Bauen und Wohnen

Bauen ist wie Musizieren

Bauen ist wie Musizieren
Der schwarze Solitär schwebt durch ungewöhnliche Konstruktionselemente über dem abfallenden Grundstück, das als schwer bebaubar galt – am Ende eines gut abgestimmten Bauablaufs steht eine qualitätvolle Architektur. Einfamilienhaus in Waldenbuch; Architekt: Schneider, Sankt Georgen. Foto: Thomas Riedel

AKBW. Bauen ist wie Musizieren: Ein wirklich gutes Ergebnis kommt zustande, wenn Virtuosen unter kompetenter Leitung zusammenspielen. Als Dirigenten übernehmen Architektinnen und Architekten die kreative Interpretation der Bauherrenwünsche. Zunächst einmal gilt es die Grundlagen zu ermitteln. Was möchte der Bauherr? Welche spezifischen Vorgaben gelten für das geplante Objekt? Dies ist die erste von neun Leistungsphasen, die Architekten im Rahmen einer Objektplanung übernehmen können. Das Entwurfsergebnis ist ein Unikat, an die individuellen Vorstellungen des Kunden angepasst. Bereits ab der zweiten Leistungsphase, der Vorplanung, können Architekten eine Kostenschätzung aufstellen. So lässt sich sicherstellen, dass die Wunschvorstellungen und das verfügbare Budget langfristig zueinander passen. Es folgt die Entwurfsplanung als dritte Leistungsphase, wobei eine endgültige Lösung der Planungsaufgabe als Zielsetzung gilt. In der anschließenden Kostenberechnung wird erneut geprüft, ob Wunsch, Planung und Realisierung der Bauaufgabe miteinander in Einklang stehen.

Mit wachsender Planungsgenauigkeit nimmt die Aussagekraft der ermittelten Kosten zu. Gleichzeitig sinkt die Möglichkeit der Kostensteuerung. Der Bauherr ist daher gut beraten, früh einen Planer einzubinden - einen Partner, der nicht nur Ideen umsetzt, sondern auch kontinuierlich über die Wirtschaftlichkeit des Projektes wacht. Mit der vierten Leistungsphase wird es ernst. Hier erarbeitet der Architekt die Vorlagen für die behördlichen Genehmigungen. Welche Belange baurechtlich relevant sind, weiß er aufgrund seiner Ausbildung. So erhält der Bauherr eine genehmigungsfähige Planung für sein Wunschobjekt.

Auch die Details gilt es sorgfältig zu planen

In der fünften Leistungsphase werden die Ausführungspläne erstellt. Je spezieller der Entwurf und die Anforderungen sind, desto wichtiger ist die sorgfältige Planung. Ausführungsdetails bis zum lebensechten Maßstab 1:1 sind keine Seltenheit, um die einwandfreie und technisch korrekte Umsetzung sicherzustellen. Diese Phase ist mitentscheidend über die Qualität und Dauerhaftigkeit eines Bauwerks. Wenn man bedenkt, wie viele verschiedene Unternehmen allein an der Erstellung eines Hausdaches beteiligt sind - Zimmerleute, Dachdecker, Flaschner - ist es nicht verwunderlich, wenn es aufgrund fehlender Detailüberlegungen zu mangelhaften Ausführungen kommt. Architekten wissen, wie die Gewerke zusammenspielen müssen, und berücksichtigen dies schon bei der Planung.

Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe stellen die Leistungsphasen sechs und sieben dar. Im Kostenanschlag werden die marktüblichen Preise der Angebote mit den objektspezifischen Anforderungen zusammengebracht. Viele Kunden bevorzugen Pauschalangebote - gerade bei kleineren Bauvorhaben und Einfamilienhäusern wird oftmals auf die Ausschreibung der Leistungen einzelner oder aller Gewerke verzichtet. Dabei vergibt man aber viel Einsparpotenzial. Denn ein Unternehmer, der sein Risiko auch auf die Massenermittlung ausweiten muss, wird diese kalkulatorische Unsicherheit nicht selbst tragen wollen, sondern sie stattdessen in das Pauschalangebot mit einfließen lassen.

Dahingegen bieten Angebote, die auf Einheitspreisen beruhen, Transparenz für Auftragnehmer und Auftraggeber. Indem der Architekt pro Gewerk ein Leistungsverzeichnis erstellt und an Firmen verschickt, basieren deren Angebote alle auf der gleichen Grundlage. Eine ideale Voraussetzung, um zu vergleichen. Anhand sogenannter Preisspiegel lassen sich die Ergebnisse erfassen und sachgemäß klassifizieren, um zu ermitteln welche Unternehmen die Anforderungen am wirtschaftlichsten erfüllen. Dann ist der Zeitpunkt der Realisierung gekommen. Während die vorhergehenden Phasen noch auf dem Papier oder virtuell stattfanden, bekommt der Traum vom Haus nun Gestalt. In der achten Leistungsphase, der Objektüberwachung, leitet der Architekt das Orchester der verschiedenen Gewerke. Manch ein Fachmann möchte hier die erste Geige spielen, aber es kommt auf den richtigen Einsatz aller Beteiligten an. Architektinnen und Architekten übernehmen die Koordination, überwachen die zeitlich und technisch korrekte Ausführung und sorgen somit für die Sicherung von Qualität.

Während der neunten und letzten Leistungsphase, der Objektbetreuung und Dokumentation, unterstützt der Architekt den Bauherrn bei der Feststellung von Mängeln innerhalb der Gewährleistungsfrist und veranlasst deren fachgerechte Beseitigung. Zudem aktualisiert er in dieser Phase die Objektpläne gemäß dem ausgeführten Stand und stellt sie als Revisionspläne zur Verfügung.

Wie die verschiedenen Sätze in einer Sinfonie sind beim Planen und Bauen mehrere Leistungsphasen relevant. Eins baut auf dem anderen auf und strebt dem Finale entgegen.

Der Architekt ist dabei der Dirigent im Sinne der Bauherrschaft und koordiniert die Fachplaner, Fachfirmen und Handwerker. Das Honorar, das er für seine Tätigkeit bekommt, ist über die HOAI gesetzlich geregelt und entspricht erfahrungsgemäß dem Betrag, den er durch eine gute Ausschreibung eingespart hat. Als Mehrwert bleibt dem Besitzer die gute Qualität des Gebauten.

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