Tag des Handwerks

Wenig Angst vor Höhe

Das Biberacher Modell. Grafik: Innung
Das Biberacher Modell. Grafik: Innung

pm. Wer eine Ausbildung zum Zimmerer oder zur Zimmerin machen möchte, muss kein Genie sein, sollte jedoch ein paar Voraussetzungen mitbringen. Am wichtigsten ist Spaß und Freude am handwerklichen Arbeiten. Dazu sollte man ganz gut rechnen können und keine Angst vor Höhe haben. Mehr braucht es eigentlich nicht. Alles andere lernt man in der Ausbildung. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Wer berufliche Vorkenntnisse oder die Fachhochschul- oder Hochschulreife hat - oder in der Ausbildung besonders gute Noten sammelt, kann die Ausbildung schon in kürzerer Zeit abschließen. Das erste Ausbildungsjahr findet in der Berufsschule statt. Im zweiten Jahr ist man nur noch an ein bis zwei Tagen pro Woche in der Schule; an den restlichen Tagen wird im Betrieb gearbeitet, also auf der Baustelle oder in der Werkstatt. Im dritten Jahr, dem Abschlussjahr, ist man dann schon ein vollwertiger Teil des Betriebs. Azubis im Zimmererhandwerk gehören übrigens mit zu den Bestverdienern: Bereits im ersten Ausbildungsjahr erhält man bis zu 850 Euro, je nach Vereinbarung mit dem Lehrbetrieb. Im zweiten Ausbildungsjahr sind es 1 200 Euro und im dritten fast 1 500 Euro. Oft gibt es zusätzlich noch Weihnachtsgeld.

Anzeige

Wer nach mehr strebt, kann das sogenannte Biberacher Modell machen: eine Kombination aus Handwerk und Studium. Die Idee ist einfach: Man macht zuerst eine handwerkliche Ausbildung, studiert dann bis zum Hochschulabschluss und kehrt wieder ins gleiche Unternehmen zurück. Von Anfang an wird das Ziel verfolgt, den Betrieb oder das Unternehmen in gehobener Position zu leiten oder zu übernehmen.

Im oberschwäbischen Biberach gehen die Hochschule sowie das Zimmerer-Ausbildungszentrum dafür neue Wege: Die Absolventen werden zum Zimmerer und Zimmermeister ausgebildet und gleichzeitig zum Ingenieur im Bereich Holzbau-Projektmanagement/Bauingenieur­wesen mit dem Abschluss ‚Bachelor of Engineering’. Die Teilnehmer schließen einen Lehrvertrag mit einem Meisterbetrieb als Ausbildungsbetrieb ab und beginnen ihre Ausbildung im zweiten Lehrjahr. Sie erhalten die handwerkliche Ausbildung bis zum Zimmermeister bei gleichzeitiger Belegung eines klassischen Ingenieurstudiums. Der allgemeinbildende Teil der Berufsschule entfällt, die Auszubildenden absolvieren stattdessen Teile des ersten Semesters des Studiengangs Holzbau-Projektmanagement/Bauingenieurwesen. In fünf Jahren und drei Monaten erwerben die Absolventen folgende Qualifikationen: Gesellenbrief im Zimmererhandwerk, Polier im Zimmererhandwerk, Meisterbrief im Zimmererhandwerk, Hochschulabschluss ‚Bachelor of Engineering’.