Lokale Kultur

Als Reifetest einen Bären erlegt

Hans-Peter Zuther erweckte den „Rulaman“ bei einer Lesung vor der Falkensteiner Höhle zum Leben

Grabenstetten. Die Geschichte von Rulaman stellte vor der Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten rund 50 Kindern und ihren Eltern Hans-Peter Zuther mit viel Hintergrundwissen vor. Vor idealer Kulisse zog der Harry Potter des frühen 20.

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JOACHIM KRUG

Jahrhunderts die Zuhörer in seinen Bann.

Wenn auch etwas verwittert, war die plakatgroße Tafel mit dem Bild Dr. David Friedrich Weinland, Autor des Erfolgromans Rulaman, noch gut zu erkennen. Hoch im Eingangsbereich der Falkensteiner Höhle zierte das Abbild des von 1829 bis 1915 lebenden Bestsellerautors die Höhlenwand und die mehr als 50 Zuhörer konnten es sehen.

Eingeladen hatte Zimmermanns Buchhandlung aus Kirchheim zu einem Kennenlernen der Erzählung aus der Zeit der Höhlenmenschen und Höhlenbären, in die Hans-Peter Zuther einführte, der die Mädchen und Buben, aber auch ihre Eltern gleichermaßen für Rulaman vereinnahmte. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gehörte Rulaman in jede gut bestückte Kinderbücherei und auch die Schule räumte der fiktiven Geschichte einer Höhlenfamilie aus grauer Vorzeit breiten Raum ein. Sie findet in Höhlen auf der Schwäbischen Alb ihre kongeniale Entsprechung wie beispielsweise in der Falkensteiner Höhle, die laut Hans-Peter Zuther eigentlich Tulka-Höhle heißen müsste, wobei der Name von den Eulen stammt, die hier zu Hause waren.

Die Höhlenbewohner verglich ­Zuther mit den Inuit am Nordpol, die auch heute noch im ständigen Kampf mit der Natur stehen. Rulaman hat seinen Namen von seinem Vater Rul übernommen und lebte mit seinem aus rund 40 Männern, Frauen und Kindern bestehendem Stamm auf übereinander gelegten Bärenfellen, denn es war trotz Ende der Eiszeit recht frisch im Höhleninneren. Ständig hatten die Bewohner tränende Augen, denn der Qualm des Feuers hatte keinen natürlich Abzug, erzählte Zuther. Als 13-Jähriger, so die Rulaman-Erzählung, musste der Held eine Mutprobe bestehen und einen verwundeten Bären besiegen.

­Speere, Pfeil und Bogen, aber später auch Schwerter und Dolche waren die Waffen Rulamans, seines Vaters Rul und seiner „Familie“, deren Oberhaupt die alte Parre war, wusste Zuther zu berichten. Sie sorgt später für Frieden zwischen den neuen Menschen aus dem Osten, die bei Rulaman die Kalats heißen und den Bewohnern der Tulka-Höhle, die Entwicklungsstufen von den Kalats entfernt sind.

Der Rulaman-Autor verbindet Rulamans Geschlecht mit der Steinzeit und die Kalats mit der Metallzeit, weshalb sie den Albbewohnern überlegen sind. Die Kalats kannten schon Pferd und Wagen, Ochsen und selbst errichtete Behausungen und was besonders erwähnenswert ist, das Rad. Sie waren Rulaman und den Seinen überlegen. Eine Zeit, die Jahrtausende dauerte, verschmolz vor der steinernen Naturkulisse zu einer Einheit.