Lokale Kultur

200 Jahre Württemberg die ersten beiden Könige und ihre Frauen

KIRCHHEIM In diesem Jahr feiern die beiden Landesteile Baden und Württemberg ein wichtiges Jubiläum. Vor 200 Jahren wurden durch Napoleon die Markgrafschaft Baden zum Großherzogtum und das Herzogtum Württemberg zum Königreich erhoben. Dies bereitete der territorialen

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ERICH TRAIER

Zersplitterung des deutschen Südwestens ein Ende und bildete eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung zur Moderne. Das Landesmuseum zeigt anlässlich der Erhebung Württembergs zum Königreich die große Landesausstellung "Das Königreich Württemberg 1806 1918", die auch Ziel eines Besuchs des Schwäbischen Heimatbundes Kirchheim sein wird.

In diesen 112 Jahren regierten vier Könige das Land. Über die ersten beiden die Könige Friedrich und Wilhelm I. und ihre Frauen sprach auf Einladung des Schwäbischen Heimatbundes der Historiker Jörg Alexander Mann vor einer großen Zuhörerschaft im Rundsaal des Kirchheimer Schlosses. Der Referent begann seinen Vortrag mit einem Bild der württembergischen Königskrone, dem Symbol der neuen, erhöhten Machtfülle.

Wie wichtig dieses Symbol für Friedrich war, zeigte er an einem Ganzkörperporträt Friedrichs, entstanden im ersten Jahr nach seiner Rangerhöhung. Den rechten Arm herrisch in die Hüfte gestemmt, legt er die linke Hand auf die Krone, das Zeichen seiner neuen Macht. Obwohl eine Krönungszeremonie nie stattfand, präsentiert er sich im purpurnen, hermelinbesetzten Krönungsornat. Außerdem trägt er darunter einen Harnisch wie sein berühmter Vorgänger Eberhard im Bart, dem 1495 die Erhöhung vom Grafen zum Herzog gelang.

Friedrich war zunächst mit Prinzessin Auguste Karoline von Braunschweig-Lüneburg verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Erbprinz Friedrich Wilhelm, der spätere König Wilhelm I., Prinzessin Katharina, die spätere Königin von Westfalen, und Prinz Paul, der spätere Großvater von König Wilhelm II. Gleichwohl war die Verbindung der beiden unglücklich und endete tragisch. Friedrich hatte seine militärische Karriere in Preußen begonnen, quittierte jedoch nach Unstimmigkeiten mit dem preußischen König den Dienst, um bei Katharina der Großen, der Schwiegermutter seiner Schwester Sophie Dorothea, in russische Dienste zu treten. Hier avancierte er schnell zum Generalgouverneur von Russisch-Finnland und war deshalb auch oft von Sankt Petersburg abwesend.

Seine zehn Jahre jüngere Gattin blieb jedoch in der russischen Metropole, und bei den dortigen zahlreichen Festen kokettierte und flirtete sie gern. Es kam zu Eifersuchtsszenen, wobei der impulsive Friedrich auch vor körperlichen Misshandlungen seiner Frau nicht zurückschreckte. Als Auguste 1786 vor aller Öffentlichkeit bei der Zarin Schutz suchte, nahm diese sie bei sich auf und verlangte von Friedrich, das Land zu verlassen. Auguste wurde von Katharina auf ein Schloss nach Estland geschickt, wo sie von ihrem "Beschützer", einem Freiherrn von Pohlmann, geschwängert wurde und 1788 bei der Geburt um die Angelegenheit zu vertuschen ohne ärztlichen Beistand elendiglich zugrunde ging. Friedrich, der ja schon außer Landes war, trug daran nachweislich keine Schuld.

Nachdem Friedrich mehrere Jahre unverheiratet blieb, zeichnete sich nach dem ersten Schlaganfall seines Vaters seine baldige Machtübernahme ab. Nach der Staatsräson der damaligen Zeit forderte dies eine neue Eheschließung. Da zu dieser Zeit die Koalitionskriege gegen das französiche Revolutionsheer stattfanden, erschien eine Heiratsverbindung mit einer englischen Prinzessin auch im Interesse der Alliierten. So kam es 1797 zur Hochzeit mit der englischen Prinzessin Charlotte Mathilde. Die 30-jährige, für die damaligen Verhältnisse nicht mehr ganz junge Braut passte nicht nur politisch, sondern auch körperlich gut zu dem großen und wohlbeleibten württembergischen Erbprinzen, was für die damals schon sehr freie englische Presse eine willlkommene Vorlage für Karikaturen bildete. Die berühmte Karikatur "Le Baiser a la Wirtembourg" von James Gillray zeigte, dass es die Brautleute wegen ihrer Leibesfülle schwer haben werden, zueinander zu finden. Die Beziehung wurde jedoch zu einer menschlich glücklichen Verbindung, geprägt von gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Kindersegen blieb den beiden versagt. Umso mehr nahm sich Charlotte Mathilde der Kinder Friedrichs aus erster Ehe an und war für sie eine gute und fürsorgliche Stiefmutter. Sie überlebte Friedrich um zwölf Jahre und ist mit 62 Jahren 1828 in Ludwigsburg gestorben, wo sie auch in der Fürstengruft beigesetzt wurde.

Nach dem Tode König Friedrichs im Jahre 1816 folgte ihm sein Sohn Friedrich Wilhelm als Wilhelm I. auf dem Königsthron. Mit dem Regentennamen Wilhelm wollte er unmissverständlich kundtun, dass sein Regierungsantritt den Beginn einer neuen Ära für das kleine Land bedeutete. Der junge Monarch, dem die absolutistischen Herrscherallüren seines Vaters zuwider waren, passte Hof, Heer und Verwaltung den bescheidenen Verhältnissen des Landes an. Er dachte konstitutionell, und 1819 gelang es ihm, sich mit den Landständen auf eine Verfassung zu einigen. Wilhelms Leidenschaft galt den Frauen. So hatte er schon sehr früh einen unehelichen Sohn mit einer Hofgärtnersfrau aus Ludwigsburg. Zum Eklat kam es, als er 1803 mit seiner bürgerlichen Geliebten Therese Abel nach Paris floh und sie dort heiraten wollte.

Auf der Flucht dorthin gebar sie Zwillinge, die jedoch früh verstarben. Nach einem ultimativen Brief seines Vaters entschied sich Wilhelm doch für den Thron und kehrte nach Stuttgart zurück. Um den Plan Napoleons, ihn mit einer seiner Verwandten zu verheiraten, zu vereiteln, ging er 1808 die Ehe mit der 16-jährigen Prinzessin Charlotte von Bayern ein. Wilhelm störte sich allerdings an ihrem pockennarbigen Gesicht und lehnte sie ab, sodass Charlotte in Württemberg keine glückliche Zeit verbrachte. 1814, nach dem Sturz Napoleons, erbat das Paar die Auflösung der unglücklichen Ehe. Die gegenseitige Ablehnung und der Nichtvollzug der Ehe wurden als Gründe anerkannt. Unter dem Namen Caroline heiratete Charlotte dann den dreimal verwitweten österreichischen Kaiser Franz I. Der von mehreren europäischen Fürsten umschwärmten russischen Zarentochter Katharina, seiner Cousine, begegnete Wilhelm erstmals auf dem Wiener Kongress.

Die 27-jährige Witwe des Herzogs von Oldenburg und Mutter zweier Kinder reiste nach dem Tod ihres Mannes quer durch Europa, um sich politisch und sozial weiterzubilden, aber auch um sich wieder mit einem Mann zu verbinden. Wilhelm und Katharina fanden rasch zueinander, und schon im Januar 1816 fand in Sankt Petersburg die Hochzeit statt, neun Monate vor Wilhelms Thronbesteigung. In diese Zeit fielen schrecklichen Hungerjahre.

Auf Initiative Katharinas wurde daraufhin die landwirtschaftliche Akademie Hohenheim gegründet, um durch Verbesserung der bäuerlichen Anbaumethoden Ernteausfälle eher vermeiden zu können. Darüber hinaus ergriff sie in den nur zweieinhalb Jahren als Königin viele Initiativen, um die Infrastruktur des Landes zu verbessern, von denen einige noch heute ihren Namen tragen, so das Katharinenhospital und das Katharinenstift. Sie gründete auch die erste württembergische Sparkasse, baute Kinder-, Suppen- und Speiseanstalten. Das ganze brachte dem Lande eine Sozialstruktur, die andernwärts noch nicht vorhanden war.

Als Katharina überraschend im Januar 1819 stirbt, ist die Trauer im ganzen Land groß. Bald nach ihrem Tod fasste König Wilhelm I. den Entschluss, ihr eine Grabkapelle auf dem Rotenberg zu errichten. Um Platz für den Neubau zu schaffen, wurden Reste der mittelalterlichen Burg abgetragen. Wilhelm I. wäre nach Katharinas Tod am liebsten unverheiratet geblieben, doch die Stände verlangten vom König einen Sohn, nachdem die erste Ehe kinderlos war und aus der zweiten nur Töchter hervorgegangen sind.

Die Wahl fiel auf eine weitere Cousine, Pauline von Württemberg, die Tochter seines Onkels Herzog Ludwig von Württemberg und dessen Frau Henriette, geborene Prinzessin von Nassau-Weilburg. Auf Pauline fiel die Wahl Wilhems deshalb, weil sie von allen möglichen Kandidatinnen der verstorbenen Katharina am ähnlichsten sah. Leider hatte Pauline nicht das politische Interesse ihrer Vorgängerin, sie war von einem konfessionell recht einseitigen Weltbild geprägt. So wandte sich Wilhelm I. nach der Geburt der drei Kinder, darunter Thronfolger Karl, von ihr ab. Die Fassade der Ehe wurde jedoch bei offiziellen Auftritten aufrechterhalten, aber privat gingen König und Königin getrennte Wege.

Die neue Frau im Leben des Königs wurde die Hofschauspielerin Amalie von Stubenrauch, die 1828 von München nach Stuttgart kam und kurze Zeit später seine Geliebte wurde. Sie trat jedoch nie mit dem König öffentlich auf, gehörte nie zur höfischen Gesellschaft. Über mehr als drei Jahrzehnte aber war sie die Vertraute Wilhelms. Als er 1864 im Schloss Rosenstein auf dem Sterbebett lag und sowohl die Königin als auch das Kronprinzenpaar auswärts weilten, war sie an seiner Seite. Wilhelm I. ist in der Grabkapelle auf dem Rotenberg neben Katharina beigesetzt, während Pauline ihre letzten Jahre verhärmt im Kronprinzenpalais verbrachte. Sie starb 1873 und fand in der Schlosskirche zu Ludwigsburg ihre letzte Ruhestätte.

In einem späteren zweiten Teil will der Referent noch die weiteren württembergischen Könige und ihre Frauen vorstellen und damit die Vortragsreihe abrunden.