Lossprechung

Der Grundstein ist gelegt

Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen am 23. September 2021 - Beruf Anlagenmechaniker*innen für Sanit
Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen am 23. September 2021 - Beruf Anlagenmechaniker*innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik/Elektroniker*innen/Friseur*innen Foto: Peter Dietrich

Kreis Esslingen. Wenn das kein guter Grund zum Feiern ist: 159 Auszubildende haben im Bereich der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen ihre Gesellenprüfung erfolgreich abgelegt und wurden in den Gesellenstand erhoben. Sie verteilen sich auf insgesamt 16 Berufe: Am zahlreichsten sind die Friseure vertreten, mit 22 Frauen und fünf Männern, dicht gefolgt von den Schreinern und Tischlern, bei denen das Geschlechterverhältnis fast genau umgekehrt ist: Dort sind es 20 Männer und vier Frauen. Die Zimmer liegen mit 24 Auszubildenden gleichauf, ebenfalls an zweiter Stelle. Dann folgen bei den beliebtesten Ausbildungen nacheinander Elektroniker (14), Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (13), Kauffrauen für Büromanagement (zwölf) sowie der Maurer und der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit jeweils elf Auszubildenden. Am unteren Ende der Tabelle waren drei Berufe nur einmal vertreten: Es sind der Beton- und Stahlbetonbauer, der Feinwerkmechaniker und der Steinmetz und Steinbildhauer. Ob beim Werkstoff Holz der Engpass wohl derzeit eher beim Material als bei beim Personal liege, fragte der Moderator Rafael Treite angesichts dieser Zahlen - und mit einem Augenzwinkern.

Auch bei der verkürzten Lossprechungsfeier im Wernauer Quadrium war Zeit für einen kurzen Auftakttalk. Als ersten befragte Rafael Treite den Wernauer Bürgermeister Armin Elbl. „Das Handwerk ist in der kleinsten Kommune vorhanden. Das ist ein großer Vorteil für die jungen Leute, dass sie nicht sonst wohin fahren müssen, um eine Ausbildung zu machen“, sagte dieser. „Deshalb ist es unsere Aufgabe als Kommunen, dass das so bleibt, dass das Handwerk tatsächlich nicht nur in den großen Städten angesiedelt ist, sondern auch in den kleinen Dörfern und den kleineren Städten wie Wernau mit 12 000 Einwohnern.“ Armin Elbl ließ sich gerne auch privat in die Werkzeugkiste blicken: „Gipsen, Fliesenlegen, ein paar Holzsachen kann ich auch, aber bei Elektrik tue ich mir schwer, da hole ich lieber den Fachmann. Abbrechen kann ich auch gut, mit dem Abbruchhammer.“ Mit Fremdanfragen sei er aber in der Familie gut ausgelastet, betonte er zur Sicherheit.

Was hat Kreishandwerksmeister Karl Boßler für Wünsche fürs Handwerk? „Das iPhone war ja einzig als Spielzeug gedacht und ist jetzt als Werkzeug in fast jedem Betrieb angekommen“, sagte er. Inzwischen lasse sich manches ohne dieses Gerät nicht mehr steuern. „Deshalb brauchen wir Datenautobahnen, keine Feldwege. An jeder Werkbank sollte schnelles Internet sein.“ Der Landkreis Esslingen sei gut unterwegs. „Aber die Anzahl der Baustellen ist enorm. Die Digitalisierung voranzubringen, das geht nur mit den Kommunen.“

Was hätte Fabian Weber, der neue Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen, gerne? „Ich wünsche mir, dass wir alle zusammen dafür sorgen, dass das Handwerk die Anerkennung bekommt, die es verdient. Dass jedem bewusst ist, dass ohne das Handwerk einfach nichts geht.“

Ein großes Gruppenfoto war wegen der Abstandsregeln nicht möglich, so kamen die besten Auszubildenden in vier Gruppen auf die Bühne. Markierungen auf dem Boden zeigten allen, wo sie sich platzieren sollten. Neben einem Präsent gab es für jeden guten Prüfling eine Spendenurkunde: Die Kreishandwerkerschaft hat für jeden einen Baum gespendet. Gepflanzt wird er am 28. Oktober vom Landesverband Baden-Württemberg der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und von der Limburgschule Weilheim/Teck.

Die öffentliche Lossprechung der Gesellen und Gesellinnen von den Verpflichtungen der Ausbildungszeit nahm Kreishandwerksmeister Karl Boßler vor. Er lobte die erfolgreichen Absolventen: „Sie konnten bei der Gesellenprüfung ihre eindrucksvolle Leistung dokumentieren, wie sie selbstbewusst ihr Können gezeigt, wie Sie ihr Wissen optimal eingesetzt und damit die Voraussetzung für eine erfolgreiche berufliche Zukunft geschaffen haben. Sie sind nun Teil einer starken Gemeinschaft, Teil des Handwerks, der Wirtschaftsmacht von nebenan.“

Karl Boßler erinnerte daran, dass der Erfolg nicht nur vom Auszubildenden abhängt: „Stolz dürfen auch ihre Ausbilderinnen und Ausbilder in Schule und Betrieb sein, denn sie haben ihr Wissen und ihre Erfahrung an Sie weitergegeben, sie haben Ihr Talent gefordert und gefördert.“ Er ermunterte die Gesellen, nun weiterzugehen: „Nutzen Sie den Grundstein, den Sie mit Ihrer Ausbildung gelegt haben. Das Handwerk bietet ein solides Fundament für Ihre berufliche Karriere und vielfältige Möglichkeiten zur Verwirklichung der eigenen Ambitionen und Ideen. Übernehmen Sie Verantwortung und stellen Sie sich den zukünftigen Herausforderungen.“ Er gab allen einen Ratschlag von Johann Wolfgang von Goethe mit, der auch nach Jahrhunderten noch absolut treffend ist. Erfolgreich zu sein setzte zwei Dinge voraus: Klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu erreichen.

Die absolute Spitze erreicht hat Lilly Kort: Die Friseurin hat bei ihrer Prüfung die Note 1 bekommen und ist damit Innungsbeste und Kammerpreisträgerin. Sie wurde von Pasqual Wieler und Guido Kunert von „Haarraum8“ in Nürtingen ausgebildet. Rafael Treite hatte sie in Nürtingen besucht und einen Kurzfilm gedreht.

Ebenfalls extrem viel erreicht, bis hin zum Weltmeistertitel, haben die „Battle Toys“ aus Plochingen. Wegen der aktuellen Regeln gab es ihre Breakdance-Vorführung nicht auf der Bühne, sondern auf der Leinwand. Ebenfalls auf der Leinwand gezeigt wurden viele Videoclips mit Glückwünschen, die die Prüflinge oder ihre Betriebe eingereicht hatten. Unter den Einreichern wurden drei Preise verlost. Diese Clips könnten eigentlich zur guten Tradition werden, befand Rafael Treite. Auch dann, wenn wieder mehr live möglich ist.

Von Peter Dietrich

 

* Die Lossprechungsfeier ist online unter www.youtube.com/watch?v=EHRfwf3yi5M zu sehen.

Beruf Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement/Kraftfahrzeugmechatroniker*innen/Maurer*innen/Zerspanungsmechaniker*innen
Beruf Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement/Kraftfahrzeugmechatroniker*innen/Maurer*innen/Zerspanungsmechaniker*innen Foto: Peter Dietrich
Beruf Schreiner*innen
Beruf Schreiner*innen Foto: Peter Dietrich
Beruf Zimmerer*innenFotos: Peter Dietrich
Beruf Zimmerer*innenFotos: Peter Dietrich
Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen am 23. September 2021 - die Kammerpreisträgerin Lilly Kort mit
Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen am 23. September 2021 - die Kammerpreisträgerin Lilly Kort mit Note 1 (Friseurin) betrachtet die Filmpräsentation über sich selbst und erhält von Peter Kudielka, Vizepräsident der Handwerkskammer Region Stuttgart, ihren Preis Foto: Peter Dietrich
Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen am 23. September 2021 - Kreishandwerksmeister Karl Boßler nimmt
Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen am 23. September 2021 - Kreishandwerksmeister Karl Boßler nimmt die Lossprechung vor vor Foto: Peter Dietrich
Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen am 23. September 2021 - Celine Geike hat bei der Kreishandwerke
Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen am 23. September 2021 - Celine Geike hat bei der Kreishandwerkerschaft in Esslingen Kauffrau für Büromanagement gelernt und als "Beste des Gewerks" abgeschlossen, links von ihr der Geschäftsführer Fabian Weber, rechts ihre Ausbilderin Sabine Kessler-Mayer, ganz rechts Kreishandwerksmeister Karl Boßler Foto: Peter Dietrich
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