Zahngesundheit

Rauchen und Diabetes erhöhen Risiko für Parodontitis

Zahnfleischtaschen vorbeugen

Verantwortlich für eine Parodontitis sind Bakterien, die an den Zähnen anhaften. Die Bakterien schließen sich zu einem Biofilm zusammen. Werden sie nicht durch die tägliche Mundhygiene entfernt, wachsen sie weiter und sind als weiche sowie harte Beläge (Zahnstein) auf den Zähnen und in den Zahnzwischenräumen mit bloßem Auge sichtbar. Der Körper reagiert auf die Bakterien mit einer Zahnfleischentzündung. So kämpft er gegen diese an. Das Zahnfleisch ist rot, geschwollen und kann leicht bluten. Foto: proDente e.V./Kierzkowski

proDente. Ohne Zahnbelag bildet sich bei den meisten Menschen auch keine Entzündung. Daher ist eine sorgfältige Mundhygiene wichtig, um der Ausbildung von Zahnfleischtaschen vorzubeugen. Rauchen und Diabetes mellitus gelten zudem als zwei wesentliche Risikofaktoren für eine Parodontitis. In schweren Fällen können Zahnfleischmasken zurückgegangenes Zahnfleisch optisch wieder herstellen.

Je weniger Zahnbelag, desto niedriger ist das Risiko für eine Zahnfleischentzündung und daraus entstehende Zahnfleischtaschen. Um Zahnverlust zu vermeiden, gilt es diese immer zu behandeln. Sorgfältige Mundhygiene beugt Entzündungen vor. Zweimal täglich mindestens zwei Minuten die Zähne mit System reinigen entfernt Zahnbeläge. Insbesondere der tägliche und gründliche Gebrauch von Zahnzwischenraumbürsten hilft, Zahnbelag an den entscheidenden Stellen zwischen den Zähnen zu entfernen. Bei engen Zwischenräumen der Zähne stattdessen Zahnseide verwenden. In Absprache mit der Zahnärztin oder dem Zahnarzt kann eine antibakterielle Mundspüllösung die individuelle Mundhygiene ergänzen und eine bestehende Entzündung des Zahnfleischs schneller ausheilen. Sie hilft, das Wachstum des bakteriellen Biofilms auf den Zähnen zu verringern.

Parodontitis möglichst früh erkennen

Bei halbjährlichen Kontrollen kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt erste Anzeichen einer Erkrankung des Zahnfleischs erkennen. Bei der Vorsorge dient der sogenannte Parodontale Screening Index (PSI) dazu, eine Parodontitis, früher auch Parodontose genannt, zu erkennen. Dabei untersucht die Zahnärztin oder der Zahnarzt das Zahnfleisch im Hinblick auf Entzündungen und die Ausbildung von Zahnfleischtaschen. Mit einer Sonde tastet die Zahnärztin oder der Zahnarzt für Patienten kaum spürbar das Gewebe zwischen Zähnen und Zahnfleisch ab, misst dabei die Tiefe der Zahnfleischtaschen und kontrolliert auf mögliche Blutungen oder Zahnstein. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese Messung der Zahnfleischtaschen im Rahmen der Vorsorge alle zwei Jahre. Eine regelmäßige dem Erkrankungsrisiko angepasste Professionelle Zahnreinigung (PZR) in der Zahnarztpraxis hilft zudem, Entzündungen mit nachfolgender Bildung von Zahnfleischtaschen vorzubeugen. Denn die Professionelle Zahnreinigung entfernt Beläge und Verfärbungen, welche die Mundhygiene zu Hause nicht erreicht.

Achtung: Rauchen erhöht Risiko für Parodontitis

Raucher erkranken deutlich häufiger an einer Parodontitis als Nichtraucher und der Verlauf der Erkrankung ist schwerer. Das Nervengift Nikotin verengt die feinen Blutgefäße des Zahnfleischs. Das Zahnfleisch wird nicht mehr normal durchblutet und Abwehrmechanismen des Körpers können nicht ausreichend wirken. Zahnfleischbluten als typisches und wichtiges Signal für eine beginnende Parodontitis bleibt somit aus. Raucher bemerken das entzündete Zahnfleisch daher meist erst spät. So setzt auch die Behandlung oft erst spät ein. Zudem ist der Erfolg der Behandlung einer Parodontitis bei Rauchern deutlich schlechter als die Behandlung bei Nichtrauchern. Raucher verlieren daher häufiger Zähne als Folge einer Parodontitis als Nichtraucher.

Diabetiker: dreifach erhöhtes Risiko für Parodontitis

Diabetiker haben ein dreifach erhöhtes Risiko für eine Parodontitis im Vergleich zu Nicht-Diabetikern. Denn der erhöhte Blutzuckerwert begünstigt Entzündungen. So verlieren Menschen besonders mit einem schlecht eingestellten Diabetes insgesamt mehr Zähne durch eine Parodontitis als Nicht-Diabetiker. Umgekehrt verschlechtert eine chronische Parodontitis die Behandlung des Blutzuckers. „Parodontitis und Diabetes sind sehr stark miteinander verlinkt. Diese beiden Erkrankungen sind so eng verbunden, dass bei einer schweren Parodontitis ein Diabetes schlechter einzustellen ist“, erläutert Dr. med. dent. Sonja Derman, Oberärztin an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Uniklinik Köln und DG PARO-Spezialistin für Parodontologie. Bakterien, die aus den Zahnfleischtaschen über die Blutbahn in den gesamten Körper gelangen, blockieren über die Bildung von entzündungsfördernden Botenstoffen die Insulinrezeptoren. Das Insulin kann nicht oder nicht ausreichend wirken - Zucker wird nicht mehr so gut in das Gewebe aufgenommen und verbleibt vermehrt im Blut. Eine Parodontitis fördert somit auch die Insulinresistenz bei Typ-2-Diabetes.

In schweren Fällen: Zahnfleischmasken kaschieren Zahnfleischschwund

Ist das Zahnfleisch in Folge einer Parodontitis bereits sehr stark zurückgegangen, können die Zähne unnatürlich lang wirken. Zudem kann die Aussprache - vor allem die Zischlaute - beeinträchtigt sein. Sogenannte Zahnfleischmasken können in speziellen Fällen das fehlende Zahnfleisch ersetzen und wieder ein ansprechendes Bild von Zähnen und Zahnfleisch herstellen sowie die Aussprache verbessern. Voraussetzung: Die Zahnärztin oder der Zahnarzt muss Zahnfleisch und Zähne vorher vollständig behandeln und die Patientin oder der Patient besitzt eine sehr gute Mundhygiene.

Die Zahntechnikerin oder der Zahntechniker stellt die Zahnfleischmaske nach den Vorgaben der Zahnärztin oder des Zahnarztes individuell in Farbe und Form für Patienten im zahntechnischen Meisterlabor her. Sie besteht aus speziellen flexiblen und weichen Kunststoffen. Die Zahnfleischmaske wird nicht fest eingesetzt, sondern z. B. während des Schlafens herausgenommen. Patienten müssen auch diese regelmäßig reinigen und Beläge entfernen. Auch während des Zähneputzens ist es notwendig, die Zahnfleischmaske zu entfernen und erst etwa 15 Minuten später wieder einzusetzen. Denn das Fluorid der Zahnpasta kann die Maske gelblich verfärben.

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