Lokale Kultur

Allein unter Frauen

„LinkMichel“ erzählte „Geschichten aus der Gattenwelt“

Weilheim. Wer eine Frau und drei frei laufende Töchter hat, ist keinesfalls Hahn im Korb sondern eher Karpfen im Hechtteich, das machte Michael Klink alias „LinkMichel“ gleich zu Beginn seines Gastspiels in

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der Weilheimer Limburghalle deutlich. Dass er längst jeden Glauben an die Gerechtigkeit des demokratischen Prinzips verloren hat, nimmt man ihm sofort ab.

Allein unter Frauen hat er keine Chance. Mit den längst gewohnten 4:1 Stimmen hat das Frauen-Quartett stets eine satte Mehrheit. Die konsequent gesetzte Gegenstimme des angeblichen „Herrn im Haus“ bleibt damit immer nur Protest für das Protokoll.

„Geschichten aus der Gattenwelt“ lautet der Titel des aktuellen Programms, mit dem „LinkMichel“ derzeit durch die Lande zieht. Dass er in der Lage ist, fast alles zu erreichen, wenn er es sich fest genug vorgenommen hat, belegte er mit berechtigtem Stolz mit dem begehrten „Seepferdchen“, das er im zarten Alter von gerade einmal sechs Jahren geschafft hat. Auch wenn ihn die Badehose mit dem aufgenähten Abzeichen inzwischen „etwas zwickt“, schüchtert sie jeden Freibadbesucher sofort ein.

Bevor „LinkMichel“ mit seinem inzwischen schon 12. Programm das Publikum im Sturm erobern konnte, musste er zunächst erst einmal selbst Hand anlegen. Da niemand gewagt hatte, sich in die erste Reihe und damit auf die Schleudersitze zu setzen, aus denen oft die jeweils benötigten „freiwilligen“ Mitspieler geangelt werden, baute er kurzerhand erst einmal die schützende Stuhlreihe weg und verringerte damit erfolgreich die Distanz zu den Zuschauerrängen.

Dass er zweisprachig aufgewachsen ist, hört man dem Ex-Studenten nicht an, der schon einmal – einen Dienstag lang – in Tübingen verbrachte und im Hörsaal vor allem von einer strickenden Kommilitonin beeindruckt war. Statt sich auf studienrelevante Objekte wie Heftumschläge oder Geo-Dreiecke zu konzentrieren, strickte sie einen „Delfin-Pulli“, und den Kabarettisten beschäftigte fortan vor allem die Frage, ob der Neckar wohl kälter geworden ist.

Statt 17 Semester „Student zu studieren“ und als strickender Sozialarbeiter zu enden, stellte sich Halbblut „Fischkopfschwabe“ mit einer Mutter aus Hamburg und einem Vater aus Neuffen lieber der harten Schule des Lebens. Zwischen „dem Tor zur Welt und dem schwäbischen Outback“ entschied er sich klar für Neuffen, gegen Labskaus und für Maultaschen, gegen spitzes Hochdeutsch und für ein konsequentes Schwäbisch, vor dem bei ihm selbst das englische Wort „Piercing“ nicht sicher ist und klingt wie „Wirsing“.

Zur Beruhigung der von der Pisa-Studie betroffenen Eltern stellt „LinkMichel“ fest, dass Kinder im Norden zweifellos „noch bleder“ seien und sagte auch warum: Während wissbegierige Kinder in Hamburg immer nur „zur Schule gehen“, gehen die bildungswütigen Schwabenkinder auch in die Schule hinein.

Elternabende sind ihm ein Graus. Er glaubt, dass die überrepräsentierten und am Wohl ihrer Kinder interessierten Mütter an diesen Abenden nur deshalb so viele Fragen stellen, dass sie nicht schon früher nach Hause gehen müssen.

Schlimmer findet er „Nordic Walkinger“. Auch wenn sie regelmäßig 685 Muskeln gleichzeitig trainieren, ist er überzeugt, dass die sich alle im stets kämpferisch verzerrten Gesicht befinden. Da schaut er doch lieber der „Wachkoma-Akrobatik“ im Hallenbad zu, wo man bei zwei Stunden Eintritt acht Stunden volles Programm bekommt.

Nach einer Studie über Baumarkt-Mitarbeiter, die so scheu wie Waldtiere und daher oft tagelang nicht zu sehen sind, wendet er sich den grillenden Männern zu, die mit Schießer-Feinripp und Puma-Sporthose, braunen Socken und „Adiletten“ deutlich erotischer daherkommen als manches moppelige Mädchen, das glaubt, wer Bauchfreies trägt, wäre damit automatisch auch bauchfrei.

Da das Publikum offensichtlich nicht genug bekommen konnte, wollte sich „LinkMichel“ nicht lumpen lassen und erzählte im großzügig gewährten Zugabenteil von seiner fiktiven Begegnung mit Sharon Stone, die er an der Tankstelle in Linsenhofen zufällig traf. Da sie wusste, dass er mit seinen legendären Comedy-Programmen auch Humor-Hochburgen wie Donnstetten und Grabenstetten bespielt, konnte er damit auftrumpfen, dass er inzwischen auch Feldstetten erobert hat und damit seine Aktivitäten auf der Alb krönen konnte.

Auf die Begeisterungsfähigkeit seines Publikums setzte Michael Klink dann im Blick auf seine „mit 30 000 DVDs vollbepackte Doppelgarage“, und erklärte sich bereit, sich gerne von ein paar Exemplaren zu trennen. Seine Flatrate garantierte einen günstigen Festpreis und unbegrenztes Abspielen. Eines Tages, so gab er zögernden Raritätenjägern zu bedenken, sind alle verkauft. Wer dann nicht rechtzeitig zugeschlagen hat, geht nicht leer aus: „No machet mer halt wieder welche . . .“