Ergo- und Physiotherapie

Warum Haus- und Heim­besuche so wichtig sind

Warum Haus- und Heim­besuche so wichtig sind
Beim Hausbesuch kommt der Therapeut zu den Patienten in die häusliche Umgebung. Dies bringt viele Vorteile. Foto: HSH Lamprecht

pm. Beim Hausbesuch kommt der Therapeut zu den Patienten in die häusliche Umgebung. Dies bringt viele Vorteile. So können gerade Alltagsfunktionen direkt vor Ort geübt werden und dies vor allem genauso wie die häusliche Situation vor Ort ist. Beispielsweise übt die Physiotherapeutin das Aufstehen aus dem Lieblingssessel oder auch das Gehen vom Wohnzimmer ins Badezimmer. Wichtig ist oft auch, die Treppe zu bewältigen oder aus dem Haus in den Garten oder auf die Straße zu kommen. In der Ergotherapie werden Alltagshandlungen wie Waschen, Anziehen oder Kochen in der realen Umgebung geübt. Die Logopädie beübt Sprechen oder Schlucken direkt vor Ort, ohne dass der Patient aus dem Haus gehen muss.

Für das bessere motorische Lernen hat es viele Vorteile, dass genau in der Umgebung geübt wird, in der auch die tägliche Routine stattfindet. Man kann genau an der Treppe üben, die auch bewältigt werden muss. Mit genau dem Geländer oder der Stufenhöhe. Wichtig ist dies auch beim Aufstehen aus dem Bett oder auch bei dem so wichtigen Toilettentransfer.

Ein weiterer Vorteil ist, dass in der häuslichen Umgebung die so bedeutsamen Tipps für Eigentraining gegeben werden können. Wie können die Angehörigen zum Beispiel besser mit dem Betroffenen kommunizieren? Wie kann man beim Essen optimal unterstützen? Was ist bei der Nahrungszubereitung zu beachten? Dies kann alles direkt vor Ort mit der Logopädie besprochen werden. Auch in der Physiotherapie können relevante Dinge geklärt werden: Wo klappen Aufstehübungen am besten? Ein Beispiel dafür kann auch der Balkon oder das Balkongeländer sein. Aber auch ein Küchentisch oder eine Treppe eignen sich hervorragend für ein Muskeltraining. Hilfsmittelberatung ist ein elementarer Bestandteil der häuslichen Betreuung von Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten. Funktioniert eine Codesprache, nützt ein Bewegungstrainer gegen die Versteifung der Gelenke oder zur Förderung der Ausdauer? Wo wird ein Griff an der Wand benötigt, um nicht zu stürzen? Welche Hilfsmittel gibt es für die Küche oder das Bad? Das sind alles Fragen, die kompetente Therapeuten am besten vor Ort beantworten können und auch gleich die entsprechenden Bezugstipps und Verordnungsmöglichkeiten besprechen können, oft auch in guter interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Orthopädietechniker beziehungsweise Rehatechnikern.

Ein weiterer wesentlicher Punkt, den man bei Hausbesuchen beachten muss ist, dass viele Betroffene gar nicht aus dem Haus kommen können. Dies sind aber gerade die Patienten, die am nötigsten Therapien brauchen. Viele neurologischen Patienten, nach einem Schlaganfall oder bei Parkinson- oder MS-Betroffenen, brauchen dringend Hausbesuche. Aber gerade auch ältere Patienten nach einem Sturz oder nach Operationen benötigen fachkundige Therapie. „Deshalb machen wir gerne Hausbesuche und finden dieses Therapieangebot wichtig“, so Hans Lamprecht, Geschäftsführer der Praxis Lamprecht im Otto-Ficker-Gebäude in Kirchheim. „Wir fahren bis nach Nürtingen oder auch nach Lenningen und Weilheim. Leider wird die Fahrzeit von den Krankenkassen nur mit einem sehr geringen Pauschalbetrag bezahlt. Deshalb machen viele Praxen sehr ungern Hausbesuche. Auch wir müssen eine wirtschaftliche Umsetzbarkeit im Einzelfall prüfen“, meint Hans-Nikolaj Lamprecht, Geschäftsführer der Praxis Lamprecht.

Gerade die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen bringt viele Vorteile für Patienten. Es ist notwendig, dass die verschiedenen Berufsgruppen sich ergänzen und eng miteinander zusammenarbeiten. Der Hausbesuch ist ein unerlässlicher Bestandteil in einer qualifizierten Betreuung von Patienten. Manchmal sind es nicht nur die älteren oder gebrechlichen Menschen, manchmal sind es sogar Säuglinge oder Kinder, die aus ganz bestimmten Gründen einen Hausbesuch benötigen. Natürlich bringt die Therapie in der Praxis auch viele Vorteile, die im Hausbesuch nicht darstellbar sind. So zum Beispiel der Einsatz von Therapiegeräten, wie Laufband, Handtrainer, Neurofeedbacktraining, Gleichgewichtstrainer oder vieles mehr. Dies ist natürlich nur in der Praxis vor Ort möglich. So macht es Sinn, dass, wenn man in die Praxis kommen kann, diese umfassenden Therapiemöglichkeiten natürlich auch genutzt werden.

Und wie sieht es mit ­Heimbesuchen aus?

Gerade Pflegeheime suchen oft dringend Logopäden zur Schlucktherapie. Viele ältere Menschen haben Probleme mit dem Schlucken. Etliche Bewohner von Pflegeheimen kommen nach einem Schlaganfall oder mit anderen neurologischen Problemen in ein Pflegeheim. Bei diesen Erkrankungen ist gezielte Sprach- und Schlucktherapie äußerst wichtig. Aber Logopäden, vor allem solche, die sich fundiert mit Schluckstörungen auskennen sind Mangelware.

„Meine Spezialisierung auf Dysphagie (Schluckstörung) habe ich schon als Praktikantin in der Schmiederklinik in Gerlingen begonnen. Diesen Therapiebereich finde ich für die Betroffenen sehr, sehr wichtig und oft finden diese Patienten keinen kompetenten Therapeuten im Hausbesuch oder in Heimen“, so Ann- Kathrin Lamprecht, Logopädin und Dysphagiespezialistin in der Praxis Lamprecht.

Ergotherapie leistet einen wichtigen Beitrag in der Therapie von Gedächtnisstörungen oder auch von der Therapie der Handgeschicklichkeit und vielen anderen Alltagshandlungen. Ergotherapeuten betreuen oft auch entsprechende Gruppen in Heimen und pflegerischen Einrichtungen. Die Physiotherapeuten kümmern sich meist um das so wichtige Gehen. Dies muss erhalten bleiben so lange es geht. Mobilsierung steht auf dem Programm. Raus aus dem Bett so lange wie möglich. Jeder Schritt zählt. Falls das Gehen nicht mehr möglich ist, muss sich oft um den Erhalt der Beweglichkeit gekümmert werden, zusammen und in enger Absprache mit der Ergotherapie. Bei schwerer Betroffenen ist Atemtherapie notwenig. Dies kann auch in der Zusammenarbeit mit der Logopädie erfolgen. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden sollten in Pflegeheimen eng zusammenarbeiten und vor allem auch eng mit der Pflege zusammenarbeiten.

Hier ist eine gute Kommunikation gefragt. „Insgesamt sollte ein Miteinander der verschiedenen therapeutischen Berufsgruppen, der Pflege, der Ärzte und nicht zuletzt der Angehörigen gesucht werden“, so Sabine Lamprecht von der Praxis Lamprecht, die viele Haus- und Heimbesuche im weiten Umfeld von Kirchheim anbietet.

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