Themenwoche: Gesundheit & Freizeit

Das Wundermedikament „Bewegung und Training“

Bewegung als Teil der Therapie

Wichtig ist dabei, dass insbesondere untrainierte Menschen ihre Aktivitäten mit Therapeuten, die darauf spezialisiert sind absprechen und sich beraten lassen. Foto: Ralf Just/HSH Lamprecht

pm. Die British Heart Foundation (BHF) empfiehlt, dass man sich pro Woche an fünf Tagen mindestens 30 Minuten ausreichend bewegen sollte. Das amerikanische Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfiehlt ebenfalls eine moderate oder besser hohe körperliche Aktivität. Das Bundesministerium für Gesundheit empfiehlt ebenfalls regelmäßige Bewegung.

Regelmäßige körperliche Aktivität ist eine sehr kostengünstige Vorbeugung, von der circa 90 Prozent der über 50-Jährigen profitieren könnten. Aber Aktivität und Training kann mehr.

Gäbe es ein Medikament, dass so viel verbessern und so vielen Krankheiten vorbeugen könnte wie das Medikament „Sport/Bewegung/Training“, wäre es ein Wundermedikament. Wir wissen wie wichtig Bewegung ist, aber das ganze Ausmaß der Verbesserungen ist doch enorm. Also was kann das Medikament Sport und Bewegung? Hier eine Auswahl der Krankheiten, bei denen Bewegung nachweislich positive Effekte aufweist:

Arterieller Bluthochdruck

Die Kombination aus körperlicher Aktivität und zusätzlichen Krafttraining senkt den systolischen Wert um 5 bis 10 mm Hg.

Herzschwäche

Früher sollten Herzkranke sich schonen. Mittlerweile ist aber belegt, dass ein dosiertes Training die Herzfunktion verbessert und damit die Erkrankungs-/Sterberate senkt.

Diabetes mellitus

Körperliche Aktivität senkt den Medikamenten- oder Insulinverbrauch. Bewegung gehört hier nach Entdecken der Krankheit neben Diät und ggf. Medikamenten in jedem Fall zur Therapie.

Osteoporose und Wirbelsäulenbeschwerden

Diese Krankheiten können am besten mit Bewegung behandelt werden. Depression

Wandern und Radfahren gelten in der Psychiatrie als wichtige Begleittherapie bei Depressionen.

Demenz

Körperliches Training verbessert die Stimmung und Kooperationsbereitschaft von dementen Menschen. Zudem senkt es die Sturz- und Verletzungsgefahr. Zusätzlich verbessert Bewegung bei allen Menschen die Denkfähigkeit und Kognition

Cholesterin

Bewegung reduziert und reguliert den Cholesterinspiegel oft effektiver und nachhaltiger, als alleine Medikamente.

Arthrose

Es ist sinnvoll als Prophylaxe gegen Arthrose und hilft bei Arthrose, da man heute weiß, dass arthrotische Gelenke dosiert mit dem Körpergewicht belastet werden sollten.

Übergewicht

Übergewicht schadet nicht nur dem Herzen und den Gelenken, sondern erschwert auch alltägliche Aktivitäten. Gezielt Abnehmen geht oft leichter, gesünder und nachhaltiger durch gezieltes Training.

Schlaganfall

Bewegung ist eine effektive Prophylaxe gegen viele Schlaganfallrisiken und beugt so Schlaganfällen effektiv vor.

Neurologische und Geriatrische Erkrankungen

Bewegung und gezieltes Training hilft bei Parkinson, MS und Schlaganfall. So ist das Medikament Bewegung, wenn es fachkundig eingesetzt wird, sehr wirkungsvoll bei vielen Erkrankungen, sowohl in der Neurologie wie auch in der Geriatrie.

Schmerzen

Es hilft gegen Schmerz, da Bewegungsrezeptoren die Schmerzrezeptoren unterdrücken und das subjektive Schmerzempfinden reduzieren können. Ganz nach dem Motto Bewegung und Ablenkung hilft. Natürlich müssen Schmerzursachen vorher gründlich untersucht werden.

Körperliche Aktivität

Körperliche Aktivität kann den Einsatz von Medikamenten ersetzen oder zumindest reduzieren. Das gilt für Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems ebenso wie für Diabetes mellitus, Depressionen und eine Reihe anderer Krankheiten. Übereinstimmend haben Studien mit insgesamt über einer Million Probanden ergeben, dass Erkrankungen und Todesfälle bei bewegungsaktiven Menschen um 30 bis 40 Prozent niedriger lagen als bei sogenannten Bewegungsmuffeln. Dies gilt insbesondere für koronare Herzkrankheiten. Nach einem Herzinfarkt zum Beispiel ist Bewegung als Teil einer gesünderen Lebensführung ein absolutes Muss.

Bewegung als Teil der Therapie

In vielen Fällen könnte Bewegung – wie ein Medikament – seine Wirkung entfalten. Der Vorteil besteht darin, dass es individuell dosiert und praktisch ohne Nebenwirkung ist. „Wichtig ist dabei, dass insbesondere untrainierte Menschen ihre Aktivitäten mit Therapeuten, die darauf spezialisiert sind absprechen und sich beraten lassen“, so Sabine Lamprecht, Physiotherapeutin und studierte Neurorehabilitations Master, Geschäftsführerin der Praxis Lamprecht in Kirchheim.

Bewegungsempfehlungen für jedes Alter

Ein körperlich aktiver Lebensstil verbessert die Gesundheit von Menschen in jedem Alter. Neben gesunden Menschen profitieren auch Erwachsene mit chronischen Erkrankungen von den positiven Effekten regelmäßiger Bewegung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Empfehlungen für gesunde Menschen nach Altersstufen gegliedert:

Für Kinder und Jugendliche (5 bis 17 Jahre) empfiehlt sie eine körperliche Aktivität in mittlerer bis hoher Intensität. Dauer: mindestens 1 Stunde pro Tag.

Für Erwachsene (18-64 Jahre) eine körperliche Aktivität in moderater Intensität (Dauer: 2,5 Stunden pro Woche) oder körperliche Aktivität mit hoher Intensität ( Dauer: 75 Minuten pro Woche) plus muskelkräftigende körperliche Aktivität an mindestens zwei Tagen in der Woche.

Ältere Menschen über 65 Jahre

Für ältere Erwachsene gelten dieselben Empfehlungen wie für jüngere Erwachsene. Ihnen wird darüber hinaus empfohlen, Übungen zum Erhalt des Gleichgewichts und zur Sturzprävention durchzuführen.

Wie positiv sich körperliche Aktivität auf die Gesundheit auswirken kann, hat bereits eine Reihe von Studien gezeigt. Nun hat eine Meta-Analyse die Gesamtwirkung von Sport auf die Morbidität und Mortalität der Bevölkerung sowie die Wirkung in einzelnen Bereichen untersucht. Die Studie „Körperliche Aktivität als Medikament“ wurde im Juli 2018 in der Publikation „Arzneiverordnung in der Praxis“ veröffentlicht, welche vierteljährlich von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft herausgegeben wird.

Grundlage der Auswertung waren mehrere Studien mit insgesamt über einer Millionen Probanden. Eines der Ergebnisse: Durch körperliche Aktivität können Gesamtmorbidität und -mortalität der Bevölkerung um 30 bis 40 Prozent gesenkt werden – jedenfalls im Vergleich mit Personen, die keinerlei Bewegung in ihren Alltag einbauen oder keinen Sport treiben, also nahezu inaktiv sind.

Warum bewegen sich dann so viele Menschen zu wenig?

Es gilt heute als gesichert, dass Bewegungsmangel oder langes Sitzen neben dem Rauchen die wichtigsten Risikofaktoren für verschiedene Krankheiten darstellen. Regelmäßige Bewegung wird daher schon seit längerem sowohl zur Prävention als auch zur Rehabilitation eingesetzt. Allerdings ist es für viele Menschen schwierig ihren „Inneren Schweinehund“ zu überwinden. Deshalb hilft es sich einer Präventionsgruppe anzuschließen. Gemeinsam macht Bewegung noch mehr Spaß, so Klara Kiess Sporttherapeutin der Praxis Lamprecht.

Auch Training an Geräten kann für viele ein guter Einstieg sein, um gezielt zu trainieren und seine individuellen Ziele zu erreichen. Auch hier gelte: Training in der Gemeinschaft mache mehr Spaß und sporne an.

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