Themenwelt Ortsvorstellung Jesingen

Wir sind Jesingen

Tb. Der Jesinger Ostvorsteher ist nun seit etwas mehr als einem Jahr im Amt. Christopher Flik hat sich eingelebt, treibt aktiv Sport in Jesinger Vereinen und will nun zusammen mit dem Ortschaftsrat wichtige Projekte an­gehen. Wir haben uns mit dem 24-Jährigen in Jesingen umgeschaut.

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Bestandsaufnahme im Rathaus

Auch die Sonne lacht an diesem Novembermorgen – perfekte Voraussetzungen für einen Rundgang in dem Kirchheimer Teilort. Bereits im Vorfeld seiner Bewerbung im letzten Jahr hat sich der junge Rathauschef mit 24 Jahren genau umgeschaut: Wichtige Aufgaben seien bereits erledigt – beispielsweise die Ortskernsanierung oder auch der Neubau des Rathauses, hat Flik bereits zu Beginn seiner Amtszeit festgestellt. Dennoch gebe es weitere Herausforderungen, die man nun angehen müsse, erklärt er. Das wird er uns im Einzelnen bei einem Rundgang durch den ältesten und flächenmäßig größten Teilort der Stadt Kirchheim unter Teck erläutern.     

Ov Jesingen 2017
Ein Tag in Jesingen - Jörg Bächle war mit Stift und Kamera unterwegs. Foto: Jörg Bächle

Kelter im Fokus der Überlegungen

Der Weg führt uns vom Rathaus direkt zur historischen Kelter. Zur Verwaltung seiner Besitzungen in Jesingen und anderen Dörfern der Umgebung errichtete das Kloster St. Peter auf dem Gelände der heutigen Kirche und des Pfarrhauses eine eigene Propstei, einen kirchlicher Verwaltungsbereich. 1284 erstmals urkundlich erwähnt, wurde die Propstei – auch „Hof“ genannt mit Kelter und Mühle im Mittelalter zum wirtschaftlichen Mittelpunkt des Ortes: Von der Kelter berichtete bereits eine Urkunde von 1393, während die Mühle seit Anfang des 15. Jahrhunderts nachweisbar ist, verrät das Jesinger Heimatbuch. „Die historische Kelter, die in den letzten Jahren als Abstellraum von verschiedenen Vereinen genutzt wurde und die im vorderen Bereich im alten Feuerwehrmagazin die Schätze des Vereins der historischen Feuerwehrtechnik beherbergt, möchte er aus dem Dornröschenschlaf holen, sie mit Leben füllen. „Ich denke, wir haben hier ein wunderschönes großes Gebäude mit historischer Bausubstanz“, so Christopher Flik. Es sei ihm ein Anliegen, dass man für dieses Gebäude, dem einzigen Gebäude, das hier in diesem Areal – im Herzen Jesingens – nicht saniert wurde, eine Lösung zu finden, „dass man was Schönes daraus macht“. Dabei denkt er beispielsweise an das Konzept der Zehnscheuer in Nabern. Hier im Zentrum von Jesingen könnte ein Veranstaltungsort entstehen, ähnlich wie dem Raum Lindach im Erdgeschoss des Rathauses – nur „uriger“.

Im Jesinger Rathaus herrscht eine angenehme Arbeitsatmosphäre.
Im Jesinger Rathaus herrscht eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Foto: Jörg Bächle

Einst waren die Jesinger verpflichtet, hier ihre Weintrauben keltern zu lassen, heute Morgen holen Mitglieder des Musikvereins ihre eingelagerten Gerätschaften für ein Event ab, bei dem sie die Bewirtung übernehmen. „Natürlich müssen die Vereine auch weiterhin Abstellmöglichkeiten für ihre Utensilien haben.“ 2016 hat Flik das Thema Neukonzeption Kelter bei den Beratungen im Ortschaftsrat auf den Tisch gebracht. Überlegungen für eine Neunutzung gab es bereits vorher im Ort. „Ziel ist es, bis zur 1250-Jahr-Feier 2019 ein schlüssiges Konzept zu präsentieren, welches dann auch zügig umgesetzt werde“, verspricht Flik.

Auf einen Abstecher geht es in den Mühlenladen. Die Bürger kaufen ein oder bringen ihre Pakete in den Post-Shop. Christopher Flik lässt sich gerne beraten oder hört den ­Menschen zu. „Der Mühlenladen ist momentan der einzige Nahversorger im Ort neben den Metzger- und Bäckereien. In die Räumlichkeiten des Lebensmittelgeschäfts „Um‘s Eck“, welches im Sommer diesen Jahres leider geschlossen hat, sei glücklicherweise das „Präsent“ eingezogen, das neben Geschenkartikeln und Accessoires auch diverse Dienstleistungen wie Paketversand und Textilreinigung anbiete.

Hier könnte etwas „Schönes“ entstehen: Die Kelter sei mehr als ein Abstellraum.
Hier könnte etwas „Schönes“ entstehen: Die Kelter sei mehr als ein Abstellraum. Foto: Jörg Bächle

Ort der Ruhe

Vom quicklebendigen Mühlenladen geht es weiter zum dahinterliegenden Friedhofsareal. Dort befindet sich am Eingang eine große Freifläche. Würde im Hintergrund nicht die Aussegnungshalle ins Auge fallen, könnte man meinen, man befinde sich in einem Garten. Flik erklärt das nächste Anliegen: „Nicht nur wir hier in Jesingen erkennen in den letzten Jahren einen Trend, dass die Zahl der klassischen Erdbestattungen abnimmt. Aus diesem Grund sehen wir nicht nur hier freie Flächen“, so der Ortsvorsteher. Die Stadt Kirchheim entwickelt gerade für einen ihrer Friedhöfe eine neue Konzeption. „Da haben wir uns nun angehängt, um zu erkennen, wie viel Fläche denn wirklich in Zukunft benötigt wird.“ Anhand der Geburten und Sterberaten könne man hochrechnen, welchen Platzbedarf man in den nächsten 20 Jahren konkret haben werde. Ahnen kann man es schon: „Sollte der Bedarf nicht steigen oder wahrscheinlicher eher sinken, kann man überlegen, ob wir einen Teil abgrenzen und diesen einer anderen Nutzung zuschreiben. Dies könnte beispielsweise in Form einer parkähnlichen Struktur geschehen, – quasi als weicher Übergang zwischen dem belebten Mühlplatz und dem Friedhof mit Aussegnungshalle – als einen Ort der Ruhe, als grüne innerörtliche Lunge oder Parklandschaft.“  

Auf ein Gespräch im Mühlenladen.
Auf ein Gespräch im Mühlenladen. Foto: Jörg Bächle

Ganztagsgrundschule und Mensa

Weiter führt der Rundgang zur Schule in Jesingen. Der Komplex besteht aus drei Gebäuden aus verschiedenen Jahrzehnten. Flik erklärt den momentanen Status: „Die Werkrealschule läuft nächstes Jahr aus. Dann wird der Standort Jesingen als Ganztagsgrundschule weitergeführt, maximal zweizügig, mit sechs bis acht Schulklassen. Diese können künftig im Mittel- und Neubau versorgt werden“, erklärt Flik. Als Konsequenz steht der Altbau dann leer. Deshalb müsse man sich jetzt schon Gedanken um eine Nachnutzung machen.

Hier bietet sich ein Ort der Ruhe, ein Park an.
Hier bietet sich ein Ort der Ruhe, ein Park an. Foto: Jörg Bächle

Gedankenspiele gebe es viele: „Da wäre die Idee, dass man hier am Standort ein Bildungshaus entwickelt“, zählt Flik auf, „der den Umzug des Kindergartens ‚im Käppele‘ hier in diesen Altbau vorsieht. Hier wird gerade eine Machbarkeitsstudie entwickelt, da ja auch die pädagogischen Anforderungen heutzutage andere sind als früher.“ Zudem müsse sondiert werden, ob es überhaupt möglich sei, den Kindergarten hier zu integrieren. Der Sanierungsaufwand und die Kosten müssen natürlich klar dargestellt werden. Da sind sicherlich wieder die politischen Entscheidungsträger gefragt. Die naheliegendste Lösung zur Nachnutzung wäre ein Kindergarten, wenn das aber nicht funktioniere, müsse man sich weitere Gedanken machen, so Flik.

Froh ist man über die Arztpraxis in der ehemaligen Schulmeisterwohnung. Damit sei seit Jahren die ärztliche Versorgung im Ort gewährleistet. Zudem sei eine Zahnarztpraxis in Jesingen beheimatet. Der Rundgang über das Schulgelände führt zu den neueren Gebäuden im hinteren Teil.  

„Unsere Ganztagsgrundschule besuchen momentan 45 Schüler, und da reicht die Kapazität der Mensa nicht mehr aus, um eine ordnungsgemäße Essensversorgung zu gewährleisten“, sagt Flik. Momentan befinde sich die Mensa in einem umgebauten Klassenzimmer. Hier müsse man einen „Durchbruch“ schaffen. Das sei wörtlich zu nehmen: „Mit einem Durchbruch könnten wir zwei Räumlichkeiten miteinander verschmelzen und so eine attraktivere Mensa auf die Beine stellen.“ Flik hofft, das in spätestens zwei Jahren die Mensa geplant, genehmigt und in Betrieb sei – im Sinne der Schüler. 

Grundsätzlich müsse man zwischen der gebundenen und der nicht gebundenen Ganztagsgrundschule unterscheiden. Hier in Jesingen gelte die Wahlfreiheit: Die Eltern entscheiden, ob sie ihre Sprösslinge in der Ganztagsschule betreut haben wollen oder lieber nachmittags zu Hause. Apropos Betreuung: Der Reußensteinkindergarten bietet acht Plätze in der U3-Betreuung an, ansonsten gebe es in beiden Kindergärten ausreichend Plätze bei der Ü3-Betreuung – noch: „Auch bei uns platzen die beiden Kindergärten aus alle Nähten. Unabhängig von langfristigen Lösungen müssen wir über kurzfristige nachdenken“, erklärt er im Gespräch mit der kommissarischen Leiterin des Kindergartens „Im Käppele“, Corinna Lang. Das könnte mit Containern in Modulbauweise realisiert werden. „Die Zahlen sind eindeutig: wir werden ein Mehr an Bedarf haben und da müssen wir eine Lösung finden.“

Wohnen am Lindachufer

Lösungen gefunden hat man bei der Innenverdichtung. Ein geschichtlicher Rückblick: Die Talaue der Lindach, die die Gemeinde durchzieht, wurde einst von Äckern eingenommen. Ihre Fläche schrumpfte im gleichen Maße, wie sich das Dorf im Laufe der Jahrhunderte ausdehnte. Das mittelalterliche Dorf umschloss die Bauernhöfe an der Hinteren, Vorderen und Mittlere Straße. Dem 19. Jahrhundert gehören die Erweiterungen des Dorfes an den Straßen nach Kirchheim und nach Holzmaden an. Die allmähliche Wandlung vom Bauerndorf zur Arbeiterwohngemeinde setzte nach dem Bau der Eisenbahnlinie nach Weilheim im Jahr 1908 ein. Was nach dem zweiten Weltkrieg, nach dem Zuzug der Heimatvertriebenen in die Gemeinde Jesingen an Straßen und Wohnvierteln, aber auch an gewerblichen Bauten aller Art entstanden ist, das ist der Einwohnerschaft noch ganz gegenwärtig, steht im Jesinger Heimatbuch geschrieben. Doch auch an diesen Feststellungen nagt der Zahn der Zeit: „Auch bei uns haben wir innerorts alte Bauernhäuser, wo die Nachfahren der Besitzer weggezogen sind oder kein Interesse an der Übernahme zeigen. Das sind für uns als Gemeinde Chancen für eine gemeinsame Innenverdichtung, Innenentwicklung und Modernisierung. Mit der gelungenen Renaturierung der Lindach vor dem Rathausbereich hat man auch einen ansprechenden Raum für Naherholung mitten im Ort geschaffen, der zum Verweilen einlade. Gegenüberliegend verweist der Ortsvorsteher auf ein gelungenes Projekt mit einem kleinen Makel: „Hier wurden im Zuge der Ortskernsanierung zwei alte Bauernhäuser abgerissen und vier neue Mehrfamilienhäuser erbaut. Das ist ein Beispiel für eine gelungene Innenverdichtung“, so Flik. Lediglich der Fußweg führe noch nicht ans Ziel – die Hintere Straße – sondern ende momentan als Sackgasse.

Das Thema Innenverdichtung werde uns noch Jahrzehnte begleiten, meint Flik, aber vielleicht gebe es bald ja auch einen weiteren Trend: „Der Städtebau verändert sich permanent. Wir müssen uns Gedanken machen, wie der ländliche Raum in der Zukunft aussehen soll. Was bringt die Digitalisierung? Ich glaube, sie verändert das Leben in der Stadt, revolutioniert aber das Leben auf dem Land“, so Flik. Dies beginne bei einem veränderten Mobilitätsverhalten, dem Trend zu Carsharing, führe über eine veränderte Arbeitswelt, die nicht mehr zwangsläufig örtlich gebunden sei, und höre beim Einsatz von Wärmebildkameras zur Rettung kleiner Rehkitze beim Abmähen von Wiesen noch lange nicht auf.

„Stichwort landwirtschaftliche Produktion. Wie gehen wir mit der Tatsache um, dass Ackerflächen weniger werden?“ Flik verweist auf neue urbane Trends wie „vertikal farming“ – sprich in die Höhe wachsende, mehrstöckige und damit platzsparende Gewächshäuser. Diesen Trends dürfe man sich grundsätzlich nicht verwehren. Es gehe um unser aller Zukunft, und von den acht Milliarden Menschen auf der Welt lebten immerhin 3 500, also 0,0000004375 Prozent, in Jesingen, stellt der Leiter der Ortschaftsverwaltung mit einem Schmunzeln fest.

Verkehrsbelästigung und Tempo 30

Dem sanften Plätschern der Lindach gegenüber steht eine der größeren Herausforderungen der Gegenwart: der Durchgangsverkehr. Zu viel, zu schnell, zu laut und zu schmutzig. „Die enorme Verkehrsbelastung während des Berufsverkehrs, aber auch mit dem Ausweichverkehr bei unfallbedingten Sperrungen der Autobahn stresst die Anwohner seit Jahren.“ Der Ortschaftsrat wird sich in den kommenden Monaten mit dem Thema intensiver beschäftigen. „Im Zug des Lärmaktionsplanes hat der Ortschaftsrat beschlossen, auch in der Kirchstraße/Holzmadener Straße Tempo 30 einzuführen, um die Raserei von Ohmden nach Jesingen auszubremsen“, erklärt Flik direkt beim Ortseingang.

Die Grundschüler ziehen nächstes Schuljahr um, die Grundschule (rechts) wird frei zur Nachnutzung.
Die Grundschüler ziehen nächstes Schuljahr um, die Grundschule (rechts) wird frei zur Nachnutzung. Foto: Jörg Bächle

Aktives Vereinsleben

Hier steht ein überdachtes Willkommensschild der Gemeinde am Ortseingang. Dieses wird auch regelmäßig plakatiert, um auf die vielen Feste der Vereine hinzuweisen. Die Jesinger Vereinslandschaft ist vielfältig und hat Tradition, hat Flik längst erkannt. Sie waren und sind imstande, der Dorfgemeinschaft lebendige Impulse zu geben, Idealismus und Begeisterung zu wecken und der Einsatzbereitschaft für das Gesamtwohl über das Materielle hinaus die Tore zu öffnen, fasst es das Heimatbuch zusammen. Christopher Flik hat sich in seiner einjährigen Amtszeit selbst ein Bild davon gemacht: Neben den großen Vereinen liegen ihm auch die kleineren wie beispielsweise der Obst- und Gartenbauverein und der Schützenverein am Herzen. „Ich kann dem jeweiligen Verein keinen höheren Zuschuss gewähren – aber das, was ich ihnen geben kann, ist Zeit und Aufmerksamkeit.“ Das sieht auch Werner Fahn so, Mitglied im TSV und ehemaliger Vorstand des Gesamtvereins, den wir vor den Tennisanlagen treffen: „Wir finden es positiv, dass er auf die Bevölkerung zugeht, sich für die Vereine engagiert und nicht nur auf dem Rathaus sitzt, sondern unterwegs ist, schaut was zu tun ist und sich die Meinungen der Leute anhört“.

Im Gespräch mit Corinna Lang vom Kindergarten.
Im Gespräch mit Corinna Lang vom Kindergarten. Foto: Jörg Bächle

Christopher Flik ist inzwischen selbst Mitglied und in zwei Jesinger Sportvereinen aktiv: Er hat mit dem Tennisspielen angefangen und steht im Tor bei den AH-Kickern. Außerdem fährt er ­gerne Fahrrad und hat damit bereits alle Winkel der Gemarkung erkundet und abgefahren.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Auf dem Rückweg zum Rathaus gilt es noch, eine Frage zu beantworten: Wie kommt man dazu, sich während des Studiums schon für eine Arbeitsstelle als Ortsvorsteher zu bewerben?

Christopher Flik lacht: „Ja, die vakante Stelle wurde im Januar 2016 ausgeschrieben, und bei mir war klar, dass ich im August 2016 fertig sein werde. Die Angebote von den oberen Landesbehörden kommen meist im Februar. Ich habe dann die Stellenausschreibung von Jesingen gelesen und dachte mir, dass das passen kann. Mein Opa war ja bereits ehrenamtlicher Ortsvorsteher in Deufringen, einem Ortsteil von Aidlingen. In diesem Umfeld bin ich aufgewachsen, das Politische wurde mir quasi in die Wiege gelegt“, macht Flik deutlich. Nicht nur am Schreibtisch sitzen, sondern mit den Menschen gemeinsam etwas gestalten, auf sie zugehen, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, hier etwas bewegen und dort Ideen aufzugreifen, gefalle ihm sehr gut.

Werner Fahn begrüßt den Ortsvorsteher.
Werner Fahn begrüßt den Ortsvorsteher. Foto: Jörg Bächle

Sprache dient der Identität und Integration

Im Vergleich zu seiner Heimat gebe es hier ein aktiveres Vereinsleben. Unterschiede sieht er auch in der Mentalität der Menschen am Rande des Nordschwarzwalds – verglichen mit der am Rande der Schwäbische Alb. 

Hier gehe man offener mit dem Dialekt um. Das gefällt ihm: „Das, was ich bin, was ich darstelle, dahinter muss ich auch stehen und auf Schwäbisch sagen dürfen“, so Flik. Beim Straßenfest kurz nach seinem Amtsantritt hielt er eine Ansprache, bei der er sich aufs Wesentliche konzentrierte und mit dem schwäbischen Spruch „weil die Leut scherret ja au“ beendete, worauf sich eine ältere Dame mit den Worten bedankte: „Endlich mal oiner, der onsere Sprache spricht.“ Das Idiom dient also nicht nur der Identifikation mit einer Region, überhaupt sind Kenntnisse der deutschen Sprache Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Integration und für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Auch Flüchtlinge sollen vom ersten Tag an die Möglichkeit bekommen, Deutsch zu lernen. In Jesingen können sie es: Im Mehrzweckraum im Erdgeschoss des neuen Rathauses wird seit einigen ­Monaten Deutsch gebüffelt. Hier hat die Volkshochschule eine perfekte Räumlichkeit gefunden.

15 Asylbewerber und -innen aus Jesingen und umliegenden Gemeinden und Städten lernen aktuell hier im Kurs am Morgen, wie die deutsche Grammatik und Sprache funktioniert.

1250-Jahr-Feier steht an

Bei der Rückkehr in sein Büro werfen wir noch einen Blick ins Heimatbuch: „Es wurde im Vorfeld der 1200-Jahr-Feier gedruckt. Im Jahr 769 wurde Jesingen im Schenkungsbuch des Klosters Lorsch erstmals urkundlich erwähnt. Deshalb bereiten wir uns jetzt schon zusammen mit dem Ortschaftsrat und der Gemeinde auf die bevorstehende 1250-Jahr-Feier im Jahr 2019 vor.“ Geplant sei ein Festwochenende im Juli rund um die Gemeindehalle mit Heimatabend, Kindertag und einem großem Umzug am Sonntag. Hier laufen die Planungen auf Hochtouren. Flik, der seinen Lebensmittelpunkt gleich nach dem Amtsantritt nach Jesingen verlagert hat, freut sich auf weitere Jahre in der Gemeinde. Seine Bilanz fällt positiv aus: „Ich schaue mit großer Zuversicht nach vorne. Jesingen ist ein toller ‚Flecken‘, die Menschen hier bringen sich ein und versuchen, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Wer immer dies auch möchte, findet in mir einen engagierten Partner.“

Smalltalk im „Präsent“ am neuen Standort.
Smalltalk im „Präsent“ am neuen Standort. Foto: Jörg Bächle

 

 

Zahlen und Fakten

Ortsvorsteher:

Christopher Flik (2016 gewählt)

Gemarkung: 574 ha

Gründung: 769

Damit ältester und flächenmäßig größter Teilort der Stadt Kirchheim unter Teck

Kindergärten:

Kindergarten „Im Käppele“ (50 Kindergartenplätze)

Reußensteinkindergarten (48 Plätze mit 28 Kindergartenregelplätzen und 20 Ganztagesplätzen sowie 10 Krippenplätzen)

Schule:

Grund- und Werkrealschule, ab Schuljahr 2018/19 lediglich Ganztagesgrundschule

Spielplätze:

· Schönbergstraße

· Im Leiblensbett

· Gerstenweg

· Theodor-Körner-Straße

· Jugendtreff am Sportplatz

Gemeindehalle in den 1950ern in Eigenleistung der Jesinger Vereine gebaut

Vereine: etwa 15

Einwohner: etwa 3600

Ein Blick in die Ortschronik lohnt immer.
Ein Blick in die Ortschronik lohnt immer. Foto: Jörg Bächle