Ortsvorstellung Dettingen

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Ortsvorstellung Dettingen

Wir sind DETTINGEN

Auf Exkursion in Dettingen Bürgermeister Rainer Haußmann erklärt, wie Innenentwicklung in der Praxis aussieht.

Dettingen unter Teck Foto: Jörg Bächle
Dettingen unter Teck Foto: Jörg Bächle

Dettingen unter Teck wurde erstmalig 1251 als „Tettingen“ urkundlich erwähnt, die Namensgebung ist auf ein Dettinger Adelsgeschlecht zurückzuführen. Heute zeigt sich Dettingen als dynamische Bürgerkommune, die verschiedensten Anforderungen, aber auch neuen Herausforderungen gerecht werden kann. Wie entwickelt sich Dettingen weiter? Welche Baustellen gibt es? Welche Ziele hat man sich gesetzt? Im Pressegespräch und bei einem Besuch von 30 Nachwuchs-Verwaltungsfachkräften der Hochschule Ludwigsburg erklärt Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann anschaulich, wie die Schlossberggemeinde unter aktiver Beteiligung seiner Bürgerschaft versucht, attraktiv zu bleiben und, mit einem Augenzwinkern, das ausgelobte Ziel zu erreichen, „bester Grundversorger im Kreis Esslingen zu werden“.

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Theorie und Praxis
Schöner hätte man das Wetter nicht bestellen können: Die Sonne lacht und die Dettinger genießen einen Hauch von Sommer mitten im Goldenen Oktober. Doch für die Gäste aus Ludwigsburg beginnt der Praxistag in Dettingen mit etwas Theorie im Sitzungssaal des Rathauses. Hier erfahren die Studierenden, die einmal zum gehobenen Management der öffentlichen Verwaltung gehören werden, wie Innenentwicklung in Dettingen funktioniert. Rainer Haußmann weiß, wovon er spricht. Er ist neben seiner hauptamtlichen Tätigkeit als Bürgermeister auch als Lehrbeauftragter an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg zugange: „Die Innenentwicklung in den Kommunen ist ein brandaktuelles Thema. Da sind wir in Dettingen führend in der Region Stuttgart, weil wir vor allem in den beiden vergangenen Jahrzehnten zusammen mit den Grundstückseigentümern erfolgreich den Strukturwandel bewältigt haben und auch weiterhin bewältigen“, zeigt er dem Nachwuchs anhand von Vorher-Nachher-Plänen auf.
Es liegt ihm sehr am Herzen, dass der Führungskräftenachwuchs Erfahrungen aus der Praxis sammeln kann. Nach den Vorlesungen an der Hochschule kommen die Studierenden nach Dettingen zur Exkursion und erfahren Wissenswertes über eine leben­dige Gemeinde.

Studenten der Fachhochschule Ludwigsburg mit Bürgermeister Rainer Haußmann auf Exkursion durch Dettingen. Foto: Jörg Bächle
Studenten der Fachhochschule Ludwigsburg mit Bürgermeister Rainer Haußmann auf Exkursion durch Dettingen. Foto: Jörg Bächle

Unter den Top Fünf im Landkreis
Dettingen hat aktuell 6 200 Einwohner und damit so viele wie noch nie, erzählt Haußmann. Dettingen sei auch gewachsen in Zeiten, in denen andere Gemeinden geschrumpft sind. Und: „Es ist nachhaltig, wenn man zumindest theoretisch auch dort arbeiten kann, wo man wohnt oder umgekehrt wohnen kann, wo man arbeitet“, erklärt Haußmann. In Dettingen gibt es aktuell 2 400 Arbeitsplätze. Diese Zahl sei imposant, erklärt der Bürgermeister. Damit liege man auf Rang 4 im Landkreis – wenn man die Großen Kreisstädte außen vor lässt. Beeindruckende Zahlen, die im Lauf der letzten Jahre in Dettingen nur eine Richtung kannten: steil nach oben.

Problem verschwindet im Tunnel
Ein anderes Thema wird sprichwörtlich verschwinden, erfahren die Studenten – nämlich unter die Erde: Bei den jüngsten Feierlichkeiten zur Inbetriebnahme der beiden Bohrmaschinen für den Albvorlandtunnel muss erwähnt werden, dass diese Großbaustelle auf der Gemarkung von Dettingen liege. Und dass man diesen Tunnel nun bohre, sei das Resultat jahrelanger Anstrengungen: „Nach 20-jährigem Kampf gegen eine geplante oberirdische Streckenführung, ist mit dem Beginn des Tunnelbaus unser Ziel erreicht“, freut sich Haußmann für die Dettinger Bürger. Jetzt werde jedem im Sinne der langfristigen Gemeindeentwicklung klar, welchen Vorteil dies für die Menschen und die Wirtschaft im Ort habe: „Man stelle sich nur einmal vor, dass tagtäglich mehr als 200 Züge über die Gemarkung rauschen würden.“ Lärm bedeute schließlich immer Stress. Die Studenten erfahren, wie dieses Szenario einst sogar den Bürgermeisterwahlkampf beherrschte: „Ganz zu Anfang erschien der Kampf aussichtslos und deshalb können wir heute mit Stolz sagen: Der Tunnel ist ein großer Gewinn für Dettingen.“ Zwar bleibe der Baustellenverkehr für die nächsten 2 Jahre, aber den werde man tapfer ertragen.

„Geschichtsunterricht“ über eine gewachsene Gemeinde vor dem symbolträchtigen Brunnen-Ensemble am Rathaus. Foto: Jörg Bächle
„Geschichtsunterricht“ über eine gewachsene Gemeinde vor dem symbolträchtigen Brunnen-Ensemble am Rathaus. Foto: Jörg Bächle

Praxis vor Ort
Für die Studenten geht es nach dem theoretischen Anschauungsunterricht hinaus auf den Platz vor dem Rathaus. Das Sonnenlicht lässt das Wasser des Brunnens glitzern, Kleinkinder mit ihren Müttern erfreuen sich am Schauspiel. In Rainer Haußmann erwacht der Gästeführer, eine Aufgabe, die er rund ein Dutzend Mal im Jahr immer wieder gerne übernimmt, sei es wenn Landfrauen zu Besuch sind oder eben seine Studenten: „Der Rathausbrunnen des Bildhauerehepaares Barbara und Gernot Rumpf erzählt vom Dorf - wie es früher hier war und wie es sich entwickelt hat“, erklärt Rainer Haußmann. Mit der dezenten Spannweite der Stilelemente fügt sich der Brunnen wunderbar in einen Platz ein, der von Gebäuden geprägt ist, die vom ländlichen Barock bis zur jüngsten Gegenwart reichen – und damit meint er auch sein Domizil, das Rathaus.

Investitionen in Bildung
Er lenkt den Blick in die andere Richtung: Dort steht die 1909 eingeweihte „Alte Schule“, die seit 2014 keine Grundschüler mehr beherbergt. „Wenn wir das Thema Bildung nehmen, dann werden wir in 10 Jahren 15 Millionen Euro investiert haben“, summiert Bürgermeister Haußmann. „Wir haben dann 7 Millionen in Kitas und 8 Millionen Euro in die Schule investiert. Dafür sind wir auch bereit, Schulden zu machen.“ Das sei eine Frage der Priorisierung, erfahren die Studenten.
In Zeiten, in denen die Schülerzahlen stagnieren und insgesamt rückläufig sind, setze man in Dettingen auf „Downsizing“, um damit die Grundversorgung in hoher Qualität anbieten zu können: Die Teckschule wandelte sich von einer Werkrealschule in eine Ganztagsgrundschule. Dafür wurden und werden die Alte Schule und die Schlösslesschule hinter der Kirche im Ortskern aufgelöst“. Aus drei mach Eins, dafür aber richtig, könnte man es auf den Punkt bringen.
Haußmann nennt in diesem Zusammenhang Beispiele von Gemeinden, die einen anderen Weg verfolgen: Dort werden Gemeinschaftsschulen teilweise über den Bedarf hinaus eröffnet, die man dann mit Schülern aus Nachbargemeinden zu füllen versuche. Das koste unnötig Steuergelder, den Begriff Verschwendung vermeidet er. Dafür laufen dann aber auch bisher (noch) funktionierende Schulstandorte Gefahr, langfristig zu wenig Schüler zu haben.
„Wichtig ist uns, dass Eltern nach dem Kindergarten nun auch in der Schule verlässliche Ganztagesangebote haben, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen“, erfahren die Studenten auf dem Weg zur Schlösslesschule hinter der Kirche.
„Über die Nachnutzung der beiden frei werdenden Schulgebäude hier im Zentrum sind wir im Dialog mit den Bürgern. Dafür können wir auch Fördermittel aus dem Landessanierungsprogramm einsetzen. Die Alte Schule wird momentan von der Gemeinde weiterhin als Schülerhort genutzt. Wichtig ist, dass wir verantwortungsvoll mit diesen ortsbildprägenden Gebäuden umgehen und gemeinsam mit der Bürgerschaft tragfähige Lösungen finden.“ Eine Lösung gefunden hat man schon eine Straße weiter:

Das Einfamilienhaus zwischen Burghof und Schlossgasse beeindruckt als perfekte Lösung für diesen Ort. Foto: Jörg Bächle
Das Einfamilienhaus zwischen Burghof und Schlossgasse beeindruckt als perfekte Lösung für diesen Ort. Foto: Jörg Bächle

In Dettingen wird klein großgeschrieben
Die Studenten folgen dem Dozenten in die Hintere Straße. Sucht man bei Google nach einem Polizeiposten am Ort, so wird man bei Google Maps in die Hintere Straße 77 geleitet. Doch die Realität ist eine andere: Fröhliche Kinderstimmen dringen aus dem Haus, in dem man eigentlich zwei Beamte vermuten würde. In Zeiten, in denen Sicherheit groß geschrieben wird, verzichte man trotzdem seit ein paar Jahren auf diese Außenstelle. Auch wenn diese Entscheidung von „oben“ diktiert wurde. In dem frei gewordenen Haus sind inzwischen 20 Kita-Kinder und jede Menge Leben eingezogen: So mache man aus Verlust Gewinn, erklärt der Bürgermeister den Studenten.

Rathausplatz: Ein beliebter Treffpunkt und ein Beispiel für gelungene Gestaltung. Foto: Jörg Bächle
Rathausplatz: Ein beliebter Treffpunkt und ein Beispiel für gelungene Gestaltung. Foto: Jörg Bächle

Renovierung und Neubau der Dettinger Kitas
Einen Steinwurf entfernt befindet sich die Kita Regenbogen: Die Kindergartenkinder erfreuen sich an diesen sonnigen Herbsttagen an den Spielgeräten im großzügigen Außenbereich. Die Kita wurde nach zweijähriger Bauzeit im Herbst 2015 eingeweiht: „Die Gemeinde investierte in die Sanierung des Kindergartens Regenbogen, für die Hochbauten mit Außenanlagen und den Neubau der Zufahrt und allen Nebenkosten – darunter auch die Mietkosten für ein Provisorium im Spielplatz Lautergarten – rund 3,4 Mio. Euro in die Zukunft Dettingens.“
Aber auch auf der anderen Seite in Dettingen herrscht seit März letzten Jahres reger Betrieb in der Kita Wirbelwind: Der Neubau zwischen Dettingen und dem Ortsteil Guckenrain ist das Nachfolgedomizil vom Starennest und Mäuseloch. Der Startschuss für die Überlegungen zur Realisierung des Neubaus in den Unteren Wiesen erfolgte in der Gemeinderatsklausur im September 2011. Die Grundfläche der Kindertagesstätte beträgt insgesamt rund 1400 Quadratmeter. Man habe dort eine Kapazität für 93 Kindergartenkinder und für 20 Krippenkinder.

Der Neubau in der Kirchheimer Straße beherbergt auch eine Apotheke. Foto: Jörg Bächle
Der Neubau in der Kirchheimer Straße beherbergt auch eine Apotheke. Foto: Jörg Bächle

Fünfte Betreuungsgruppe für Kinder
Doch selbst diese Anstrengungen scheinen nicht auszureichen, denn seit August 2013 haben Kinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte oder auf Tagespflege. Die Gesetzesnovelle des Bundesfamilienministeriums garantiert einen Betreuungsplatz. Diese Situation will die Dettinger Gemeindeverwaltung mit einer fünften Betreuungsgruppe für Kinder unter drei Jahren und der Schaffung von zwei Vollzeitstellen verhindern.
Der Beschluss im Gemeinderat erfolgte einstimmig, Standort und Trägerschaft sind noch zu klären. Etwas Zeit bleibe aber noch: Die neue Gruppe soll im September 2018 an den Start gehen.
Aber Kinder benötigen nicht nur eine gute Betreuung, zusammen mit ihren Geschwistern und Eltern benötigen sie auch passenden Wohnraum.

Schmuckstück der Innenentwicklung
Wie so vieles hat auch die Siedlungsentwicklung zwei Seiten: Dynamik in Bezug auf Bevölkerung und Wirtschaft mit Flächenbedarf für ­Wohnen sowie Gewerbe, das ist die eine Seite. Und auf der anderen Seite steht die gesetzliche Pflichtaufgabe der Gemeinden und Städte in der Region: der sparsame Umgang mit Grund und Boden. Eine Möglichkeit, diesen Spagat zu meistern, biete die Innenentwicklung. Die Studenten betrachten ein gelungenes Beispiel dafür: „Aus architektonischer Sicht ist für mich das Beispiel des Einfamilienhauses zwischen Burghof und Schlossgasse am beeindruckendsten. Das schmale Grundstück stellte eine Herausforderung dar. Da passte kein Haus von der Stange hin. Auf einem Schotterplatz entstand so ein ansprechendes Wohnhaus mitten im Ort. Es wurde sogar in der Zeitschrift „Region Stuttgart Aktuell“ als Sinnbild gelungener Innenentwicklung als Vorher-Nachher-Motiv veröffentlicht“. Das Ergebnis überzeugt auch die Studenten. Wie man passgenaue Lösungen für Baulücken im Konsens mit den Eigentümern umsetze, dafür gebe es in Dettingen Beispiele zur genüge, fährt Haußmann auf dem Weg zur Kirchheimer Straße fort. „Begonnen haben wir 1999 mit dem Kelterplatz und 25 familienfreundlichen Wohneinheiten. Im Berger-Areal entstanden auf einer brachliegenden Gewerbefläche alleine 60 Einheiten. “Durch konsequentes strategisches Handeln habe man in nur 15 Jahren über 200 neue Wohneinheiten im Bestand geschaffen. Das bedeutet einen Zuwachs von über 400 Einwohnern oder 8 Prozent – neue Baugebiete noch gar nicht mitgerechnet, erklärt Haußmann.

Der Neubau in der Kirchheimer Straße beherbergt auch das Forum Altern. Foto: Jörg Bächle
Der Neubau in der Kirchheimer Straße beherbergt auch das Forum Altern. Foto: Jörg Bächle

Kirchheimer Straße
Inzwischen sind die Studenten vor einem Komplex angelangt, den der ortsansässige Investor „Wohnbau Birkenmaier“ in der Kirchheimer Straße 27 bis 31 erstellt hat. Für Rainer Haußmann ein weiterer gelungener Baustein in der Ortsentwicklung. Mit eingezogen sind eine Apotheke und das Forum Altern: „Wir haben auch für Ältere ein funktionierendes Netzwerk mit vielen passenden Hilfsangeboten im Alltag parat. Dafür stehen neben der Gemeinde zahlreiche leistungsfähige Kooperationspartner. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir für unser Flaggschiff „Forum Altern“ nun in der neuen Wohnanlage in der Kirchheimer Straße eigene und barrierefreie Räume bekommen haben. Das war ein lang gehegter Wunsch“, so Haußmann. Gleich daneben hat die Hirsch-Apotheke eröffnet. Hier war es dem Rathauschef wichtig, dass ein reibungsloser Übergang geschafft wird, um Versorgungslücken zu verhindern. Die nach hinten in drei Gebäuden großzügig angelegten Wohnungen mit viel Grün sind natürlich längst verkauft oder vermietet, auch in Dettingen übersteige der Bedarf das Angebot.

Rückbau in der Kirchheimer Straße
Vor allem die Motorisierung der Bürger und Anwohner bereite in der Kirchheimer Straße Probleme. „Heute besitzt ein Haushalt üblicherweise mehrere Autos. Was in der Kirchheimer Straße deshalb fehlt, sind ausreichend viele Parkplätze, um den Bedarf zu decken.“ Als man die Häuser errichtete, gab es noch keine Massenmotorisierung. Es gab Landwirtschaft und Scheunen – aber wenige Garagen. Hier sind vor dem Neubau in der Kirchheimer Straße 27 bis 31 deshalb auch neue Parkplätze entstanden – für Kurzparker oder Kunden der Apotheke und Besucher von Forum Altern.“ Mitarbeiter und Bewohner parken in der neuen Tiefgarage mit fast 40 Plätzen sowie auf den, im gemeinsamen Hofbereich entstandenen, oberirdischen Parkplätzen. „Straßenbreite, Verkehrslenkung und Parkplätze: Bei Baumaßnahmen im Inneren betrachten wir das Gebäude und das Umfeld aus einem Guss. So haben wir das auch beim Neubau der Kreissparkasse vor dem Rathausplatz gehandhabt“, erklärt Haußmann. Doch das reiche natürlich nicht aus.

Am Bahnhof könne man gratis parken und dort entstehe auch das neue Feuerwehrmagazin, erklärt Bürgermeister Haußmann. Foto: Jörg
Am Bahnhof könne man gratis parken und dort entstehe auch das neue Feuerwehrmagazin, erklärt Bürgermeister Haußmann. Foto: Jörg Bächle

Das Problem Verkehr
„Der Kunde sagt: Es gibt zu wenig Parkplätze, der Anwohner auch und bringt vor, es werde viel zu schnell gefahren. Hier prallen verschiedene Interessen aufeinander. Schuld ist immer der andere, wenn es mal wieder nicht funktioniert“, beschreibt Haußmann das Verkehrs- und Parkverhalten und wirbt für mehr Rücksichtnahme.
Innerorts stelle das Thema Parken und Verkehr immer einen Zielkonflikt dar, bei dem jeder Beteiligte eine andere Perspektive habe. Und es sei ein extrem emotionales Thema, bei dem die Gemüter schon mal hochkochen ­können.
„Urbane Angebote bedeuten nun mal Verkehr“, so der Schultes weiter. „Deshalb arbeiten wir daran, den Verkehr zu lenken – mit einer intelligenten Verkehrsführung und der Schaffung dezentraler Parkmöglichkeiten: Am Bahnhof bieten wir kostenlose Parkplätze an.“ Nur 200 Meter vom Zentrum entfernt ohne Zeitbegrenzung – das sei doch eine adäquate Lösung beispielsweise für Mitarbeiter im Ortskern. Eine weitere entstehe auf der ehemaligen Standfläche des Provisoriums der Kita Regenbogen während des Umbaus. Der Platz ist geschottert. „Demnächst könne man gegen Gebühr dort einen von 30 Parkplätzen anmieten – für Pkw, Wohnwagen, Sprinter oder auch den Bootsanhänger“, erklärt Haußmann. „Und wir versuchen die Parkzeit im Ort so zu strukturieren, dass es ausreicht“. Das alles sei aber ein langwieriger Prozess, genauso wie die Umgestaltung der Kirchheimer Straße.

Ortsmitte soll attraktiver werden
Der Gemeinderat hat erst kürzlich die Sanierungsmaßnahme „Kirchheimer Straße – Ortskern II“ verabschiedet, damit die Dettinger Ortsmitte insgesamt noch attraktiver werden kann, erfährt der Verwaltungsnachwuchs bei der Exkursion. Für Haußmann ist dies eine spannende „Jahrhundertaufgabe“. Es gehe nicht darum, die Kirchheimer Straße „aufzuhübschen“ oder Kosmetik zu betreiben, erklärt er den Studenten, sondern sie neu zu gestalten, sie funktionsfähiger und attraktiver zu machen. Dazu gebe es Unterstützung vom Land. In einem ersten Schritt wurden bereits 900 000 Euro bewilligt. Die Gemeinde Dettingen wird damit nicht nur die Schlössle- und Alte Schule für die Nachnutzung modernisieren können, sondern konnte damit auch den Grund für den geplanten Neubau des Feuerwehrmagazins beim Bahnhof erwerben.
„Aber auch private Modernisierungsmaßnahmen werden von uns gefördert, wenn es um die grundlegende Sanierung der Bausubstanz geht“, erklärt Haußmann.
Aktuell seien bei 23 Objekten maßgebliche Modernisierungen denkbar, darunter auch mehrere Abbrüche mit Neubebauung. Planungen, die unter einem Budget von 20 000 Euro liegen, werden bei der Förderung jedoch nicht berücksichtigt. Ein Euro Fördergeld bringe übrigens acht Euro Wertschöpfung für die Volkswirtschaft, erklärt er seinen Studenten. Dass Dettingen immer wieder in den Genuss von Fördergeldern komme – Haußmann spricht von knapp 5 Millionen Euro in den letzten 25 Jahren – liege auch daran, dass diese Mittel konsequent und vor allem sinnvoll, nachhaltig und für das Land nachvollziehbar eingesetzt würden.

Blick auf Guckenrain und Dettingen. Naherholung pur vor der Haustüre ist garantiert. Foto: Jörg Bächle
Blick auf Guckenrain und Dettingen. Naherholung pur vor der Haustüre ist garantiert. Foto: Jörg Bächle

Rossmann kommt nach Dettingen
Aber nicht nur das Land investiere in Dettingen. Der Drogeriemarktriese Rossmann will sich in der Gemeinde ansiedeln. Er steht kurz vor der Baugenehmigung in der Nachbarschaft zum Supermarkt REWE.
Über den 650 Quadratmetern Verkaufsfläche im Erdgeschoss des Neubaus, entstehen im Obergeschoss Praxen für einen Allgemeinarzt, einen Zahnarzt und für Physiotherapie und darüber wiederum Wohnungen. Dass Rossmann in Dettingen baue, sei keine Selbstverständlichkeit und ist ein Erfolg für die Gemeinde und für die Nahversorgung ein Gewinn. Auch REWE bekomme im Zuge der Ansiedlung 300 Quadratmeter mehr Fläche.

Schnelles Internet für alle
Neben der Nahversorgung im Lebensmittel-, Drogerie- oder Gesundheitsbereich ist auch die Versorgung mit schnellem Internet ein großes Thema in der Schlossberg-Gemeinde: „Wir haben im Gewerbegebiet schon Glasfaser liegen und im Ort kann jeder bereits mit bis zu 100 Mbit/s surfen. Fazit: Wir sind momentan gut versorgt, das wird aber in Zukunft nicht ausreichen“, prognostiziert Haußmann. Für alle sei schnelles Internet immens wichtig, es sei zum zentralen Standortfaktor geworden und mitentscheidend für die Attraktivität einer Gemeinde als Wirtschaftsstandort. Hier kommt das Backbone-Netz ins Spiel. Darunter (Backbone heißt Rückgrat) versteht man die überörtliche Daten-Autobahn, von der kleinere Daten-Straßen abgehen. Die Kommunen übernehmen und finanzieren dessen Aufbau und die Verlegung des Glasfaserkabels in die einzelnen Straßenzüge. Das Land Baden-Württemberg gibt dafür satte Zuschüsse: „Das wird eine wichtige Baustelle sein. Das Ziel lautet, jedes Haus langfristig mit Glasfaser zu versorgen“, so Haußmann.

Sonnwendfeier mit Feuer auf dem Käppele – ein Highligt für alle Dettinger im Sommer. Foto: Jörg Bächle
Sonnwendfeier mit Feuer auf dem Käppele – ein Highligt für alle Dettinger im Sommer. Foto: Jörg Bächle

Bedarf an Gewerbeflächen und Wohnraum
Nach dieser Exkursion ist die Gruppe zurück beim Gemeindebrunnen angekommen. Hier blickt Rainer Haußmann abschließend in die Zukunft: „Wir sind in der Vergangenheit gewachsen und wir werden weiter wachsen. Deshalb benötigen wir weitere Flächen für Gewerbe und Wohnen. Wir haben viel Innenentwicklung gemacht, wir haben ein funktionierendes Gewerbegebiet, das aber auch an seine natürlichen Grenzen stößt. Für die nächste Generation wollen wir deshalb insgesamt rund 10 Hektar für Gewerbe und Wohnen bereitstellen. Das ist unser Flächenbedarf für die Zukunft“.
Zum Brunnen
Die Granitplatten im Zentrum des Gemeindebrunnens symbolisieren die Verbindung vom „alten Flecken“ zur „neuen“ Siedlung Guckenrain am Fuße der Teck: „Die Lücke in den Unteren Wiesen mit einem neuen Baugebiet zu schließen wäre sicher die beste und kompakteste Lösung. Die Infrastruktur ist bereits teilweise vorhanden. Es wird aber sicher noch ein weiter Weg durch die Instanzen, bis es dazu kommen wird.“
Haußmann zieht ein Fazit: „Wir denken konzeptionell und langfristig. Wir beantragen passende Finanzierungs- und Fördermittel und haben in Dettingen einen Fahrplan, den wir konsequent abarbeiten und umsetzen, um die notwendige Infrastruktur für die Gemeinde der Zukunft zu bauen: Das Ziel ist, alle notwendigen Angebote und Einrichtungen bereitzustellen, die unsere Bürgerinnen und Bürger morgen für eine hohe Lebensqualität benötigen und von uns erwarten. Nicht mehr und nicht weniger. Die Studenten haben verstanden.