Berufsausbildung

Gute Berufsorientierung als „Kompass“ wichtig

Gute Berufsorientierung als „Kompass“ wichtig
Übersicht der 16 BO-Maßnahmen. Grafik: Handwerkskammer Region Stuttgart

pm. Die Zukunft liegt in den Händen der Jugend, besser gesagt bei den Azubis. Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk in der Region Stuttgart ist erfreulicherweise ein Anstieg festzustellen.

Mit Sicherheit sind die steigenden Zahlen ein Zeichen dafür, dass die Imagekampagne des deutschen Handwerks bei den jungen Menschen fruchtet. Zum anderen haben aber auch die Betriebe erkannt, dass sie auf junge Menschen aktiver zugehen müssen - das ist der wesentliche Faktor für die guten Zahlen. Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, stellt fest: „Dabei lassen sich immer mehr Unternehmer von Ausbildungs- und Personalberatern begleiten, ein langfristiges Nachwuchsmanagement aufzubauen und ein entsprechendes Ausbildungsmarketing zu entwickeln.“

Erfreulich, so Hoefling, sei die Erkenntnis der Politik, dass die Berufsorientierung an den Schulen gestärkt werden müsse. Die Einführung des Fachs Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS) an allen weiterführenden Schulen sei ein guter Schritt ebenso wie deren Verpflichtung, sogenannte Tage der beruflichen Orientierung durchzuführen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der seinen Einsatz für die berufliche Bildung eine Herzensangelegenheit nennt, erklärte die berufliche Ausbildung zum Auslöser für den wirtschaftlichen Erfolg der Region Stuttgart. Auch scheint sich die Einsicht immer mehr durchzusetzen, dass die berufliche Bildung und die akademische Bildung gleichwertige Berufswahloptionen sind und auch als solche vermittelt werden sollten. Es sprechen gute Gründe für einen der 130 spannenden Ausbildungsberufe im Handwerk. Jugendliche, die Lust darauf haben im Handwerk etwas zu bewegen und sich einzubringen, sollten in vielerlei Hinsicht von ihren Lehrern und Eltern genau auf diesem Weg unterstützt werden.

Integrationsleistung im Handwerk vorbildlich

Die Integration junger Geflüchteter in das Handwerk der Region schreitet voran. Die Zahl der Auszubildenden mit Staatsangehörigkeit aus Asylzugangsstaaten wie Afghanistan, Syrien, Iran oder Irak hat sich stark nach oben entwickelt. Die Praxis läuft meist gut. Die jungen Menschen sind motiviert und in den Betrieben buchstäblich angekommen. Das liegt auch daran, dass die Betriebsinhaber und ihre Mitarbeiter sehr engagiert sind. Da kommt dem Handwerk zugute, dass es oft familiär geprägte Strukturen sind, wo sich alle kennen und gegenseitig helfen. Das ist eine Leistung, von der die Gesellschaft profitiert - denn Ausbildung und Erwerbsarbeit sind entscheidend für die Integration.

Jedoch sind die sprachlichen Defizite größer als gedacht, was sich so auch gezeigt hat. Nun sind alle an der Ausbildung Beteiligten - Politik, Kammern, Berufsschulen sowie die Agentur für Arbeit und das Jobcenter - mit Hochdruck dabei, rasch Lösungen zu finden. Dabei wird deutlich: Jeder Azubi, der Sprachförderung benötigt, soll diese rasch bekommen. Dafür ziehen die genannten Partner an einem Strang. Ziel muss es sein, dass Geflüchtete zukünftig erst dann eine Ausbildung beginnen, wenn sie die Voraussetzungen erreicht haben, um die Berufsschule erfolgreich absolvieren zu können. Es muss im Eigeninteresse der Betriebe dafür gesorgt sein, dass die Integrationsberatung auch tatsächlich in Anspruch genommen wird. Dann kann darauf hingewirkt werden, der Ausbildung erst die sechs bis zwölf Monate dauernde Einstiegsqualifizierung (EQ) Plus vorzuschalten. Hier wird das von den Agenturen für Arbeit und Jobcentern geförderte betriebliche Praktikum - also die Einstiegsqualifizierung - mit ausbildungsbegleitenden Hilfen in Form von Nachhilfe in Deutsch oder Mathe kombiniert. Die gezielten Unterstützungsmaßnamen sind dann das „Plus“. Unserer Erfahrung nach hat sich dieses Vorgehen für beide Partner - Betriebsinhaber und Geflüchtete - bewährt.

Besser Lehrstellen statt Leerstellen

Dennoch ist die Zahl der offenen Ausbildungsplätze im Handwerk hoch - zu hoch. Kammerchef Hoefling: „Wir müssen dafür sorgen, dass aus Lehrstellen keine Leerstellen werden.“ Große Anstrengungen müssen unternommen werden, damit auch in der breiten Öffentlichkeit noch mehr Zuspruch, sprich mehr Interesse an einer beruflichen Ausbildung entsteht. Es ist wichtig, jungen Menschen aufzuzeigen, wie attraktiv ein Karriereweg im Handwerk aussehen kann - denn die Berufsbildung ist genauso wie die akademische Bildung die Basis der künftigen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft.

Hauptgeschäftsführer Thomas Hoefling ist die Unterstützung von Schulabgängern bei der Berufsorientierung ein wichtiges Anliegen. Deshalb wurden beispielsweise 16 zielgruppenspezifische Maßnahmen entwickelt, um Jugendliche auf dem Weg in die berufliche Zukunft zu begleiten. Hierzu gehören unter anderem Berufsinformationsangebote auf Ausbildungsmessen, Bildungspartnerschaften an Schulen oder die Videoplattform „azubiTV“, sowie Beratungsangebote und Schulprojekte, die auch Eltern und Lehrer mit ins Boot holen.

Schulterschluss Betrieb und Schule macht‘s aus

Die duale Ausbildung ist ein Erfolgsmodell. Der Schulterschluss von Betrieb, Berufsschule und der überbetrieblichen Ausbildungsstätte ist ein leistungsfähiger Verbund, der die hohe Qualität der Berufsbildung sichert. Der Rahmen stimmt also. Selbstverständlich müssen Ausbildungsinhalte sich wandeln, um „State of the Art“ zu sein. Deshalb ist es so wertvoll, dass bei der beruflichen Bildung der Praxisbezug immer gegeben ist.

Berufsschullehrer, Lehrmeister an den Bildungsstätten und die Ausbilder im Betrieb ergänzen sich optimal. Denn sie sind Experten auf drei für die Qualität der Ausbildung ganz wichtigen Feldern. Erstens kennen sie das Marktgeschehen der jeweiligen Gewerke und Branchen und wissen, was Kunden erwarten. Zweitens sehen sie, wie Berufsbilder sich wandeln und können mit ihren Empfehlungen in institutionalisierten Strukturen dafür sorgen, dass die Politik ihre Ausbildungs- und Prüfungsordnungen entsprechend anpasst. Und drittens haben sie die fachliche und pädagogische Eignung, um junge Menschen bestmöglich an einen Beruf heranzuführen.

Was die allgemeinbildenden Schulen betrifft, sind die Erwartungen eindeutig: Schulen sollten unabhängig von der Schulart Lernorte für Kinder und Jugendliche sein, wo sie bestmögliche Förderung erfahren. Dabei sollten Nachteile derer ausgeglichen werden, die in ihren Familien nur geringe Unterstützung bei der Entfaltung ihrer Fähigkeiten und Talente erfahren. Unterrichtsqualität muss sich daran bemessen lassen, mit welchen Grundfertigkeiten im Lesen, Rechtschreiben, Rechnen, aber auch mit welchen sozialen Kompetenzen Jugendliche die Schulen verlassen. Es muss gelten, dass Jugendliche im Alter von etwa 16 Jahren ausbildungsreif und berufswahlentschieden sind. Wer kurz vor einem mittleren Schulabschluss steht und eine fundierte Berufswahl treffen möchte, braucht ausreichend Gelegenheit, Berufsfelder zu erkunden, die eigenen Kompetenzen und möglichst vielfältige Einblicke in die berufliche Praxis zu erhalten.

Anzeige