Lokale Wirtschaft

100 Prozent bio und regional

Scholderbeck verarbeitet nur noch Biomehle von Rebio und Sting

Scholderbeck, der größte Biobäcker im Ländle, stellt auf 100 Prozent Bio um. Jetzt werden auch in der Weilheimer Backstube, wie in der Kirchheimer Marktstraße schon lange, nur noch Biomehle aus der Region verarbeitet.

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richard umstadt

Kirchheim. Scholderbeck Bernd Sigel und Eve Neubold-Sigel sind bekannt für ihr Engagement für gesunde Nahrungsmittel aus der Region rund um die Teck. Sieben Verkaufsläden inclusive Backhaus mit einem Personalstamm von rund 100 Beschäftigten sowie verschiedene Auszeichnungen belegen, dass sich ökologisches Handeln und ökonomischer Erfolg keinesfalls ausschließen. 1993 übernahm Bäckermeister Bernd Sigel von seinem Vater Werner die Bäckerei am Weilheimer Scholderplatz und fuhr nach der Nahrungsmittelallergie seiner Frau zweigleisig. In Kirchheim verbackt er Biomehle aus der Region, in der Weilheimer Backstube kamen bislang Mehle aus dem konventionellen Getreideanbau zum Zuge. Dies soll sich nun ändern.

„Mir ist schon länger aufgefallen, aber in diesem Jahr besonders, wie massiv die konventionelle Landwirtschaft Unkrautvernichtungsmittel wie Roundup von Monsanto einsetzt“, begründet Bernd Sigel seinen Schritt zur Umstellung auf „100 Prozent Bio“. Ins reife Getreide werde noch 14 Tage vor der Ernte das Totalherbizid gespritzt, das alles Grüne im Acker abtötet, damit der Mähdrescher ein leichtes Spiel hat und durch das Unkraut nicht zu viel Feuchtigkeit ins Korn kommt.

„Diese Spritzerei hat uns einfach in einen Gewissenskonflikt gebracht.“ Zwar ist „Roundup“ gesetzlich zulässig und gilt aufgrund der von Hersteller „Monsanto“ vorgelegten Studien als unbedenklich. Doch es gibt auch andere, die das Totalherbizid nicht so ohne Weiteres als harmlos für den menschlichen Organismus einstufen, wie das Magazin „Kontraste“ aus Berlin im Juli 2009 berichtete. Der Scholderbeck will jedenfalls guten Gewissens seine Produkte verkaufen können und hat für seine Firma die Konsequenzen gezogen. Bernd Sigel stellt sein Mehlsortiment trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten komplett auf „Bio“ um. „Wir wollen einen sauberen Rohstoff und die Verbraucher wollen das auch“, sagt der Scholderbeck und hofft, dass er damit vielleicht auch einige Landwirte im Biosphärengebiet zum Nachdenken anregen kann.

In der zweiten Novemberwoche soll die Weilheimer Backstube umgestellt sein. Dann gibt es auch dort Brezeln und Tafelwecken aus Biomehl, und in einem weiteren Schritt werden am Scholderplatz Biobrote gebacken. Seine Mehle bezieht der Biobäcker zum einen von der Offerdinger Mühle bei Rottenburg, die der regionalen Bioland-Erzeugergemeinschaft Rebio angehört, und zum anderen von der Mühle Sting in Jesingen, in der das Getreide der Biolandwirte Andreas Gruel, Owen, und Arnim Kächele, Unterlenningen, gemahlen wird. „Die Strukturen sind vorhanden“, sagt Bernd Sigel, der seit 15 Jahren mit Mehl aus Bioland- und Demetergetreide Brötchen backt. Mit wie viel Erfolg belegen allein zwei Zahlen: Verarbeitete er zu Beginn zwei Tonnen Biomehl, so sind es inzwischen 500 Tonnen.