Tierisch gut

Islandpferde eignen sich hervorragend

Physiotherapie mit Hippotherapie verbinden

Hippotherapiepferde werden auf ihre Aufgabe vorbereitet.Foto: HSH Lamprecht
Hippotherapiepferde werden auf ihre Aufgabe vorbereitet. Foto: HSH Lamprecht

pm. Gerhard hilft mit, wenn die Hippotherapeuten der Praxis Lamprecht seinen Rollstuhl die Rampe hinaufschieben. Oben wartet er geduldig, bis das Therapiepferd Hjörvar neben ihm einparkt. Eine bequeme Höhe, um direkt mit der Hilfe der Therapeuten auf den Pferderücken zu kommen. Gerhard braucht Hilfe, denn er hat Multiple Sklerose.

Ein wichtiger Teil seiner Therapie ist die Hippotherapie in der Praxis Lamprecht bei Alex Möck. Für viele große und kleine Patienten ist es ideal - Physiotherapie mit Hippotherapie zu verbinden. Gerhard ist heute der erste Patient. Es folgen noch drei weitere Patienten, auch kleine Kinder sind dabei. Angst hat Gerhard keine: „Die Therapeutinnen kennen die Pferde, und da oben überwiegt das tolle Gefühl, man ist endlich mal größer als alle anderen und bewegt sich zügig vorwärts.“

Die kleine Sarah zum Beispiel merkt bei der Hippotherapie nicht, wie aktiv ihr Körper mitarbeitet. Für sie ist es keine Therapie sondern einfach nur schön. Glücklich strahlt sie Hjörvar an, einen Islandwallach, der entspannt an der Rampe steht. Das Kleinpferd sieht aus wie ein kleines Indianerpferd. Beim Transfer unterstützten die Therapeuten routiniert und fachmännisch. Hjörvar steht ganz ruhig und konzentriert da. Er ist ein echter Kollege schwärmt Alexandra Möck, die fachliche Leitung der Hippotherapie Lamprecht .

„Beim Aufsteigen müssen die Pferde ruhig stehen bleiben, auch wenn es drückt, schiebt oder der Reiter unsanft auf ihren Rücken plumpst“, betont die Hippotherapeutin Patricia Ganahl. Hippotherapiepferde werden auf ihre Aufgabe vorbereitet und man muss die Therapiesituationen üben. Islandpferde eignen sich aus verschiedenen Gründen hervorragend für die Hippotherapie, erklärt Sabine Lamprecht, die seit über 30 Jahren in Kirchheim und Umgebung die Hippotherapie anbietet. „Unser erstes Hippotherapiepferd Anvari lebt immer noch und bekommt sein Gnadenbrot. Er ist unglaubliche 40 Jahre alt und mampft immer noch zweimal täglich sein Weichfutter und fühlt sich in seiner Herde auf der Koppel pudelwohl.“ Hippotherapiepferde sollten im Offenstall mit viel Koppelgang gehalten werden. Dann sind sie noch ausgeglichener und ruhiger. Unfälle? Sind in über 30 Jahren quasi keine passiert. Die Patienten sitzen sicher auf dem Pferd. Der Pferderücken überträgt dreidimensionale Bewegungen auf das Patientenbecken in gleicher Weise wie gesunde Beine es tun würden. Bewegungsanalytisch absolut korrekt, meint Sabine Lamprecht die außerdem seit über 20 Jahren in ihrer Einrichtung auch bundesweit im Rahmen der DHA (Deutschen Hippotherapieausbildung www.DHA-ev.de )Physiotherapeuten zu Hippotherapeuten ausbildet.

Islandpferde übertragen die dreidimensionalen Bewegungen ideal und haben ein sehr ausgeglichenes Wesen, sind sehr aufmerksam und von der Größe das ideale Therapiepferd.

Ein Wermutstropfen bleibt bei dieser faszinierenden Therapieform: Die Hippotherapie ist in Deutschland keine Kassenleistung. In der Schweiz und in Österreich ist die Hippothrapie eine anerkannte und gut honorierte Therpieart. „Trotzdem haben wir viele Patienten die schon seit vielen Jahren regelmäßig zur Hippotheraie kommen“, so Sabine Lamprecht.