Recht und Steuern

Neues und Tipps gegen Abzocke

Spiele auf dem Handy können sichtig machen und Kosten verursachen. Foto: Jörg Bächle
Spiele auf dem Handy können süchtig machen und unter Umständen auch Kosten verursachen. Foto: Jörg Bächle

pm. Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit im digitalen Raum. Gerade im Zuge der Corona-Pandemie ist die Smartphone-Nutzung bei ihnen noch weiter in die Höhe geschnellt - und gleichzeitig auch die Probleme mit Abzocke und Kostenfallen bei digitalen Spielen. Die Bundesregierung hat deswegen eine Reform des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) auch in Bezug auf die Gefahren im Netz auf den Weg gebracht. Die neuen Regelungen sollen Kinder und Jugendliche unter anderem besser vor Vertrags- und Abofallen sowie versteckten Kosten in der digitalen Spielwelt schützen. Am 1. Mai 2021 traten die neuen Regelungen zum Jugendschutz im Internet in Kraft.

Was ist neu?
Die Anpassung des Jugendschutzgesetzes an die Herausforderungen im Internet ist auch für Eltern eine gute Nachricht. Weil die teuren Handyrechnungen in der Regel bei den Erziehungsberechtigten landen und es aufwändig sein kann, sich dagegen zu wehren, sind in der Vergangenheit bereits viele Eltern Opfer von Abzockmaschen bei digitalen Spielen geworden.

Die neuen Jugendschutz-­Regelungen 2021 bringen ­unter anderem diese neuen Schutzmechanismen:

Strengere Alters- kennzeichnung für Spiele
Für die Alterseinstufung von Spielen sollen künftig auch glücksspielähnliche Elemente wie so genannte Lootboxen sowie weitere gefährdende Abzock-Mechanismen einbezogen werden. Enthält ein Online-Game zum Beispiel glücksspielähnliche Inhalte, könnte es künftig erst ab einem höheren Alter freigegeben werden. Wobei noch nicht endgültig feststeht, zu welcher konkreten Einstufung die zuständige Selbstregulierungsstelle der Wirtschaft, die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) kommen wird (zum aktuellen Stand siehe hier). Zusätzlich zur Alterskennzeichnung sollen Spiele künftig auch mit einem „beschreibenden Symbol“ gekennzeichnet werden. Zum Beispiel mit einem entsprechenden Icon, wenn das Game Kostenfallen oder glücksspielähnliche Elemente enthält. Die Prüfung der Altersfreigabe von Spielen erfolgt weiterhin vorrangig durch die USK. Es bleibt also zu hoffen, dass Eltern zukünftig auch auf eine objektive Beurteilung und Vergabe von Alterssiegeln und somit auf den Schutz ihrer Kinder vertrauen dürfen.

Tendenziell ist zu erwarten, dass die USK eine höhere Einstufung jedoch eher zurückhaltend einsetzen wird und stattdessen verstärkt auf Zusatzhinweise in App-Stores setzen wird. Auch soll bei der Frage der Einstufung gewichtet werden, ob der Anbieter Jugendschutzeinstellungen bereithält. Zu welchen Ergebnissen dies in der Praxis führen wird, bleibt abzuwarten. Kinder- und Jugendspiele ab 6 oder 12 Jahren, die nach wie vor noch Glücksspielelemente enthalten dürfen, wären jedenfalls aus Verbraucherschützer Sicht klar abzulehnen.

Positiv: Um eine ­objektive Alterseinstufung durchzusetzen, wird die bestehende „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) zur „Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz“ weiterentwickelt, stärker ausgebaut und mit effektiveren Durchgriffsrechten versehen.

Schutz vor Belästigung im Netz
Zusätzlich zum Schutz vor Online-Kostenfallen und Abzocke rückt das neue Jugendschutzgesetz auch den Schutz vor Belästigung im Netz in den Fokus. Anbieter von Online-Spielen und sozialen Netzwerken sollen künftig verhindern, dass Fremde Kinder und Jugendliche online einfach finden und anschreiben können. Dazu werden die Anbieter zu schützenden Voreinstellungen verpflichtet.

Dadurch soll das sogenannte Cybergrooming verhindert werden: Dabei geben sich Erwachsene in Chats als Jugendliche aus. Bei Treffen im realen Leben kommt es immer wieder zu sexueller Belästigung.

Hilfs- und Beschwerde­systeme
Für Kinder und Jugendliche, die sich im Internet bedroht oder bedrängt fühlen, soll ein einfaches, leicht verständliches Hilfs- und Beschwerdesystem entwickelt werden.

Verstoßen Unternehmen gegen die neuen Jugendschutz-Regelungen, drohen ihnen Bußgelder. Das Gesetz ist am 15. April 2021 im Gesetzesblatt veröffentlicht worden.

Wie kommt es zu den ­Abzocke- Fällen bei Online-Spielen?
Bereits seit Jahren kommen bundesweit immer wieder Verbraucher in die Beratung der Verbraucherzentralen und klagen über horrende Rechnungen nicht selten in Höhe von mehreren 100 oder auch 1000 Euro. Meistens werden diese Rechnungsbeträge von den einschlägigen großen App-Store-Betreibern in Rechnung gestellt. Was war passiert?

Oft sind die Kinder und Jugendlichen der Geschädigten Opfer von Spiele-Apps geworden. Diese nutzen die geschäftliche Unerfahrenheit und den Spieltrieb der Minderjährigen gezielt aus, um sie dazu zu bringen, echtes Geld im virtuellen Spiel auszugeben. Durch ein einfaches Wischen oder Tippen auf Werbebanner in Apps können aber auch Kinder kostspielige Abos aktivieren oder teure Zusatzkäufe tätigen.

Die Abzocke bei Spiele-Apps gelingt häufig über geschickt angelegte Suchtspiralen im Spielprinzip: Der Spieler wird über anfänglich leichte Erfolge angefixt. Bald ist der Erfolg aber nur noch möglich, indem echtes Geld in das Spiel gesteckt wird. Um Spielevorteile zu erlangen, sind sogenannte In-Game-Käufe nötig. Meist geschieht dies über den Umweg einer digitalen Spielewährung, welche die wahren Kosten verschleiert.

Werden so anfangs nur kleine Beträge eingesetzt, so nimmt der Kostenzug doch in der Regel schnell an Fahrt auf und es folgen bald Kosten in 10er- oder sogar 100er-Schritten.

Solch horrende Kosten bei digitalen Spielen sind möglich, da im App Store schlimmstenfalls nur per Buttonklick ein kleines Vermögen ausgegeben werden kann. So verwundert es schon, warum ein Klick in vorgeblichen Kinderspielen wenig taschengeldgerechte Beträge von 100 Euro und mehr kostet.

Teilweise haben App Store-Betreiber mittlerweile eine gewisse Deckelung pro Einmalzahlung durchgesetzt. Am grundsätzlichen Problem, der niedrigen Hürde beim Auslösen von In-App-Käufen, hat dies jedoch nur wenig geändert. Nach wie vor laufen Eltern daher Gefahr, dass hohe Beträge von ihnen verlangt werden, wenn der Nachwuchs im Spielerausch dutzendfach auf den Kaufen-Button klickt und die elterliche Kreditkarte mit dem App Store verknüpft ist.

Kostenfallen in Spiele-Apps: Wie kann ich mein Kind und mich schützen?
Um Ihr Kind und sich selbst vor Kostenfallen und Abzock-Methoden bei digitalen Spielen zu schützen, können Sie vorbeugend einige Maßnahmen treffen. Zum Beispiel:

In-Game-Käufe deaktivieren; Passwort-Sperren einrichten oder nur Prepaid-Karten mit vordefinierter Aufladung nutzen. Mehr dazu, wie man sich vor hohen Kosten durch In-App- und In-Game-Käufe schützen können, finden man unter www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/apps-und-software/ingame-und-inappkaeufe-wenn-virtueller-spielspass-teuer-wird-12941

Das Problem: Die Kostenbremsen für In-Game-Käufe sind noch zu wenig bekannt. Leider erfahren zu viele Eltern erst im Nachhinein von der Existenz derartiger Schutzmechanismen. Nämlich dann, wenn sie den unseriösen Machenschaften bereits auf den Leim gegangen sind - und sie eine hohe Rechnung bekommen.

Tipp: Die Verbraucherzentralen bieten zum Thema Abzocke durch Online-Spiele auch regelmäßig Webseminare an, die man besuchen können. Weitere Infos dazu findet man unter www.verbraucherzentrale-rlp.de/digitale-welt/webseminar-jugendmedienschutz-neuerungen-und-tipps-gegen-abzocke-59607. Bei App-Store-Betreibern zeichnet sich derweil immerhin ein begrüßenswertes Umdenken ab: Sie erklären und erleichtern zunehmend die Einstellungsmöglichkeiten zum Schutz vor In-Game-Käufen. Signifikante Verbesserungen, wie etwa restriktive Voreinstellungen bei der Einrichtung eines neuen Gerätes quasi im Sinne von Jugendschutz by default sucht man aber noch vergebens.

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