Ergo- und Physiotherapie

Was ist Ergotherapie?

Foto: Ralf Just
Ein Feedback-gestützter Handtrainer hilft, die Handlungsfähigkeit zu erhöhen. Foto: Ralf Just

pm. Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind. Ziel ist, die Handlungsfähigkeit im Alltag und eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen.

Gerade bei einem interdisziplinären Ansatz, bei dem der Mensch als Ganzes gesehen wird, ist es sinnvoll, dass Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie eng zusammenarbeiten und sich gut absprechen, weiß Sabine Lamprecht, Geschäftsführerin der interdisziplinären Praxis Lamprecht. Alltag wird entweder im Hausbesuch oder auch in der Therapieküche, im Werkraum oder spielerisch geübt.

In der Ergotherapie werden künstlerische, handwerkliche, manuelle und geistige Fähigkeiten gezielt gefördert. Ja nach Belastbarkeit und individueller Einschränkung des Patienten kann die Behandlung in Einzelsitzungen, in Kleingruppen oder als Gruppentherapie durchgeführt werden.

Zu Beginn jeder Behandlung wird gemeinsam mit dem Ergotherapeuten ein individueller Therapieplan aufgestellt. Der Plan legt fest, welche Einschränkungen behandelt und welche Fertigkeiten vorrangig geübt werden sollen.

Ergotherapie in der ­Neurologie

Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) haben häufig Einbußen körperlicher oder auch geistiger Fähigkeiten zur Folge, die nur durch ein gezieltes Training zurückgewonnen oder zumindest verbessert werden können. Darunter zählen beispielsweise Schlaganfälle, Verletzungen des Gehirns nach Unfällen, Verletzungen des Rückenmarks (Querschnittslähmung), Multiple Sklerose, Morbus Parkinson und Demenzen (beispielsweise Alzheimer oder Demenz).

Die Behandlung konzentriert sich in erster Linie darauf, verloren gegangene Fähigkeiten (wie Lähmungen und Bewegungseinschränkungen, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten und vieles mehr) wieder herzustellen. Ist dies nicht mehr möglich, sollte der Patient versuchen alternative Strategien zu erlernen, die ihm ein selbständiges Leben ermöglichen - beispielsweise das Einhändertraining. Hier sind die Hilfsmittelberatung und die Orthesenversorgung sehr wichtig. „Wir arbeiten beispielsweise mit führenden Orthopädietechnikern zusammen. Diese kommen zu uns in die Praxis, um gemeinsam die optimale Lösung für den Betroffenen zu finden“, betont Hans Lamprecht, Geschäftsführer der Praxis Lamprecht.

Auch der Handzirkel sollte auf dem neuesten Stand des Wissens und der Technik sein. Somit ermöglicht man dem Patienten ein hochintensives Üben und Trainieren. „Dadurch werden erstaunliche Verbesserungen der Handfunktion erzielt“, so Sabine Lamprecht, die ein Masterstudium in Neurorehabilitation absolviert hat.

Ergotherapie in der ­Orthopädie, nach Unfällen oder Operationen

In diesem Bereich werden Störungen beziehungsweise Funktionseinschränkungen des Bewegungssystems behandelt. Dadurch sollen Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Koordination trainiert beziehungsweise wiederhergestellt werden. Ziel ist es auch hier, die größtmögliche Selbständigkeit wiederherzustellen. Ist eine vollständige Heilung nicht möglich, werden mit Hilfe der Ergotherapie Strategien entwickelt, um die bestehenden Defizite auszugleichen. Dazu gehören der Umgang mit Hilfsmitteln, Schienen und Haushaltshilfen.

Ergotherapie mit älteren Menschen

Auch für ältere Menschen bietet die Ergotherapie einen deutlichen Zugewinn für den Alltag. Patienten mit chronischen Erkrankungen, die aufgrund verschiedener Einschränkungen und Mehrfacherkrankungen in Senioren- und Pflegeheimen leben, können durch verschiedene Therapiemaßnahmen gezielt gefördert werden.

Die Ergotherapie ist aber auch ein wichtiger Bestandteil der Schmerzbehandlung, da der Patient lernt, sich besonders schonend und schmerzarm zu bewegen.

Ergotherapie bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten

Kinder mit Entwicklungsverzögerung oder Verhaltensauffälligkeiten werden in der Ergotherapie von spezialisierten Ergotherapeuten betreut. Sie können in einer Ergotherapie erlernen, sich selbst besser zu organisieren. Dabei setzt der Therapeut beispielsweise verhaltenstherapeutische Ansätze, Konzentrationsübungen oder Verfahren zum Training der Sozialkompetenz ein. Auch hier ist es wichtig interdisziplinär zu denken und zu handeln. Denn oft brauchen diese Kinder eine umfassende Förderung mit Physiotherapie oder auch Logopädie, so die Logopädin Ann-Kathrin Lamprecht.

Bei Kindern mit ADHS wird erfolgreich das sogenannte Neurofeedback eingesetzt, erklärt Geschäftsführer Hans-Nikolaj Lamprecht. Durch eine EEG-Ableitung bekommt der Patient Informationen über seine Gehirnaktivität und lernt daraus durch welches Verhalten er diese beeinflussen kann.

Ergotherapie bei Menschen mit Demenzerkrankungen

Ganz andere Bedürfnisse haben Menschen mit Demenzerkrankungen. Bei ihnen sollen die Maßnahmen die vorhandenen Fähigkeiten so lange wie möglich erhalten und die Auswirkungen der Krankheit möglichst lange hinauszögern. Dazu gehört oft eine Anpassung der Umgebung zu Hause. Außerdem sollten die Betroffenen Strategien erlernen, wie sie mit dem Nachlassen des Gedächtnisses umgehen können. Wichtig ist es auch, die Angehörigen in die Behandlung einzubeziehen.

Bei jedem kognitiven Training ist eine Zusammenarbeit mit einem Neuropsychologen wertvoll. Ergotherapie kann vieles im Alltag sehr erfolgreich verbessern und optimieren. Noch erfolgreicher ist jede Therapie im Team.

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