Lokale Wirtschaft

Als "Kapitalist und Egoist" für die Mitarbeiter verantwortlich

"Gegen den Trend: Produktionsstandort Deutschland" zu diesem Thema sprach Trigema-Chef Wolfgang Grupp auf Einladung der Raiffeisenbank Teck in der Dettinger Schlossberghalle. In seiner Analyse der wirtschaftlichen Lage Deutschlands bürstete er kräftig gegen den Strich. Sein Credo als Unternehmer: "Wir brauchen die Arbeitsplätze."

ANDREAS VOLZ

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DETTINGEN "Der Standort Deutschland hat viele Vorteile. Die Frage ist nur, wie wir Unternehmer uns verhalten", teilte Wolfgang Grupp in Dettingen mit. Zur Freude seiner zahlreichen Zuhörer, die die erste Veranstaltung der neuen Raiffeisenbank-Reihe "Mitglieder Exklusiv" am Fuße der Teck besuchten, sparte er nicht mit deutlichen Worten: "Vieles passiert infolge der Verantwortungslosigkeit. Egoismus, Machtstreben, Größenwahn und Insolvenzen bestimmen unser Wirtschaftsgeschehen."

Gerade die "Verantwortung" ist eines der wichtigsten Stichworte für den erfolgreichen Vorzeigeunternehmer Wolfgang Grupp. Zunächst einmal sieht er sich selbst in der Verantwortung: "Wenn Trigema Probleme hat, gibt es nur einen Schuldigen und der bin ich." Darüber hinaus hat aber jeder einzelne Mitarbeiter im Unternehmen seine Verantwortung, "und das geht hinunter bis zum Lehrling, der auch seine Verantwortung für seinen Bereich hat". Selbstredend fühlt sich Grupp beim Thema Ausbildung genauso verantwortlich: "Da gibt es keine Diskussion, wir könnten ohne Lehrlinge nicht existieren."

Der 62-Jährige, der 1969 in die großväterliche Firma in Burladingen eingestiegen ist und die Marke "Trigema" innerhalb weniger Jahre zu Deutschlands größtem Hersteller von T-Shirts und Tennisbekleidung ausgebaut hat, sieht in seinem Einsatz für die Ausbildung und für seine Mitarbeiter keine "Sozialgeschichte". Im Gegenteil, er bezeichnet sich ganz klar als "Kapitalist und Egoist", der allerdings frühzeitig erkannt hat: "Wenn es mir gut gehen soll, muss es auch den Menschen um mich herum gut gehen."

Grupp entlässt folglich auch keinen Mitarbeiter, nur weil dessen Arbeit von einer Maschine übernommen wird, die rationeller fertigen kann: "Da kann der Mitarbeiter ja nichts dafür. Ich darf ihn nicht für die neue Maschine bestrafen." Seine Firma stellt deshalb so lange keine neuen Arbeitskräfte ein, bis der freigesetzte Mitarbeiter in einer anderen Abteilung untergekommen ist. Unter Grupps Führung hat es bei Trigema in den zurückliegenden 35 Jahren keine Entlassung aus Arbeitsmangel gegeben. Vielmehr garantiert er selbst den Kindern seiner Mitarbeiter einen Arbeitsplatz, sobald sie ihren Schulabschluss in der Tasche haben.

Durch solch ungewöhnliche Maßnahmen gibt Wolfgang Grupp seinen 1 200 Beschäftigten das notwendige Sicherheitsgefühl, das sie brauchen, um die Leistung für seine Firma zu bringen, die er erwartet. "Leistung" ist ein weiteres wichtiges Stichwort für den Textilhersteller von der Schwäbischen Alb. Die allgemein anerkannte Behauptung, dass die Arbeitskraft in Deutschland zu teuer sei, lässt er nicht gelten. Und wenn sie zutreffe, dann seien die Unternehmer selbst schuld: "Man muss die Kräfte richtig einsetzen, sie motivieren und ihre Leistung voll nutzen." Dann sei jede Arbeitskraft ihr Geld wert auch im Hochlohnland Deutschland. Das gilt für Wolfgang Grupp insbesondere im Falle erfahrener, langjähriger Mitarbeiter: "Den Luxus des Vorruhestands haben wir uns nie erlaubt. Für mich wäre es ein großes Problem, die Erfahrung eines 53-Jährigen zu ersetzen, der bis 65 arbeiten soll."

Anhand solcher und vieler weiterer Beispiele zeigte Grupp in Dettingen auf, wie er sein Unternehmen gegen den Trend führt und wie er es bislang gegen den Trend in der Textilbranche auf dem Markt halten konnte. Die Marktführerschaft in der Branche erwähnt er eingangs beiläufig und nicht ohne Ironie: "Wenn es nur noch einen gibt, sind Sie automatisch der größte." Dankbar quittierte das Publikum in der Schlossberghalle solche Äußerungen mit großem Gelächter und reichlichem Szenenapplaus.

Generell überzeugt Grupps Vortrag durch kabarettistische Qualitäten, wenn er etwa über die "so genannten Manager" herzieht, die es in seinem Betrieb nicht gibt: 1988 habe er "zum ersten und zum letzten Mal" geheiratet. Seine Frau war damals gerade 22 Jahre alt geworden. "Ich habe aber keinen Manager für die Ehe eingestellt, sondern die Aufgabe selbst übernommen." Mit Managern hat Wolfgang Grupp seine Probleme. "Da gibt es einzelne, die zahlen sich Millionengehälter und bringen Milliardenfehlleistungen. So kann es nicht gehen", sagt er und erntet abermals tosenden Applaus.

Dabei hat der Trigema-Chef, der ausschließlich in Deutschland produziert und mit Stolz vermerkt, dass er jede Arbeit in seinem Betrieb schon einmal selbst gemacht hat, keine Schwierigkeiten mit Millionengehältern wenn die Leistung stimmt. Unter dieser Voraussetzung lässt Grupp nämlich für den Manager dasselbe gelten wie für den Arbeiter im Hochlohnland. Er will die Manager auch keineswegs loswerden: "Wir müssen sie nur in die Verantwortung zurückkriegen. Zur leistungsorientierten Bezahlung gehört die persönliche Haftung."

Verantwortung und Leistung zu diesen Prinzipien zählt bei Wolfgang Grupp auch das sofortige Lösen kleiner Probleme, bevor daraus große Probleme werden. Deshalb kann er am Standort Burladingen auch mit 32 Verwaltungsmitarbeitern auskommen. Eine größere Verwaltung würde nur mehr kosten, aber nicht mehr leisten. Entgegen jedem Trend ist Wolfgang Grupp auch von zwei weiteren Dingen überzeugt. Zum einen davon, dass er keine Unternehmensberater braucht, und zum anderen davon, dass die Politik nicht schuld ist an der Arbeitslosigkeit: "Es ist meine Pflicht, meine Mitmenschen in den Arbeitsprozess einzubeziehen. Unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft können sonst nicht funktionieren. Ich behaupte als CDU-Wähler: Es liegt nicht an unserer derzeitigen Regierung. Wenn die Unternehmer nicht ihre Pflicht tun, ist jede Regierung machtlos."