Serie Familienleben

Früher Denkmal, heute Mahnmal

Ausflugstipp Eine zwölf Kilometer lange Rundwanderung für die ganze Familie führt am Flugplatz Nortel und an der Steinpyramide beim Bad Ditzenbacher Teilort Auendorf vorbei. Von Heike Siegemund

Angekommen an der Steinpyramide: Von ihrer Geschichte lassen sich die Dorfbewohner nicht mehr stören.Foto: Heike Siegemund
Angekommen an der Steinpyramide: Von ihrer Geschichte lassen sich die Dorfbewohner nicht mehr stören.Foto: Heike Siegemund

Es ist eine herrliche Tour inmitten der Natur der Schwäbischen Alb: eine zwölf Kilometer lange Rundwanderung, die im etwa 600 Einwohner zählenden Auendorf beginnt und am Segelflugplatz Nortel und an der Steinpyramide vorbeiführt. Der Höhenunterschied, der zu bewältigen ist, liegt bei 190 Metern; die Gehzeit beträgt etwa viereinhalb Stunden.

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Los geht’s in der Ortsmitte des kleinen „Hägenmarkdorfes“: Von dort aus wandert man an der Stephanuskirche vorbei aufwärts zu den Wiesen des Gewanns Autenwang. Dann geht es weiter auf der Hochfläche am Bühl vorbei zum Flugplatz Nortel. Dort betreibt der Aeroclub Göppingen-Salach eine Vereinsgaststätte, in der man sich mit Kaffee und Kuchen sowie dem „Nortelvesper“ und anderen Snacks stärken kann. Geöffnet hat sie immer samstags und sonntags. Wenn Flugbetrieb herrscht, gibt es auf dem Flugplatzgelände nicht nur für Kinder so manches zu bestaunen. „Ausflügler sind bei uns jederzeit willkommen“, betont Peter Dauner, Vorsitzender des Aeroclubs Göppingen-Salach. „Sie können an unserem schönen Hobby teilhaben und Fragen stellen.“

Weiter führt die Wanderung am Waldrand den Sielenwang entlang und hinab auf die Landstraße L 1220, den „Auendorfer Sattel“, der überquert wird. Dann wandert man aufwärts am Steinbruch vorbei bis zur Hochalb. Eben geht es weiter, bis man auf eine Lichtung kommt. Nicht zu übersehen ist dort eine gut fünf Meter hohe Pyramide, die aus Tuffsteinfindlingen mit Betonkern besteht: die Steinpyramide, von geschützten Orchideen umgeben. Rund um dieses auffällige Denkmal laden mehrere Sitzbänke und eine Grillstelle zum Verweilen ein. Man blickt auf den Bad Ditzenbacher Teilort Auendorf hinab und in der Ferne auf den Flugplatz Nortel.

So schön diese Lichtung auch ist - den älteren Einwohnern im Oberen Filstal dürfte der geschichtliche Hintergrund der Steinpyramide bekannt sein: Diese wurde nicht immer so genannt; vielen ist sie noch als Schlageter-Denkmal ein Begriff. Namensgeber war Albert Leo Schlageter, der in den 1920er-Jahren als Terrorist während des „Ruhrkampfes“ Anschläge auf französische Besatzungstruppen verübt hatte. Schlageter wurde gefasst, 1923 durch ein französisches Kriegsgericht zum Tode verurteilt und erschossen. Die Nationalsozialisten feierten ihn als Vorkämpfer und Märtyrer und errichteten ihm im Jahr 1933 ein Denkmal: die Steinpyramide.

An dieser war einst eine Gedenktafel angebracht, die auf Schlageter verwies. Die Tafel wurde längst entfernt; die Stelle, an der sie befestigt war, sieht man jedoch noch heute. Damit veränderte sich die Pyramide für diejenigen, die den geschichtlichen Hintergrund kennen, vom Denkmal zum Mahnmal.

Ungeachtet dieser Historie ist die Lichtung mit der Steinpyramide für Johannes Schulz „der schönste Platz ganz Baden-Württembergs“, sagt der Landwirt aus Auendorf und Bad Ditzenbacher Gemeinderat. Man sollte die Vergangenheit ruhen lassen, betont er. „Das ist so lange her. Für mich ist das abgehakt.“ Bad Ditzenbachs Bürgermeister Herbert Juhn sieht das genauso: „Die Geschichte der Steinpyramide ist für mich eher zweitrangig.“ Das Denkmal sei touristisch etwas Besonderes; es handle sich um eine herrliche Gegend und ein schönes Ausflugsziel. Einmal im Jahr lädt die evangelische Christusgemeinde im Täle zu einem Gottesdienst im Grünen an der Steinpyramide ein. Zahlreiche Menschen wandern dann hinauf zu der Lichtung. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst vom Posaunenchor Auendorf. Die Backhausfrauen backen frisches Brot, und dazu gibt es Leberkäse.

Doch zurück zur Rundwanderung: Von der Lichtung mit der Steinpyramide aus geht es schließlich den ausgebauten Feldweg abwärts bis nach Auendorf zurück. Wer möchte, kann dort zum Abschluss noch einkehren und die schönen Eindrücke des Wandertages Revue passieren lassen.