Lokale Kultur

Alles andere als „heiße Luft“ geboten

Der Dettinger Filmclub Teck (FCT) hat beim regionalen Filmfestival in Nagold kräftig mitgemischt

Dettingen. Bekanntlich hat jede Medaille zwei Seiten und das bekommen auch die nicht kommerziellen Filmautoren zu spüren. In ihrem Fall bedeutet dies im Wettbewerbsbereich eine seit geraumer Zeit strenger agierende Jury, aber auch Leistungsvergleiche auf einem höheren

Barbara ibsch

Niveau. Entsprechend groß ist die Freude beim Filmclub Teck (FCT) über das gute Abschneiden beim regionalen Filmfestival in Nagold: Mit sechs Streifen angetreten, wurden sechs Preise eingeheimst und vier davon mit der Weitermeldung zum Landeswettbewerb verbunden.

„Regionales Filmfestival Alb – Fil­der – Schwarzwald“, das bedeutete viel Arbeit für den ausrichtenden Amateur Film- und Videoclub Nagold, Anspannung bei den zum Wett­bewerb angetretenen Autoren und konzentriertes Bewerten durch eine kritische Jury, deren Mitglieder aus einem von der Ostalb bis zum Bodensee reichenden Korridor angereist waren. Geboten wurden Filme, die im Blick auf das Inhaltliche und die Machart unterschiedlicher nicht hätten sein können, wobei der Filmclub Teck mit Domizil auf dem Dettinger Guckenrain kräftig mitmischte.

Schon die Präsenz machte Eindruck: Von den vierzehn gemeldeten Filmen zeichneten für nicht weniger als sechs Beiträge FCT-Autoren verantwortlich, was den schon mal anzahlmäßig am stärksten vertretenen Club bedeutete. Dieser sahnte dann auch bei den Preisen ab: Ein erster Platz, vier zweite Ränge und ein dritter Preis. Dazu kommt – und das ist für die nicht kommerziellen Filmautoren fast noch wichtiger – in vier Fällen die Weitermeldung zum nächsthöheren Wettbewerb, die Landesebene. Das haben beim jüngsten Regionalfestival nur insgesamt sieben Filme geschafft.

Große Freude also beim FCT und sicher auch weiterer Ansporn für die erfolgreichen Autoren. Josef Pettinger gehört erwartungsgemäß wieder dazu. Sein gemeinsam mit Clubmitglied Peter Markotschi gedrehter Film „Morgenstimmung“ erhielt einen ersten Preis und damit automatisch die Weitermeldung zur Videografika im November im Kloster Untermarchtal.

Der Streifen dauert nur sechs Minuten, bietet aber sehr viel länger Gesprächsstoff. Was erotisch beginnt und im Amateurfilmbereich geradezu revolutionär erscheint, endet mit einer überraschenden, nicht nur die Morgenstimmung zerstörenden Wendung, die so nicht zu erwarten ist. Der kontroversen Diskussion in Nagold wird die Auseinandersetzung auf Landesebene folgen. Es dürfte also auf jeden Fall spannend bleiben, nicht nur des dann klösterlichen Ambientes wegen.

„Heiße Luft“ hat zwar FCT-Autor Peter Markotschi als Titel gewählt, aber da hebt nichts Inhaltsloses ab, sondern es steckt neben der guten Idee jede Menge Arbeit in dem Streifen über ein Treffen von Ballonfahrern. Der Film verbindet schöne Aufnahmen mit informativen Erklärungen und mündet in ein attraktives, auf Takt geschnittenes „Ballonglühen“ zu nächtlicher Stunde. Ein zweiter Preis und die Weitermeldung zum Landeswettbewerb in Singen im März nächsten Jahres sind der Lohn dafür.

„Canyon-Land“ von Josef Pettinger entführt ins Indianerland, besucht und filmisch festgehalten im Rahmen einer USA-Rundreise. Die unterschiedlichen Canyons werden überflogen und durchstreift, wobei der Autor großen Wert darauf gelegt hat, seine stimmungsvollen Aufnahmen mit einer dazu passenden Musik zu unterlegen und mit einem bewusst sparsam gehaltenen Text zu ergänzen. Ein zweiter Preis und die Weitermeldung zur Videografika waren beim Regionalfestival das Jury-Resultat.

„Alles wegen HDV“ hat Karl-Heinz Kosmalla seinen Film überschrieben. Was im Blick auf die neue Dimension als Stoßseufzer interpretiert werden könnte, entpuppte sich als reife Gemeinschaftsleistung des FCT. Um die höhere Filmqualität HDV im Clublokal auch zur Geltung kommen zu lassen, griffen FCT-Mitglieder zur Farbe und pinselten nicht nur eine entsprechende Projektionsfläche auf die Wand, sondern renovierten bei dieser Gelegenheit auch gleich das Clublokal. Karl-Heinz Kosmalla hat dies im Film festgehalten und mit lockerer Hand geradezu Werbung gemacht für den Zusammenhalt im Club. Das wurde auch von den Juroren so gesehen. Sie belohnten die unterhaltsame Dokumentation mit einem zweiten Platz.

In HDV-Qualität präsentierten sich dann auch die beiden nächsten Wettbewerbsbeiträge von FCT-Autoren, sonst hätte sich der clubinterne Aufwand ja nicht gelohnt. Von einer Hawaii-Reise hat Doris Limmer nicht nur viele Eindrücke mitgebracht, sondern auch etliche Stunden Filmmaterial. Einen Teil davon hat sie zu dem Streifen „Lebendig gebliebene Traditionen“ verarbeitet und dabei die Besonderheit der Hula-Tänze in den Mittelpunkt gestellt. Die Jury bewertete diesen Beitrag mit einem dritten Preis.

„Die drey scheenschte Dääg“ beginnen und enden zwar mit dem Großeinsatz von Kehrmaschinen, dazwischen aber herrscht lautes, farbenfrohes Treiben, eingefangen von Barbara und Hartmut Ibsch beim Basler Morgenstraich. Die etwas andere und vermutlich einzige evangelische Fastnacht zieht alljährlich jene in ihren Bann, die sich auf laute Trommeln, schrille Piccolopfeifen und schräge Guggenmusik einlassen. Dem Versuch, die besondere Stimmung filmisch zu vermitteln, sprach die Jury einen zweiten Preis zu und die Weitermeldung zum Landeswettbewerb.

Bis dahin besteht nun für die Autoren aller weitergemeldeten Filme die Möglichkeit, Anregungen aufzugreifen und vielleicht am Ganzen noch etwas zu feilen oder aber gelassen die nächste Runde auf Landesebene abzuwarten. Das Lampenfieber wird sich in jedem Fall rechtzeitig wieder einstellen.

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