Berufsausbildung

Ein Beruf mit Zukunft

Die Bundessteuerberaterkammer bietet auf www.mehr-als-du-denkst.de eine Ausbildungsplatzbörse an, über die Schulabsolventen nach
Die Bundessteuerberaterkammer bietet auf www.mehr-als-du-denkst.de eine Ausbildungsplatzbörse an, über die Schulabsolventen nach Ausbildungsplätzen als Steuerfachangestellte/r in ganz Deutschland suchen können. Foto Jörg Bächle

STBK/TB. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung ist die Wahl des richtigen Ausbildungsberufes von enormer Bedeutung. Immer wieder hört man, dass es viele Berufe in einigen Jahren überhaupt nicht mehr geben wird, da sie automatisiert von Computern und Maschinen übernommen werden.

Vor diesem Hintergrund ist es für Schulabgänger wichtig, sich heute für einen Beruf mit Zukunft zu entscheiden. Denn sie haben im Berufsleben noch einige Jahre vor sich.

Angehende Azubis können in Deutschland unter bundesweit 328 anerkannten Ausbildungsberufen den gewünschten auswählen. Doch welcher ist hier der Richtige für einen? Im Vordergrund für die Entscheidung stehen natürlich die persönlichen Präferenzen sowie die eigenen Interessen und Fähigkeiten. Aber auch die Zukunftsaussichten eines Berufes sollten bei der Wahl nicht außer Acht gelassen werden. Die Ausbildung zum/zur Steuerfachangestellten zählt zu einem der beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland. Laut der Steuerberaterkammer Stuttgart liegt diese Ausbildung auf der Beliebtheitsskala bei den jungen Frauen auf Platz 11 und belegt bei den Männern Platz 38. Es werden jährlich rund 6 500 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen und in ganz Deutschland gibt es aktuell rund 18 000 Auszubildende als Steuerfachangestellte/r.

Steuerfachangestellte ­unterstützen den Steuer­berater bei Beratung des Mandanten

Aber was ist der Grund dafür, dass dieser Ausbildungsberuf so beliebt ist? Schließlich verbinden viele das Thema Steuern mit den Begriffen „trocken“ und „langweilig“. Die meisten stellen sich einen Steuerfachangestellten als öden Strebertypen mit Karohemd und Brille vor. Diese Klischees entsprechen allerdings keinesfalls der Realität. Steuerfachangestellte unterstützen den Steuerberater bei der Beratung des Mandanten beispielsweise bei der Buchführung. Sie verarbeiten Belege, Rechnungen und Kontoauszüge von verschiedensten Unternehmen zu einer ordnungsgemäßen Buchführung und werten die Daten des Mandanten gemeinsam mit dem Steuerberater betriebswirtschaftlich so aus, dass erkennbar ist, wie das Unternehmen läuft. Hat der Mandant einen Gewinn erwirtschaftet? Muss etwas optimiert werden, um das Unternehmen auf Kurs zu halten? Sind Investitionen notwendig, um in der Branche zukunftsfähig zu bleiben? Sie stehen also in direktem Kontakt zu den Unternehmen und arbeiten sehr realitätsnah. Für jeden Unternehmer ist es schließlich wichtig zu wissen, wo er mit seinem Unternehmen steht und ob alles gut läuft. Wenn Verluste erwirtschaftet werden, muss sofort ermittelt werden können, woran dies liegt und wie das Unternehmen hierauf reagieren kann, um weiterhin gegen die harte Konkurrenz bestehen zu können.

Tätigkeitschwerpunkt ­Lohnbuchhaltung

Ein weiterer Tätigkeitschwerpunkt der Steuerfachangestellten ist die Lohnbuchhaltung. Sie erstellten hierbei beispielsweise die monatlichen Lohn- und Gehaltsabrechnungen für die Mitarbeiter eines Unternehmens. Hier ist ein breites Fachwissen erforderlich, da für den Mandanten die lohnsteuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Meldungen korrekt erstellt werden müssen. Auch hier ist eine stetige Kommunikation mit dem Mandanten erforderlich. Monatlich muss dem Sachbearbeiter mitgeteilt werden, wie viele Stunden die Mitarbeiter tätig waren. Hat jemand eine Gehaltsanpassung erhalten? Soll Weihnachts- oder Urlaubsgeld an die Mitarbeiter ausgezahlt werden? Und vieles mehr.

Durch eine korrekte Lohn- und Finanzbuchhaltung unterstützen die Steuerfachangestellten die Steuerberater bei der Erstellung von Jahresabschlüssen und der steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Beratung der Mandanten. Außerdem erstellen sie private und betriebliche Steuererklärungen. Sie prüfen Steuerbescheide, überwachen Fristen, stellen Anträge und Meldungen bei Finanzämtern und stehen in engem Kontakt zu dem Mandanten. Ihre Aufgabengebiete sind vielfältig und abwechslungsreich. Man sitzt als Steuerfachangestellte/r also nicht nur den ganzen Tag am Computer und hackt Zahlen in ein Programm, sondern man unterstützt den Steuerberater und hat sehr viel Kontakt zu Mandanten unterschiedlichster Branchen, Finanzämtern und Sozialversicherungsträgern. Man lernt die unterschiedlichsten Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Handel sowie dem Dienstleistungsbereich kennen und arbeitet zusammen mit Freiberuflern und Privatpersonen. Als Steuerfachangestellte/r muss man die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Hintergründe der jeweiligen Mandanten erfassen und den Unternehmen verständlich näherbringen. Durch gesetzliche Änderungen und Neuregelungen muss man immer auf dem Laufenden bleiben und sich kontinuierlich fortbilden. Und einen weiteren Vorteil hat die Ausbildung, in einem Steuerbüro hat man immer geregelte Arbeitszeiten.

Digitalisierung der Buchhaltung

Aufgrund der Digitalisierung und der immer weiter fortschreitenden EDV-Systeme wird die Buchhaltung immer mehr elektronisch geführt. Belege werden nicht mehr in einem Ordner per Post zwischen den Unternehmen und dem Steuerbüro hin und her geschickt, sondern eingescannt und sind in Echtzeit für den Sachbearbeiter verfügbar. Kontoauszüge werden von den Banken elektronisch übertragen und digital verarbeitet. Die betriebswirtschaftlichen Auswertungen können mit einem Mausklick digital an den Mandanten übertragen werden. Die Auswertung der Daten und die Beratung des Mandanten nehmen dadurch einen immer höheren Stellenwert in dem Berufsfeld ein.

Ausbildungsdauer und Vergütung

Die Ausbildung zum oder zur Steuerfachangestellten dauert in der Regel drei Jahre. Hierbei arbeiten die Auszubildenden sofort aktiv in der Steuerkanzlei mit. Für die Berufsschulen in Baden-Württemberg gibt es keinen Blockunterricht, sondern wöchentlich ein bis zwei Schultage, in denen das theoretische Wissen für den Beruf vermittelt wird und sofort im Berufsalltag umgesetzt werden kann. Durch diese Vorgehensweise werden die Auszubildenden gleich vollständig in die Abläufe des Steuerbüros integriert und können das gelernte Wissen anwenden und verfestigen. Die Ausbildungsschwerpunkte liegen im Steuer- und Rechnungswesen, der Betriebswirtschaft und dem Wirtschaftsrecht. Ergänzend dazu werden in der Ausbildung Kenntnisse zu den Themen Rechte und Pflichten, Organisation des Ausbildungsbetriebes und Umweltschutz vermittelt.

Die monatliche Ausbildungsvergütung wird für den Raum Stuttgart von der Steuerberaterkammer Stuttgart vorgegeben und sollte von den Steuerkanzleien nicht um mehr als 20 Prozent unterschritten werden. Die Vergütungssätze der Steuerberaterkammer betragen im ersten Ausbildungsjahr 920 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr 1 030 Euro und im dritten Ausbildungsjahr 1 150 Euro - jeweils brutto.

Vielseitige Weiterbildungsmöglichkeiten

Die Ausbildung zum oder zur Steuerfachangestellten bietet auch nach abgeschlossener Berufsausbildung vielseitige Weiterbildungsmöglichkeiten. Man kann sich jederzeit weiter qualifizieren und sogar, nach einiger Berufserfahrung und Fortbildung, ohne ein abgeschlossenes Studium die Steuerberaterprüfung ablegen. Diese Form des beruflichen Aufstiegs, auch ohne Hochschulstudium, ist in Deutschland einmalig. Auf dem Weg zum Steuerberater kann man viele Weiterbildungen und Qualifikationen erwerben. Die Steuerberaterkammer Stuttgart bietet Fortbildungen zur Fachassistentin oder zum Fachassistenten Lohn und Gehalt oder zur Fachassistentin oder zum Fachassistenten Rechnungswesen und Controlling an. Außerdem kann man bei der IHK die Prüfung zum Bilanzbuchhalter ablegen, wenn man sich lieber in Richtung Buchführung und Rechnungswesen spezialisieren möchte.

Eine Spezialisierung im Bereich Steuern ist über die Prüfung zur Steuerfachwirtin oder zum Steuerfachwirt möglich. Auf diese Weise kann man sich in dem Zweig spezialisieren, der einen interessiert und sich gezielt darin weiterbilden. Denn durch die Komplexität des Steuerrechts ist eine Spezialisierung der Mitarbeiter für eine Steuerkanzlei unabdingbar, um den Mandanten ein breites Wissensspektrum anbieten zu können und alle Fachbereiche abzudecken. Nur so kann eine ganzheitliche Beratung der Mandanten gewährleistet werden und eine Steuerkanzlei kann konkurrenzfähig bleiben.

Online-­Ausbildungsplatzbörse

Die Bundessteuerberaterkammer bietet auf www.mehr-als-du-denkst.de eine Ausbildungsplatzbörse an, über die Schulabsolventen nach Ausbildungsplätzen als Steuerfachangestellte/r in ganz Deutschland suchen können. Außerdem können sich die Interessenten auf dieser Seite genauestens über den Beruf und die Ausbildung informieren. So kann man besser herausfinden, ob die Ausbildung für einen geeignet ist. Außerdem kann man online einen Eignungstest ablegen, der einen bei der Entscheidung für die Ausbildung unterstützt. Auf den Unterseiten der einzelnen Steuerberaterkammern gibt es darüber hinaus Kalender und Termine für Berufs- und Bildungsmessen, bei denen man sich noch intensiver über den Beruf informieren kann. Für die Region Stuttgart kann man sich auf der Seite der Steuerberaterkammer Stuttgart unter www.stbk-stuttgart.de informieren. Hier sind ebenfalls ausführliche Informationen zu Aus- und Fortbildungen enthalten.

Steuerberaterkammer Stuttgart

Als Berufskammer ist die Steuerberaterkammer Stuttgart für rund 8 500 Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Steuerberatungsgesellschaften in Nord- und Südwürttemberg zuständig. Auf ihrer Homepage betreut sie einen Steuerberater-Suchdienst unter dem interessierte Mandanten verfügbare Steuerberater in ihrer Nähe finden können. Wenn man eine besondere Anfrage hat, sind hier die Spezialisierungen der Steuerkanzleien ebenfalls angegeben wie etwa Steuerberatung in englischer Sprache. Über den Suchdienst können rund 27 500 Steuerkanzleien in ganz Deutschland mit ihren Spezialisierungen, Fachgebieten, Branchenkenntnissen und Fremdsprachenkenntnissen gesucht und gefunden werden. Zur den jeweiligen Suchergebnissen sind Direktverlinkungen zu den Homepages der einzelnen Steuerkanzleien verfügbar, sodass man leicht Kontakt zu dem gewünschten Steuerberater aufnehmen kann.

Wir haben uns mit zwei Auszubildenden und ihren Ausbilderinnen unterhalten - siehe folgende Seiten.