Kapital und Versicherung

Altersvorsorgebedarf im Zeitverlauf

Sparschwein Aktien Geld
Sparschwein Aktien Geld

GDV. Jüngere Generationen müssen von ihrem Lohn etwa doppelt so viel aufwenden wie Ältere, um die Versorgungslücke im Alter zu schließen. Das zeigen Berechnungen des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des GDV. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit Sitz in Berlin ist die Dachorganisation der privaten Versicherer in Deutschland. Sollten die Zinsen noch sehr lange auf dem niedrigen Niveau verharren, könnte der Sparbedarf sogar noch deutlicher steigen.

Während der Jahrgang 1960 rund 2,1 Prozent seines Erwerbseinkommens sparen muss, sind es bei den 1975 Geborenen schätzungsweise 4,4 Prozent und bei den 1990 Geborenen 3,9 Prozent. Der höhere Sparbedarf resultiert zum einen aus dem sinkenden Rentenniveau und dem längeren Ruhestand, da die Lebenserwartung stärker zulegt als das Renteneintrittsalter. Zum anderen leiden die jüngeren Jahrgänge unter den dramatisch gesunkenen Zinsen. Sollten diese noch sehr lange auf dem aktuell sehr niedrigen Niveau verharren, könnte der Sparbedarf der Jüngeren laut der Studie sogar auf mehr als acht Prozent ihres Erwerbseinkommens steigen.

GDV-Präsident: „Es wäre nur fair, wenn der Staat den Vermögensaufbau stärker unterstützt“

„Mehr zu sparen, ist für viele Menschen nicht leicht. Es wäre nur fair, wenn der Staat den Vermögensaufbau stärker unterstützt“, so GDV-Präsident Wolfgang Weiler. So liege der förderfähige Höchstbetrag bei der Riester-Rente seit 2002 unverändert bei 2.100 Euro, was damals etwa vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze entsprach. „Heute wären vier Prozent gut 3.200 Euro wert. Auf diese Summe sollte die Fördergrenze mindestens angehoben werden und in Zukunft mit den Einkommen automatisch mitwachsen“, fordert Weiler.

Längere Lebensarbeitszeit senkt Sparbedarf

Der steigende Altersvorsorgebedarf lässt sich nicht nur durch höhere Sparraten decken. Helfen könnte auch ein späterer Renteneintritt. „Längeres Arbeiten führt zu höheren Ansprüchen aus der gesetzlichen Rente und kann dazu beitragen, den längeren Ruhestand zu finanzieren“, sagt Prognos-Studienleiter Oliver Ehrentraut. Es sei daher sinnvoll, das Renteneintrittsalter an die fernere Lebenserwartung zu koppeln.

Zentrale Ergebnisse im Überblick

Spätestens mit der Riester-Reform 2001 müssen Versicherte der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) zusätzlich für das Alter vorsorgen. Wieviel, das hängt von der Entwicklung des Rentenniveaus, der Lebenserwartung (und damit der Dauer des Ruhestands) sowie dem Kapitalmarktumfeld ab. Die Prognos AG hat für die drei Jahrgänge 1960, 1975 und 1990 den Betrag berechnet, den diese zur Sicherung ihres Lebensstandards im Alter sparen müssen. Als Zielgröße wurde in der Studie das Rentenniveau von 55 Prozent gewählt, wie es bis zur Einführung der Riester-Reform galt.

Das Renteniveau sinkt

Um die Folgen des demografischen Wandels abzufedern und die langfristige Finanzierbarkeit der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente zu sichern, wird das Rentenniveau schrittweise gesenkt.

• Das Rentenniveau des Jahrgangs 1960 liegt zum Renteneintritt (2026) bei 49,4 Prozent.

• Das Rentenniveau des Jahrgangs 1975 liegt zum Renteneintritt (2042) bei 45,1 Prozent.

• Das Rentenniveau des Jahrgangs 1990 liegt zum Renteneintritt (2057) bei 43,7 Prozent.

Die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre hat aber positive Effekte. Ohne sie wäre das Rentenniveau niedriger: für den Jahrgang 1960 um 1,1 Prozentpunkte, den Jahrgang 1975 um 1,9 Prozentpunkte und den Jahrgang 1990 um 1,8 Prozentpunkte.

Die Lebenserwartung steigt - ebenso der Vorsorgebedarf

Trotz Anhebung des Renteneintrittsalters erwartet die Jüngeren ein längerer Ruhestand, für den sie vorsorgen müssen. Denn die Lebenserwartung steigt absehbar stärker als das Renteneintrittsalter.

• Der Jahrgang 1960 geht mit 66 (gerundet) in Rente und hat dann noch etwa 21 Jahre vor sich

• Der Jahrgang 1975 geht mit 67 in Rente und verbringt rund 22 Jahre im Ruhestand

• Der Jahrgang 1990 geht mit 67 in Rente und lebt voraussichtlich noch etwa 24 Jahre

Durch den längeren Ruhestand erhöht sich zugleich der Altersvorsorgebedarf, der zu Deckung der Sicherungslücke benötigt wird. Der reale, in aktuellen Preisen gemessene Wert steigt von 40.000 Euro (Jahrgang 1960), über 83.000 Euro (Jahrgang 1975) auf 117.000 Euro (Jahrgang 1990). Nominal liegen die Werte bei 47.000 Euro, 137.000 Euro und 259.000 Euro.

Die Verzinsung variiert - und damit auch der Sparbedarf

Zur Deckung des Altersvorsorgebedarfs findet jeder Jahrgang andere Bedingungen am Kapitalmarkt vor. Daraus ergeben sich unterschiedliche Renditen. Sie beeinflussen auch den nominalen Sparbedarf, also den Betrag, den jede Generation aktiv sparen muss - ohne Berücksichtigung von Zinseszinsen.

Der Jahrgang 1960 kommt im Basiszinsszenario über die gesamte Spar- und Ruhestandsphase hinweg auf eine durchschnittliche Verzinsung nach Kosten von 1,8 Prozent. Damit muss er während der Sparphase etwa 26.000 Euro aktiv sparen. Das entspricht 2,1 Prozent seines Bruttoerwerbseinkommens in dieser Zeit.

Der Jahrgang 1975 kommt im Basiszinsszenario über die gesamte Spar- und Ruhestandsphase hinweg auf eine durchschnittliche Verzinsung nach Kosten von 1,6 Prozent. Er muss etwas mehr als 81.000 Euro sparen - das sind 4,4 Prozent seines Bruttoerwerbseinkommens.

Der Jahrgang 1990 kommt im Basiszinsszenario über die gesamte Spar- und Ruhestandsphase hinweg auf eine durchschnittliche Verzinsung nach Kosten von 2,6 Prozent. Er muss rund 111.000 Euro bzw. 3,9 Prozent seines Bruttoerwerbseinkommens beiseitelegen.

Lange Niedrigzinsphase erhöht den Sparbedarf massiv

Eine sehr lange Niedrigzinsphase würde den nominalen Sparbedarf - insbesondere für die jüngeren Jahrgänge - deutlich erhöhen. Gleichzeitig würden die Unterschiede zwischen den Generationen stark zunehmen.

Der Jahrgang 1960, der bereits kurz vor Ende der Sparphase steht, hätte im modellierten Niedrigzinsszenario den geringsten Mehraufwand. Seine Nachkostenrendite beliefe sich auf 1,4 Prozent. Daraus ergibt sich ein nominaler Sparbedarf während der Sparphase von 30.000 Euro.

Das entspricht 2,4 Prozent seines Bruttoerwerbseinkommens in dieser Zeit. Der Jahrgang 1975 käme im unterstellten Niedrigzinsszenario auf eine Rendite nach Kosten von 0,3 Prozent. Er müsste etwa 123.000 Euro sparen - das wären bereits 6,7 Prozent seines Bruttoerwerbseinkommens während der Sparphase.

Der Jahrgang 1990 wäre am stärksten von sehr langen Niedrigzinsen betroffen. Seine Nachkostenrendite läge ebenfalls bei 0,3 Prozent. Er müsste aber fast 233.000 Euro beziehungsweise 8,3 Prozent seines Bruttoerwerbseinkommens beiseitelegen.

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