Serie Weihnachtsaktion

Integration braucht Sprache

Weihnachtsaktion Der Arbeitskreis Asyl unterstützt Flüchtlinge im Alltag, unter anderem mit einem 20-prozentigen Anteil für Kurse bei der Volkshochschule. Von Iris Häfner

Flüchtlinge können in der Volkshochschule deutsch lernen. Foto: Carsten Riedl
Flüchtlinge können in der Volkshochschule deutsch lernen. Foto: Carsten Riedl

Egal, ob in der Großstadt oder auf dem flachen Land: Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe gehören spätestens seit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 zum Erscheinungsbild eines jeden Ortes - zumindest in den westlichen Bundesländern. Viele ehrenamtliche Helfer sind bemüht, den gestrandeten Menschen ein Ankommen in dem völlig fremden Land, der anderen Kultur zu ermöglichen. Entscheidend dafür ist die Sprache. Während die einen sich mit einem Englisch-Kauderwelsch durchzumogeln versuchen, mühen sich andere mit deutschen Vokabeln und Grammatik ab. Letzteren will der Arbeitskreis Asyl unter die Arme greifen und hat sich deshalb für die Teckboten-Weihnachtsaktion beworben.

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Seit 2015 finanziert der AK Asyl gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sprachkurse bei der Volkshochschule. Pro Teilnehmer sind es rund 20 Prozent der Kosten in Höhe von 170 Euro. Anspruch auf Sprachkurse, den das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanziert, haben nur Staatsangehörige von fünf Ländern: Syrien, Iran, Irak, Somalia und Eritrea. „Bei ihnen liegt die Bleibewahrscheinlichkeit bei über 50 Prozent. Deshalb bekommen sie schnell einen Integrationssprachkurs - alle anderen nicht“, erklärt Marianne Gmelin, Verantwortliche beim AK Asyl und Kirchenbezirksbeauftragte für Asyl und Migration. Gute Sprachkenntnisse erleichtern nicht nur den Alltag ungemein, sondern ermöglichen nicht selten auch den Start in eine Ausbildung bevor das Asylverfahren abgeschlossen ist. „So konnten wir rund 160 Flüchtlinge in rund eineinhalb Jahren mit unterschiedlichen Sprachniveaus unterstützen“, sagt Marianne Gmelin. Doch jetzt gehen so langsam die Geldreserven zur Neige. In diesem Jahr sind die Spenden fast auf Null zurückgegangen, die Spendenfreudigkeit der Deutschen für die Flüchtlingsarbeit hat deutlich nachgelassen.

Mitte der 1980er-Jahre waren ebenfalls innerhalb kurzer Zeit viele Flüchtlinge nach Kirchheim gekommen - beispielsweise Tamilen, die heute nicht zuletzt wegen des Hindutempels in der Stadt präsent sind - weshalb Bürger 1986 den AK Asyl gründeten, um diesen Menschen Hilfe anbieten zu können. Auch der wachsenden Fremdenfeindlichkeit sollte entgegengewirkt und Verständnis für die Situation der Asylsuchenden geweckt werden. Schon damals wurde großer Wert auf Deutschkenntnisse gelegt, denn ohne sie fällt jeder Schritt in der Gesellschaft schwer.

"Wir sind den Spendern auch etwas schuldig"

An dieser Binsenweisheit hat sich bis heute nichts geändert. Wer in den Genuss der AK Asyl-Förderung kommt, ist gleich mehrfach gefordert: Er muss die Schulbank drücken, die Sprache aktiv anwenden und 50 Euro bezahlen. „Da waren wir konsequent. Das sind wir unseren Spendern gegenüber auch schuldig“, sagt Marianne Gmelin. Alle Spenden an den AK Asyl gehen bei der evangelischen Kirchenpflege ein und werden dort auch verwaltet. „Das ist ein relativ transparentes Verfahren“, erläutert Marianne Gmelin das Prozedere. Zuschüsse gibt es beispielsweise auch für Übersetzungen wichtiger Papiere, Dolmetscherkosten bei Ämtern und in begründeten Fällen auch für Anwaltskosten.

Von den Sprachkursen hat sich der AK Asyl zurückgezogen, das haben professionelle Kräfte übernommen. „Wir sind für die Begleitung und die Kontinuität zuständig. Wir sprechen mit den Asylsuchenden deutsch und geben Nachhilfe, denn uns ist es wichtig, dass sie an der Sprache dranbleiben und weitermachen“, erklärt Marianne Gmelin. Gefragt sind die Ehrenamtlichen auch, wenn es um die Bewältigung des deutschen Alltags geht. Das ist nicht nur Mülltrennung. „Wir zeigen ihnen die Umgebung: wo der Kindergarten oder die Schule ist oder auch der türkische Laden“, verdeutlicht Marianne Gmelin. Auch zu den Behörden begleiten die Ehrenamtlichen ihre Schützlinge - und sie füllen Anträge aus. „Da kommen wir selbst manchmal an unsere Grenzen“, sagt Marianne Gmelin über die Komplexität dieser Schriftstücke.