Norbert Wahl die Zeit nach Anfang 2019. „Bis dahin ist der Brandschutz ja noch durch die Rettungswehr abgesichert“, sagt er. „Danach wird aber eine Vielzahl von Subunternehmen dort arbeiten, und es ist noch unklar, wer dann verantwortlich ist“, so Wahl. Die Position der Bahn in dem Punkt ist dagegen klar: „Die Zuständigkeit liegt im Brandfall bei der örtlichen Feuerwehr“, sagt ein Bahn-Sprecher. „Da die Tunnel zum Zeitpunkt des Einbaus der Gleise, Oberleitung und Signale schon fast alle Sicherheitseinbauten für den Betriebsfall haben, ist die Situation nicht mehr mit dem Rohbau vergleichbar. Deshalb wird dann keine eigene Rettungswehr der Baufirma mehr vorgehalten.“

Gemeinsamer Alarmplan

Wenn erst einmal die Züge fahren, ist ohnehin klar, dass die örtlichen Feuerwehren am Zug sind. „Dann können die Einsatzkräfte auch problemlos mit dem Lkw in die Röhren fahren. Sie brauchen keine Spezialfahrzeuge dazu“, weiß Dr. Michael Reick. Zum Einsatzort gelangen sie über die nicht betroffene Tunnelröhre und Querschläge, die die Röhren alle 500 Meter miteinander verbinden. „Ich habe zwar keine Sorge, dass wir regelmäßig ausrücken müssen - aber mehr Aufwand ist es für uns trotzdem“, so Reick. „Wir werden gemeinsam mit allen Gemeinden einen Alarmplan schmieden müssen.“

Bis dahin ist noch Zeit. Aber schon jetzt sind die Kommandanten mit ihren Einsatzkräften immer wieder rund um die Baustelle unterwegs. So auch Norbert Wahl: „Wir organisieren Begehungen und fahren hin, um uns mit den Örtlichkeiten vertraut zu machen“, sagt er. Immer wieder stehen Nachteinsätze oder Übungen an der Grube am ehemaligen Rastplatz vor dem Aichelberg an. „Zweimal im Jahr üben wir auch zusammen mit der Rettungswehr“, so Wahl. Auch er sieht kein allzu hohes Risiko vom fertigen Tunnel ausgehen. „Wenn da mal etwas passiert, ist das zwar schlimm“, sagt er. „Aber vorher, während des Baus, ist das Gefahrenpotenzial viel höher.“

Falls unter Tage mal etwas passiert, ist vorgesorgt: Die Tunnelbohrmaschine hat immer Rettungswehrmitarbeiter an Bord. Für event
Falls unter Tage mal etwas passiert, ist vorgesorgt: Die Tunnelbohrmaschine hat immer Rettungswehrmitarbeiter an Bord. Für eventuelle Brände auf der Baustelle vorm Tunnel sind schon jetzt die örtlichen Feuerwehren zuständig.Fotos: Arnim Kilgus

„Käthchens“ Werk am Boßlertunnel

Im April 2015 beginnt die Tunnelbohrmaschine „Käthchen“, sich neben der Autobahn bei Aichelberg in den Berg zu graben.

Im November 2016 schafft die Maschine zum ersten Mal den Durchbruch: Sie kommt am Ende der Oströhre bei Wiesensteig auf der anderen Seite des Boßlers wieder heraus. Dort wird sie abgebaut und nach Aichelberg zurücktransportiert, um erneut an den Start zu gehen.

Aktuell ist die Weströhre des Boßlertunnels an der Reihe. Knapp drei Kilometer von 8,8 Kilometern sind schon geschafft. In der Oströhre laufen die Innenausbauarbeiten.

Im Sommer 2018 kommt die Maschine voraussichtlich aus dem Berg he­raus. Dort wird sie dann demontiert.bil