Lokale Kultur

Alle großen Motetten

OWEN Am Sonntag, 13. Mai, ist Bruckner-Tag in Owen. Um 17 Uhr singen die "Stuttgareter Choristen" unter Ernst Leuze in der Marienkirche die zwölf großen Motetten des Meisters. Posaunen und Orgel setzen dem Chor zusätzliche Glanzlichter auf. Der Eintritt ist frei.

Anzeige

Bruckner in Owen also: Für die legendären Sinfonien wäre die Kirche viel zu klein, doch für die Chormusik bietet sie die besten Voraussetzungen: Platz für die Sänger auf den Chorstufen, Platz auf der Orgelempore, eine wunderbare Akustik und eine mächtige Orgel. Darunter ginge es auch nicht, denn Bruckner schreibt Kathedralmusik und die Marienkirche in Owen ist die Kathedrale des Lenninger Tals.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass Ernst Leuzes Elitechor, die "Stuttgarter Choristen", in Owen singen. Normalerweise ist der Chor in ganz anderen Dimensionen unterwegs. Ende April erst gab es einen Auftritt in Paris vor über 6 000 Zuhörern zusammen mit dem "Royal Philharmonic Orchestra London". Die Einladung erfolgte im Anschluss an Konzerte in München und Stuttgart.

Der Chor ist es gewohnt, unter verschiedensten Dirigenten zu singen, seien es nun Oratorien wie Elgars "The Dream of Gerontius" mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter ihrem Chefdirigenten bei den diesjährigen Herbstlichen Musiktagen in Bad Urach oder Opern, so im Juli bei den Opernfestspielen Heidenheim.

Von solchen Großunternehmungen profitieren die eigenen Konzerte unter Ernst Leuze, die dieses Jahr in Stuttgart, Schöntal und Ellwangen noch stattfinden werden. Mit Owen aber verbindert Ernst Leuze viel mehr als mit den vielen andern Konzertorten. In der Marienkirche fand 1962 der erste Kirchenbezirksgesangstag unter Ernst Leuze statt. Der Kirchenchor Owen wurde einige Jahre vom damaligen Bezirkskantor geleitet, es waren auch die "Leuzes", denen Owen seine große Orgel mit verdankt. Gründe genug also, immer wieder an diesen Ort zurückzukehren, gerade wenn so exquisite Programme wie "Die großen Motetten von Anton Bruckner" angesagt sind.

Zwar sind einzelne dieser Perlen der Kirchenmusik auch landläufigen Chören zugänglich, aber für die Gesamtheit bedarf es schon eines Chores mit höhensicheren Sopranen, sonoren Altistinnen, beweglichen Tenören und tiefsten Bässen. In den Motetten des Meisters wird dem Chor alles abverlangt: Zartestes Piano, grandioses Fortissimo, kompakte Klänge und bewegliche Polyphonie, mystische religiöse Verehrung und liturgische Sachlichkeit. Das ambitionierte Programm ist zum ersten Mal in der Kirchheimer Region zu hören. So schnell wird sich auch nicht wieder eine Gelegenheit dazu finden.

pm