Ortsvorstellung Kirchheim

Die Stadt erleben und sich dabei wohlfühlen

 

Kirchheim
Foto: Jörg Bächle

pm. In der Sommerzeit füllen sich die Straßen und Gassen im Stadtkern. Die Gastronomie breitet sich aus, bietet unter schattenspendenden Sonnenschirm das entsprechende Outdoor-Feeling und lädt zum Wohlfühlen entlang der Fachwerkbauten ein. Doch, was können Bürger gegen den laufenden Klimawandel unternehmen und sich dennoch wohlfühlen? Dazu macht sich Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker viele Gedanken. Nur: Gedanken allein bringen jedoch keine Änderung, es müssen Taten folgen. Und da steckt die Stadtverwaltung mitten in der Umsetzung. Mit verschiedenen Ansätzen will man den 17 Verpflichtungen aus der Nachhaltigkeitsresolution der UN nachkommen. Mit der Einführung des Café-to-go-Bechers im Spätsommer 2017 nahm die Verwaltung den Kampf gegen dem Plastikmüll auf. Die bunten Becher mit verschiedenen Kirchheim-Silhouetten sind zwar munter im Umlauf, doch es könnten mehr sein. „Mein Wunsch ist es, dass alle den Becher nutzen und auf Einwegplastik verzichten“, fordert die Oberbürgermeisterin. „Der Plastik muss weg.“ Mit der Gastronomie ist Angelika Matt-Heidecker zufrieden: „Das Flair der Stadt ist freundlich und belebt.“ Damit Menschen in der Stadt leben und wohnen können, gibt es Regeln bei der Außenbewirtung: „Unabhängig vom Wochentag darf bis 23 Uhr auf der Straße serviert werden.“ Neu sind die Überlegungen, dass die Dettinger Straße teilweise und temporär für den fahrenden Verkehr gesperrt wird. „Damit wollen wir der Gastronomie mehr Platz schaffen und letztendlich ist eine solche temporäre Fußgängerzone auch umsatzbringend.“ Mit den Anwohnern sei schon gesprochen worden, das Thema wird nun dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt, wie die Oberbürgermeisterin versprach. Der Dialog mit den Gastronomen beleuchtet jährlich am Stammtisch die auftretenden Probleme und danach löst man diese gemeinsam.

Tourismus fördern

Wenn durch die offene Gastronomie mehr Touristen und Gäste nach Kirchheim kommen, will man diesen eine besondere Aufenthaltsqualität liefern. Wobei der Aufenthalt auch für die Bürger der Stadt auf hohem Wohlfühlniveau bleiben soll. Und hier zählen schon unscheinbare Details, wie Angelika Matt-Heidecker schwärmt: „Jetzt blühen überall die Blumen in bunten Farben und der Oleander zeigt seine Pracht.“ Sie fordert: „Wir müssen viel, viel mehr Grün in die Stadt bringen.“ Und dabei denkt die Oberbürgermeisterin nicht an die politische Gesinnung, sondern an die Natur. Allerdings bilden sich da Sorgenfalten bei Angelika Matt-Heidecker: „Die Zahl der Kastanienbäume in der Stadt nimmt ab, über kurz oder lang wird es leider keine Kastanien mehr in unserer Stadt geben. Das hiesige Klima ist für die Kastanie nicht mehr geeignet.“ Schon jetzt gelte es daher zu überlegen, welcher Baum passt zum Klima. Daher wurden auf dem Marktplatz bereits Silberlinden und keine Kastanien mehr gepflanzt. Die Stadtchefin ist sich sicher: „Wir wollen mehr Bäume in der Stadt.“ Außerhalb des Stadtkerns wurden in den vergangenen Monaten und Jahren unter dem Projektname „Natürlich - naturnah“ mehrere Blühwiesen geschaffen. An mehreren Ecken um die Teckstadt rum finden dort Bienen und andere Insekten ein buntes Zuhause und meistens sogar ein Insektenhotel. Die Stadt ging sogar einen Schritt weiter und holte die Landwirte ins Boot, wie Angelika Matt-Heidecker weiß: „Im Aufstellungsverfahren zum Flächennutzungsplan diskutieren wir mit den Landwirten die geförderte Möglichkeit zum Anlegen von Blühflächen auf den Feldern. Die umliegenden Landwirtschaftsbetriebe sollen auf ihren Feldern Platz für Blühwiesen lassen. So finden Insekten und Bienen den dringend benötigten Lebensraum.“ Wer in der Stadt unterwegs soll sich dort gerne aufhalten. Dazu gibt es gemütliche Neuigkeiten, wie die Oberbürgermeisterin verrät: „Wir schaffen Regie- und Liegestühle an. Diese stehen dann vor verschiedenen Geschäften der Stadt.“ Wer also vom Schlendern und Schoppen müde ist, kann sich in besagten Sitzmöglichkeiten mit dem Kirchheim-Logo niederlassen und den Blick über historischen Häuser der Stadt schweifen lassen. Der Clou: Die Geschäfte verwalten die Stühle selbst und räumen sie abends mit rein. Ebenfalls neu sind Bierdeckel mit den Nachhaltigkeitspunkten auf der einen Seite und einem typisch schwäbischen Spruch auf der anderen Seite. „Mit diesen 12 000 bedruckten Bierdeckeln wollen wir erreichen, dass die globalen Nachhaltigkeitspunkte ins Bewusstsein kommen.“ Immerhin arbeitet die Verwaltung eng an den Klimazielen, die laut UN bis 2030 erreicht werden sollen. Die Klimaziele sind als wichtiger Bestandteil in der „Strategischen Ausrichtung“ der Stadt verankert.

Mobil in der Stadt

„Autos in der Stadt wird es immer geben“, stellt Angelika Matt-Heidecker fest. Auch in der Fahrradstadt an der Teck wird die Bevölkerung kaum auf den vierrädrigen Untersatz verzichten. Doch die Oberbürgermeisterin ist sich sicher: „Es gibt so viele Möglichkeiten, das Fahrrad zu nutzen, auch zum Einkaufen.“ Der Traum vom autofreien Kirchheim wird wohl dennoch ein Traum bleiben. Allerdings setzt die Verwaltung weiterhin auf den Verzicht der Benzinschleudern. So können sich die Bürger auf das Stadtticket freuen: „Für drei Euro pro Tag kann das Stadtticket den ganzen Tag in Kirchheim und Dettingen genutzt werden.“ Angelika Matt-Heidecker freut sich, dass die Stadt das subventionierte Ticket ab 1. Januar 2020 anbieten kann. „Bisher kostet ein Ticket für eine Zone in der Stadt 2,50 Euro.“ Rund 110 000 Euro (Zur Einordnung: Kirchheim zahlt davon rund 100 000 und Dettingen 10 000 Euro) lässt sich die Stadt das neue Ticket kosten, denn die Differenz muss an das Busunternehmen bezahlt werden. Ein weiterer zweirädriger Ansatz ist das Stadtrad. Dieses soll - sobald es der Gemeinderat bewilligt - zusätzlich für Werbezwecke eingesetzt werden. „Wir wollten die Kirchheim-Info zuerst auch am Sonntag öffnen, das lässt sich aber leider so nicht umsetzen“, bedauert die Oberbürgermeisterin. Mit dem Lastenrad soll eine Attraktion geschaffen werden, die dann vor dem Max-Eyth-Haus steht. „Das Fahrrad kann aber auch für anderweitige Werbezwecke genutzt werden.“ Der zunehmende Fahrraddiebstahl beim Freibad der Stadt, ärgert die Stadtchefin. Doch für die Langfinger ist jetzt Schluss: „Die Fahrradständer sind nun nicht mehr hinter der Hecke versteckt, sondern sind nun vom Bad aus gut einsehbar.“ Damit fördert die Stadtverwaltung die Mobilität und Sicherheit auf zwei Rädern.

Mitternachtsshopping
In der Sommerzeit füllen sich die Straßen und Gassen im Stadtkern – so wie hier beispielsweise beim Mitternachtsshopping. Foto: Jörg Bächle
„Natürlich – Naturnah“
Mit dem Projekt „Natürlich – Naturnah“ entstanden mehrere Blütenwiesen im Stadtgebiet. Auf dem Bild freut sich Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker über die Blütenpracht und das gut „besuchte“ Insektenhotel. Foto: Thomas Krytzner
Blüten­wiesen
Die Stadt macht es vor, aber jeder kann auch Zuhause seinen Beitrag leisten: Blüten­wiesen brauchen kaum Pflege und sind nützlicher Lebensraum für Bienen und Co. Foto: Thomas Krytzner
Eingang Freibad
Die Fahrradständer beim Freibad sind nun vom Kassenhäuschen aus gut einsehbar. Damit fördert die Stadtverwaltung die Mobilität und Sicherheit auf zwei Rädern. Foto: Jörg Bächle
Nachhaltige Becher
Nachhaltigkeit durch Verzicht auf Einwegplastik. Mit diesen bunten Coffee to go Bechern setzt Kirchheim auf eine lebenswertere Zukunft. Foto: Thomas Krytzner
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