Lokale Wirtschaft

Am Golfplatz wird nicht „nachgekartet“

Stadträte fassen Auslegungsbeschluss für Änderung „Golfanlage Wendlingen-Kirchheim“

Unter den Ärger um illegal errichtete Bauten auf der 18-Loch-Anlage bei Bodelshofen soll ein Schlussstrich gezogen werden: Der Auslegung der Änderung des Bebauungsplanes Golfanlage haben Kirchheims Stadträte jetzt mehrheitlich zugestimmt.

Kirchheim. Bekanntlich hatte es die Betreibergesellschaft der Golfanlage Kirchheim-Wendlingen in der Vergangenheit mit baurechtlichen Genehmigungen nicht so genau genommen, sondern ohne dieselben die Anlage erweitert und Parkplätze angelegt. Teile davon, etwa die Parkplätze, wurden wieder rückgebaut. „Alle Rückbaumaßnahmen wie auch die Planzungen sind okay“, fasste Stadtplaner Gernot Pohl die aktuellen Erkenntnisse in der Sitzung des Technischen Ausschusses des Gemeinderates zusammen und kün­digte eine regelmäßige Überwachung der Geschehnisse am Golf­areal an. Auch seitens der unteren Naturschutzbehörde wurden keine erheblichen Beanstandungen mehr vorgebracht. Bürgermeister Günter Riemer bezeichnete den jetzigen Zustand als „zufriedenstellend“.

Anzeige

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) ist allerdings völlig anderer Meinung. Er prangert vor allem die Erweiterung des Geländes nach Süden an, da hier das Voge

lschutzgebiet tangiert wurde. Auch eine politische Dimension wird in der Stellungnahme formuliert. Demnach werde „der Erosion verfassungsrechtlicher Fundamente Vorschub geleis­tet“, wenn der Gemeinderat „zum Abnickgremium“ werde.

Noch im Februar hatten aus diesem Grunde einige Räte massive Strafen für die Betreibergesellschaft gefordert. Doch die Bauarbeiten liegen nun schon einige Jahr zurück. Damals war ein Bebauungsplanverfahren bereits in Aussicht gestellt, aber eben noch nicht eingeleitet worden. Mittlerweile sind die Verstöße verjährt. – Ein Punkt, der die Stadträte vor allem gegen das in dieser Sache zuständige Landratsamt aufbrachte. Einzelne Redner forderten, eine Chronologie des Schriftverkehrs vom Landratsamt einzufordern und ließen den Vorwurf durchklingen, hier sei etwas verschlafen oder doch zumindest verzögert worden. Bürgermeister Riemer bot an, den Ersten Landesbeamten zur Klärung der verjährten Bußgeld-Festsetzungsfristen einzuladen. „Hier geht‘s doch nur ums Nachkarten“, winkte jedoch der SPD-Fraktionsvorsitzende Walter ­Aeugle ab und fand eine Mehrheit für seinen Antrag, auf diese Einladung zu verzichten.

Diejenigen, die die Golfplatzquerelen endgültig befrieden wollen, gewannen die Oberhand im Ratsrund. „Alles hat zwei Seiten“, gab beispielsweise Hagen Zweifel, Fraktionschef der Freien Wähler, zu bedenken. Schließlich stelle der Golfplatz eine wesentliche Verbesserung gegenüber der früheren Situation dar, als dort noch Ackerland war. Auch Ortsvorsteher Hermann Kik räumte ein, dass auf dem Golfareal die schlechtesten Böden weit und breit anzutreffen seien. „Dort wurde etwas geschaffen, das unserer Wirtschaftssituation gut tut“, stellte sich CDU-Fraktionschef Helmut Kapp mit seiner Fraktion geschlossen hinter den Verwaltungsvorschlag. Schließlich hätten auch die Fachbehörden ihr Okay gegeben. „Diese Lösung ist tragfähig“, meinte sogar Hanns-Karl Schüle, fachkundiger Bürger in Sachen Umweltfragen.

Allerdings sind sich die externen Umweltfachleute im Technischen Ausschuss in Sachen Golfanlage alles andere als einig. Der Bebauungsplan solle jede Erweiterung im Vogelschutzgebiet verhindern und dort auch zum Rückbau verpflichten, wiederholte Robert Poremba die BUND-Forderung. Ausnahmen seien nur dann zulässig, wenn es ein Gebäude von öffentlichem Interesse sei. – Ein Umstand, den Poremba bei einer Pitching-Area und einer Driving-Range beileibe nicht gegeben sieht.

Die Frauenliste stellte den Antrag, die Driving-Range als Planungselement aus dem Bebauungsplan zu streichen, blitzte damit jedoch bei neun Nein-Stimmen und fünf Befürwortern sowie einer Enthaltung ab.

Letztlich erhielt der Antrag der Verwaltung auf Auslegung des Bebauungsplanentwurfs im Technischen Ausschuss des Gemeinderates bei zehn Ja-Stimmen und fünf Nein-Stimmen eine klare Mehrheit. Abgesegnet wurde damit auch der städtebauliche Vertrag mit der Betreibergesellschaft, der eine vierteljährliche Begehung des Areals zur Überwachung der Umweltauswirkungen beinhaltet.