Tag des Handwerks

Spagat zwischen Tradition, Technik, Kunst und Moderne

pm. Das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk gehört zu den ältesten Handwerken der Menschheit. Heute zählt es in Deutschland mit rund 5 500 Betrieben und einem jährlichen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro zwar zu den kleineren, dafür aber mit einer deutlich über dem Durchschnitt liegenden Lehrlingsquote zu den ausbildungsstarken Handwerken.

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Wenn es darum geht, den von der Natur hervorgebrachten Stein zu bearbeiten und nach individuellen Vorstellungen zu formen, steht das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk des dritten Jahrtausends zwischen bewährten Traditionen und fortschreitenden technologischen Innovationen. Hochwertige Maschinen und computerunterstützte Fertigungstechniken sind in den modernen Betrieben längst selbstverständlich. Dennoch sind es noch immer nicht die Maschinen, auf die es letztendlich ankommt, sondern die handwerklichen und gestalterischen Fähigkeiten des Steinmetzen und Bildhauers. Tritt das Schöpferisch-Individuelle einer Arbeit in den Vordergrund, ist er auf der einen Seite Handwerker auf der anderen aber vor allem Künstler.

Das Aufgabenspektrum der Steinmetzen und Steinbildhauer ist breit gefächert. Schwerpunktmäßig fallen dem Steinmetzhandwerk die Bereiche Grabmalgestaltung, Ausbau mit Naturstein im Innen- und Außenbereich, Restaurierung, Denkmalpflege und Landschaftsgestaltung zu. Dabei kann es sich um die Ausstattung von Gärten, Platzanlagen, modernen Fußgängerzonen, Kirchen und Häusern handeln. Weitere Gestaltungsthemen sind Gedenktafeln, Hinweisschilder, Sonnenuhren, Brunnen, Wege, Steinbänke und Skulpturen. Im Inneren der Gebäude gehören Böden, Wände und Treppen, Eingangshallen von Hotels und Museen, Naturstein-Küchen und Bäder zum Arbeitsspektrum des Steinmetzen und Steinbildhauers.

Darunter finden sich Arbeiten nach exakter Vorlage sowie auch freie künstlerische Bildhauerarbeiten nach eigenem Entwurf. Obwohl der Naturwerkstein eine bevorzugte Stellung einnimmt, bearbeiten Steinmetzen und Bildhauer unterschiedliche Materialien, wie beispielsweise Betonwerkstein, keramische Platten, Kunststoffe, Metall oder ähnliche Werkstoffe.

Viele Steinmetz- und Steinbildhauerbetriebe setzen in Bezug auf die genannten Aufgaben Schwerpunkte. Während sich die einen verstärkt mit Bau- und Grabmalarbeiten befassen - oder auch nur einen dieser Arbeitsbereiche ausüben - gibt es andere, die wegen ihrer mehr bildhauerischen Veranlagung und Ausbildung Denkmäler und Plastiken entwerfen und herstellen. Sie übernehmen aber auch Aufgaben im Bereich der Stadt- und Landschaftsarchitektur.

Nicht selten konzentrieren sich Steinmetz- und Steinbildhauerbetriebe intensiv auf den Bereich der Grabmalgestaltung. Dazu gehört neben der individuellen Gestaltung des Grabsteins beispielsweise auch der Bau von Grabeinfassungen. Mittels künstlerischer Kompetenz und individueller Gestaltungsideen gilt es, die lebendige Grab- und Trauerkultur zu fördern und zu erhalten.

Ein ebenfalls immer mehr an Bedeutung gewinnender Arbeitsbereich ist die Denkmalpflege. Das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk ist eines der ersten Handwerke, das sich für aktive Weiterbildungsmaßnahmen auf diesem Sektor eingesetzt hat, um den hohen fachlichen Anforderungen, die mit denkmalpflegerischen Aufgaben verbunden sind, gerecht zu werden. In Abstimmung mit dem Deutschen Handwerkskammertag sind die Voraussetzungen für die Fortbildung von Meistern zum „Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk“ geschaffen worden. Gefragt sind qualifizierte Handwerker, die alle Arbeitstechniken und historischen Baustile beherrschen.

Der Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden sowie der Beschluss, sich bei der Restaurierung des Berliner Schlosses zu beteiligen, sind Gelegenheiten, um die kunsthandwerkliche Qualität des deutschen Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks an außerordentlichen Projekten unter Beweis zu stellen. Projekte, an denen Meister, Gesellen als auch Auszubildende beteiligt sind.

Die fachliche Ausbildung im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk ist umfassend. Während einer dreijährigen Lehrzeit werden in den ersten zwei Lehrjahren Fertigkeiten und Kenntnisse der beiden Fachrichtungen Steinmetz und Steinbildhauer vermittelt. Erst im dritten Ausbildungsjahr können die Auszubildenden zwischen den Fachrichtungen Steinmetz und Steinbildhauer wählen. Diese Unterscheidung äußert sich sowohl in einem teilweise anders gelagerten Berufsbild als auch in den unterschiedlichen Anforderungen bei der Anfertigung von Prüfungsstücken. Neben den rein handwerklichen Fertigkeiten steht für den Steinbildhauer das gestalterische Können verstärkt im Vordergrund.