Saubere Luft

Ein hohes Infektionsrisiko in Innenräumen kann man deutlich reduzieren

Luftreiniger fangen und/oder zerstören Viren aller Art - und filtern so Corona aus Aerosolen in Innenräumen.Foto/Grafik: Jörg Bä
Luftreiniger fangen und/oder zerstören Viren aller Art - und filtern so Corona aus Aerosolen in Innenräumen. Foto/Grafik: Jörg Bächle/Lia Eisele

TB. Können mobile Luftreinigungsgeräte einen Beitrag leisten, um das Infektionsrisiko in Innenräumen durch SARS-CoV-2 zu reduzieren? Dieser Frage ist auch das Umweltbundesamt nachgegangen. Mobile Luftreinigungsgeräte sind je nach technischer Auslegung in der Lage, Viren aus der angesaugten Luft zu entfernen beziehungsweise zu inaktivieren. Allerdings hänge ihre Wirksamkeit in realen Räumen neben den technischen Spezifikationen auch von den Aufstellbedingungen vor Ort und von der Luftausbreitung im Raum ab, so das Amt.

Es sind verschiedene Technologien bei Luftreinigern zu unterscheiden, so das Umweltbundesamt: Dazu gehören beispielsweise Filtertechnologien, UV-C-Technologien oder auch Ionisations- und Plasmatechnologien, um die wichtigsten zu nennen. Hierzu sei im Einzelnen anzumerken:

Filtertechnologie
Mobile Filtergeräte sollten möglichst mit hocheffizienten Gewebefiltern (Filterklassen H 13 oder H 14, wobei die Filterklasse H 14 in Schulen, Büros etc. schon aus Kostengründen nicht erforderlich ist) ausgestattet sein, da nur diese eine vollständige Entfernung von Viren aus der durch das Gerät gesaugten Luft gewährleisten. Feinfilter der Klassen F 7 reichen nicht, solche mit Klasse F 9 (alte Bezeichnung) beziehungsweise ISO ePM2,5 65 % bis ISO ePM1 80 % (neue Bezeichnung), wie sie zum Beispiel in herkömmlichen raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) mit zwei Filterstufen zum Einsatz kommen, lassen meist einen Anteil der Aerosolpartikel in der behandelten Luft übrig. Filtergeräte mit hocheffizienten Filtern sind in der Lage, die Zahl der die Aerosolpartikel in einem Raum zu senken. Um die bestmögliche Wirkung mit Filtergeräten zu erzielen und über die Dauer der Betriebszeit zu erhalten, müssen die Filter in der Regel nach einer gewissen Betriebszeit gewechselt werden. Je nach Staub- und Partikelbelastung kann das nach einem halben bis einem Jahr der Fall sein. Hierzu sind Fachkenntnisse oder geschultes Personal erforderlich. Um keinen störenden Geräuschpegel im Raum entstehen zu lassen, sollten vor Beschaffungen entsprechende Kenndaten zur Geräuschentwicklung vom Hersteller eingeholt werden. Um möglichst die gesamte Raumluft binnen kurzer Zeit durch die Geräte hindurch zu leiten, sind im Einzelfall hohe Luftdurchsätze erforderlich, die die Geräte recht laut machen. Da helfen dann nur andere Technologien.

UV-C-Technologie
UV-C-Strahlung ist vom Grundsatz her in der Lage, Mikroorganismen wie Bakterien und Viren zu inaktivieren. Geräte mit UV-C-Strahlungsquellen werden schon seit Langem zur Entkeimung von Oberflächen zum Beispiel in Laboren oder zur Raumluftdesinfektion in lebensmittelverarbeitenden Betrieben eingesetzt. Für die Wirksamkeit gegenüber infektiösen Aerosolen in einem Innenraum ist entscheidend, ob ein Gerät ein ausreichend großes Luftvolumen desinfizieren und die gereinigte Luft gut im Raum zirkulieren kann. Die Wirksamkeit ist abhängig von der Bestrahlungsintensität und von der Bestrahlungszeit der Luft im Gerät. Für Augen und Haut stellt UV-C Strahlung ein gesundheitliches Risiko dar. Deshalb fordert das UBA beim Einsatz dieser Strahlungsquellen in mobilen Luftreinigern den Wirksamkeitsnachweis in der Praxis sowie Sicherheitsgarantieren beim Umgang. Das gilt besonders auch für Schulen und Kitas. Die IRK (Kommission Innenraumlufthygiene) empfiehlt in ihrer Stellungnahme vom 16. November 2020 (https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2546/dokumente/201116_irk_stellungnahme_luftreiniger.pdf) ebenfalls den Nachweis der Gerätesicherheit und den Nachweis der Wirksamkeit. Die Kommission Innenraumlufthygiene erarbeitet Empfehlungen und Stellungnahmen zu verschiedenen Fragen und Problemen mit biologischen und chemischen Stoffen der Luft in Innenräumen. (www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/kommissionen-arbeitsgruppen/kommission-innenraumlufthygiene)

In privaten Wohnungen lehnt das Umweltbundesamt den Einsatz solcher Geräte aus Sicherheitsgründen ab, denn hier bestehen meist wenig Kontrollmöglichkeiten, was die sachgerechte Verwendung, Wartung und den bestimmungsgemäßen Gebrauch angeht. Mobile Geräte mit UV-C-Technik haben gegenüber solchen mit Filtration den Vorteil der geringeren Geräuschentwicklung im Betrieb.

Ionisations- und Plasmatechnologie
Auch Ionisation und Plasma sind vom Grundsatz her in der Lage, Mikroorganismen wie Bakterien und Viren zu inaktivieren. Im Rahmen von Luftreinigungsanlagen findet diese Technologie seit vielen Jahren Anwendung. Tendenziell sind auch die Geräte wartungsärmer als solche mit Filtration, weil keine Filter zu ersetzen sind. Auch die Geräuschentwicklung ist im Allgemeinen geringer als bei filtrierenden Geräten. Dem UBA liegen derzeit jedoch keine Daten vor, ob der Luftdurchsatz und die Effizienz der im Handel befindlichen Geräte ausreichen, um einen ausreichenden Schutz gegen eine Infektion mit SARS-CoV-2 in großen und dicht belegten Innenräumen wie Klassenräumen zu gewährleisten. Generell sollte vor Beschaffung entsprechender Geräte eine Wirksamkeitsprüfung vom Hersteller eingeholt werden. Weiterhin ist bei dieser Technologie zu beachten, dass beim Betrieb unerwünschtes Ozon entstehen kann, welches unbedingt vor Freisetzung in den Innenraum zurückgehalten werden muss. Auch hier sollte der Nachweis durch den Hersteller auf Anfrage erbracht werden können, rät das Umweltbundesamt.

Wirksamkeit von mobilen Luftreinigungsgeräten
Für eine größtmögliche Wirksamkeit von mobilen Luftreinigungsgeräten (egal mit welcher Technologie sie arbeiten) ist die sorgfältige Planung und Realisation des Aufstellungsortes im Raum und die Berücksichtigung der Raumgegebenheiten (Raumvolumen, Luftführung und Luftströmungen im Raum) von entscheidender Bedeutung. Der Luftdurchsatz muss in Abhängigkeit der Raumgröße und der Anzahl der Personen im Raum einstellbar sein. Auch die Ansaug- und Abblasrichtung der durch das Lufteinigungsgerät hindurch geleiteten Luft sind entscheidend dafür, dass der Luftreiniger wirklich einen wesentlichen Anteil der Mischluft im Raum ansaugen und als gereinigte Luft wieder in den Raum abgeben kann.

In der Produktliteratur finden sich häufig Prüfberichte zu Luftreinigungsgeräten, wo zu Beginn des Experiments ein Raum einmalig mit Partikeln gefüllt wird, und anschließend Abklingkurven infolge der Luftreinigung ausgewertet werden. Solche Prüfberichte erwecken den Eindruck, man könne die Konzentration von Aerosolen in einem Realraum beliebig reduzieren. Die reale Situation ist jedoch verschieden, insofern eine infektiöse Person kontinuierlich virushaltige Aerosole in die Raumluft emittiert. Ein mobiles Gerät kann die Konzentration von Aerosolen in einer realen Situation somit reduzieren, aber zu keinem Zeitpunkt auf null bringen. Sind mehrere infektiöse Personen anwesend, würde die Reinigungswirkung mobiler Geräte in Bezug auf virushaltige Aerosole entsprechend weiter sinken. Mobile Luftreinigungsgeräte dürfen daher nicht als absoluter Schutz vor infektiösen Aerosolen angesehen werden - so das Umweltbundesamt.

Notwendigkeit eines aktiven Lüftens
Es ist zu beachten, dass die hier beschriebenen Luftreinigungstechniken nicht zu einer Minderung der Raumluftbelastung mit Kohlendioxid, Wasserdampf und gasförmigen chemischen Schadstoffen beitragen. In dicht belegten Räumen, wie an Schulen und Bildungseinrichtungen, entstehen ohne Lüftung unerwünscht hohe Konzentrationen an Kohlendioxid, die sich mindernd auf geistige Konzentration und Lernleistung auswirken können. Daher ersetzen mobile Luftreinigungsgeräte nicht die Notwendigkeit eines aktiven Lüftens, welches entweder kontinuierlich durch raumlufttechnische Anlagen oder periodisch über Fenster zu erfolgen hat. Mobile Luftreinigungsgeräte sollen nach Auffassung des Umweltbundesamtes daher nur im Verbund mit Lüftungsmaßnahmen und den allgemeinen Hygieneregeln (AHA-Regeln: Abstand, Hygienemaßnahmen, Mund- Nasen-Schutz) eingesetzt werden.

Alle Infos zum Thema findet man unter www.umweltbundesamt.de/themen/mobile-luftreiniger-in-schulen-nur-im-ausnahmefall.

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