Lokale Kultur

Alte Hasen können Haken schlagen

Andy Fairweather-Low begeisterte das Publikum in der Bastion

Im korrekt sitzenden Anzug und natürlich mit Krawatte rockte Andy Fairweather-Low die Bastion. Foto: Heinz Böhler
Im korrekt sitzenden Anzug und natürlich mit Krawatte rockte Andy Fairweather-Low die Bastion. Foto: Heinz Böhler

Kirchheim. „You‘ve made an old man happy“ – Ihr habt einen alten Knaben glücklich gemacht – freute sich der britische Sänger und Gitarrist Andy Fairweather-Low, als ihm

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das Publikum in der restlos ausverkauften Kirchheimer Bastion auch nach seiner zweieinhalbstündigen Show noch nicht gehen lassen wollte. Der mittlerweile 65-jährige frühere Frontman der Beatband Amen Corner brachte auch bei seinem mittlerweile vierten Auftritt auf Kirchheims legendärer Kleinkunstbühne mit seiner Band „Lowriders“ das alte Gemäuer am Schweinemarkt zum Wackeln.

Sommer 1967 – in Monterrey setzt ein gewisser Jimi Hendrix seine Gitarre in Flammen. In Alt-Europa steht die studentische Jugend auf den Barrikaden, und aus Wales ertönt ein durchdringender Schrei nach Schnaps: „Somebody gimme some Gin.“ Der damals gerade 19-jährige Andy Fairweather-Low hatte zusammen mit seiner Band „Amen Corner“ und dem Titel „Gin House Blues“ den ersten von etlichen Hits, die auch in der Bastion noch zündeten. „Hallo Suzie“, „High in the Sky“ oder „Bend me Shape me“ – die Besucher des vierten Konzertes der „Lowriders“ mit ihrem Gründer und Sänger Andy Fairweather-Low gingen mit, als wäre das Zeitalter der Beat-Musik gerade mal gestern zu Ende gegangen. Dabei ist das alles fast ein halbes Jahrhundert her – und klingt doch kein bisschen angestaubt aus der Kehle des 65-Jährigen, der immer noch gelegentlich die Rhythmus-Gitarre in Eric Claptons Liveband spielt. Er kann‘s halt und gab nicht zuletzt – begleitet von Paul Beavis am Schlagzeug, Dave Bronze am Bass und dem fantastischen Saxofonisten und Klarinettisten Nick Pentelow – einen deutlichen Beweis dafür ab, dass alte Hasen noch jeden musikalischen Haken schlagen können.

Eigene Songs aus fast einem halben Jahrhundert eigenen Schaffens und jede Menge Material aus der Standard-Box der Rockgeschichte hatte der ausgesprochen agile „old man“ des Business auf der Pfanne. Hank Marvins „Apache“ gehörte ebenso dazu wie „Bright lights, Big City“ oder Freddy Kings Glanznummer „The Stumble“. Dafür wechselte „AFL“ die Gitarren durch, wie er das wohl sonntags mit seinen Golfschlägern tut. Und bis zum vorletzten Song alles im korrekt sitzenden Anzug und natürlich mit Krawatte.

Nie zu kurz kam der Humor, der immer auch den einen oder anderen selbstironischen Spruch mit befeuerte. Was sich allerdings einer, der vom feinsten Rock-Riff bis zum Fingerpicking-Stil so ziemlich alles beherrscht, was die sechs Saiten seiner Gitarren so hergeben, locker leisten kann. „Natural Sinner“ tankt sich mit der akustischen Klampfe gespielt wieder genau so locker ins Ohr wie vor vierzig Jahren, und wie eine Erkennungsmelodie seiner selbst hallt seine bis zum Schluss aufgehobene Glanznummer „If Paradise was half as Nice“ (as heaven was, you take me to – Who needs paradise? I‘d rather have you) durch die Zeit, die seither (1969) nicht viel Besseres hervorgebracht hat.