Ortsvorstellung Weilheim

Besonderer Wein im Jubiläumsjahr

4 000 Flaschen vom Roten und 3 000 Flaschen vom Weißen gibt es dieses Jahr. Fotos: Markus Brändli
4 000 Flaschen vom Roten und 3 000 Flaschen vom Weißen gibt es dieses Jahr. Fotos: Markus Brändli

tb. Falls der Weingott Bacchus existiert, hat er wohl eine Schwäche für Weilheim, denn in ihrem Jubiläumsjahr wird der Stadt ein Wein serviert, wie es ihn selten gegeben hat: Der rote und der weiße Bertoldwein des Jahrgangs 2018 tragen beide das Prädikat „Spätlese“, eine Bezeichnung für eine besonders gute Qualität. „Bei uns steht das nur auf dem Etikett, wenn die Oechslegrade deutlich über 90 liegen“, sagt der Weilheimer Hobby-Weingärtner Rainer Bauer.

Ende September wurden an den Hängen der Limburg die Spätburgunder-Trauben gelesen. Wärme und Sonne haben die Reben verwöhnt, Unwetter und Schädlinge sind ausgeblieben. Als die Weilheimer ihre Trauben in der Neuffener Kelter abliefern meldete das Refraktometer durchweg über 100 Oechslegrade. Ein halbes Jahr später stehen die Flaschen mit den fertigen Bertoldweinen des Jahrgangs 2018 in den Regalen der Weilheimer Supermärkte, kleinerer Läden und einiger Gastronomen.

Das Bouquet des Weins ist intensiv, der Alkoholgehalt hoch wie sonst nie. „Der rote Bertoldwein hat 13 Prozent, der weiße 13,5“, so Bauer. Überrascht hat ihn aber etwas ganz anderes: die Farbe des fertigen Weins, den er auch selbst auf sechs Ar an der Limburg anbaut. „Spätburgunder ist sonst nie so kräftig rot. Ich dachte erst, das ist ein Lemberger oder ein Dornfelder“, erinnert er sich an den Moment, als er zum ersten Mal den roten Bertoldwein des Jahrgangs 2018 im Glas gesehen hat. Auch die Geschmacksprobe hat ihn überzeugt: „Ich bin sicher, dass man unseren Spätburgunder dieses Jahr bei einer Blindverkostung auch für einen Wein aus Italien oder Frankreich halten könnte.“

Ein halbes Jahr sind die Weine von der Weilheimer Limburg bei der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft gereift und ausgebaut worden. Dorthin wird die Maische der roten Trauben und der Saft der weißen Trauben der Weingärtner-Genossenschaft Hohenneuffen-Teck gebracht. In dieser Zeit haben die Winzer selbst nur noch begrenzt Einfluss auf das Ergebnis. Ganz aus der Hand geben sie ihr Erzeugnis aber nicht. So war im Januar eine Abordnung aus Weilheim und Neuffen in Möglingen, um die Weine zu verkosten und mit dem Kellermeister zu besprechen, in welche Richtung er den Geschmack der Tröpfchen lenken soll. Dabei gilt es, die richtige Balance zwischen Alkohol, Restzucker und Säure zu finden. „Die Weilheimer Weine werden traditionell halbtrocken ausgebaut“, so Bauer. Dieses Jahr hat der rote Bertoldwein beim üblichen Säuregehalt von 4,7 Gramm pro Liter eine Restsüße von 13 Gramm pro Liter. „Sonst liegen wir in der Regel eher bei elf Gramm“, informiert der Weilheimer Wengerter. „Für den Weißwein waren die Oechslegrade fast zu viel“, sagt Rainer Bauer. Bei einem Alkoholgehalt, der rund zwei Prozent über dem der Vorjahre liegt, könne man von einem „leichten Sommerwein“ kaum noch sprechen.

Die Weinliebhaber aus der Region jedoch stört das nicht - im Gegenteil: Sie schätzen die Tröpfchen, die es in sich haben. „Die Nachfrage nach den beiden Bertoldweinen ist sehr hoch“, sagt Rainer Bauer.4 000 Flaschen vom Roten und 3 000 Flaschen vom Weißen gibt es dieses Jahr. In der Regel reichen die Bestände bis zum Spätherbst oder bis kurz vor Weihnachten.