Weltspartag

„Strategien gegen den Kaufkraftverlust entwickeln“

„Strategien gegen den Kaufkraftverlust entwickeln“
Grafik: KSK

pm. Wozu braucht es eigentlich einen Weltspartag, wenn es keine Zinsen mehr aufs Sparbuch gibt? Insbesondere bei klassischen Geldanlagen hat wegen der extremen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Wer früher sein Geld regelmäßig auf sein Sparbuch eingezahlt hat, konnte dafür mit der Zeit auf einen stattlichen Zinsertrag hoffen. Dagegen werden heute selbst Bundesanleihen mit 30 Jahren Laufzeit negativ verzinst. In Kombination mit einer zwischen 1 und 2 Prozent liegenden Inflationsrate führt dies zu einem spürbaren Kaufkraftverlust - das Geld verliert Monat für Monat an Wert. „Wer sein Erspartes vermehren möchte, muss sein Geldanlageverhalten gründlich überdenken und Strategien gegen den Kaufkraftverlust entwickeln. Dabei kommen Anleger heutzutage an Wertpapieren kaum vorbei“, sagt Frank Dierolf, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen.

Kein einfacher Schritt für die traditionell sicherheitsorientierten deutschen Sparer, von denen rund 80 Prozent keine Aktien im Depot haben. Im Vordergrund steht dabei die Sorge vor möglichen Kursverlusten. „Einsteiger ohne tiefere Marktkenntnis tun sich in der Tat schwer damit, ein Portfolio aus einzelnen Aktien zusammenzustellen. Um das Kursrisiko zu minimieren und zu verteilen, ist es sinnvoller, sich stattdessen auf Aktienfonds zu konzentrieren“, erläutert Dierolf. Mithilfe von Fondssparplänen können Sparer bereits mit kleineren, regelmäßig eingezahlten Beträgen ab 25 Euro die Chancen des Kapitalmarkts wahrnehmen und auf lange Sicht Vermögen aufbauen: „Wertpapiere sind eine wichtige Säule des Vermögensaufbaus. Aufgrund des höheren Risikos schwanken sie häufiger in ihrem Wert als andere Anlageklassen, dafür versprechen sie mittel- und langfristig höhere Erträge. Zudem bleibt das beim Kauf von Aktienfonds das Risiko auf lange Sicht überschaubar“, erklärt der Finanzexperte. Die Statistik gibt ihm Recht: Wer mindestens 13 Jahre lang spart, der ist mit dem DAX seit 1970 verlustfrei gefahren.

Wie Dierolf sagt, sollten Sparer bei der Geldanlage grundsätzlich zwischen Sicherheit und Rendite abwägen: „Ist mir Sicherheit wichtig, muss ich auf Rendite verzichten. Möchte ich hingegen die Chance auf eine höhere Rendite haben, bedarf es eines Umdenkens. Die Wertpapieranlage bietet mit ihrer höheren Toleranz für schwankende Kurse das Potenzial, um Sparziele zu realisieren.“

Zu den drei beliebtesten Geldanlagen der Deutschen gehören außerdem immer noch Immobilien. Das hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband in seiner repräsentativen Umfrage „Vermögensbarometer 2019: Die Deutschen und ihr Geld“ ermittelt. Doch nicht überall planen die Menschen auch tatsächlich den Erwerb der eigenen vier Wände: In Hessen und Bayern ist das Interesse besonders ausgeprägt, in Sachsen, Brandenburg und Thüringen dagegen weniger. Den kompletten Bundesländervergleich zeigt die beigefügte Grafik. Die gesamte Studie, die die finanzielle Zufriedenheit und das Sparverhalten von Menschen in Stadt, Speckgürtel, Stadtnähe und auf dem Land vergleicht, wird am 29. Oktober 2019 veröffentlicht und auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. Sie kann dann unter dsgv.de/vermoegensbarometer heruntergeladen werden.

Der Weltspartag findet offiziell jedes Jahr am 31. Oktober statt. Jedoch wird er wegen des Reformationstags am letzten Arbeitstag vor diesem Feiertag gefeiert, in diesem Jahr also am Mittwoch, 30. Oktober. Den ersten Weltspartag beschlossen insgesamt 354 Delegierte aus 27 Ländern im Jahr 1924 auf dem 1. Internationalen Sparkassenkongress in der italienischen Stadt Mailand. Ein Jahr nach der Währungsreform hatte dieser Beschluss für die Deutschen eine besondere Bedeutung: Die Menschen sollten wieder Vertrauen in den Wert ihrer Währung und die Stabilität des Geldes bekommen.

Mit dem Weltspartag wollten die Sparkassen - und später auch andere Finanzinstitute - nicht nur das vorsorgende Sparen und den Gedanken der Sparsamkeit auf der ganzen Welt populär machen, sondern insbesondere Kindern die Bedeutung des Sparens vermitteln. Anreiz dafür sind die Geschenke, die es am Weltspartag für die fleißigen Sparer gibt. „Daran hat sich bis heute nichts geändert. Sparen ist nicht zuletzt durch den Weltspartag zu einem wichtigen Bestandteil unserer Kultur geworden“, sagt das Vorstandsmitglied der Kreissparkasse. Seit einigen Jahren binden viele Kreditinstitute den Weltspartag in eine „Weltsparwoche“ ein - so auch die Kreissparkasse: Vom 28. bis 31. Oktober gibt es besondere Aktionen und Angebote rund um die Themen Sparen und Vorsorge.

Anzeige