Kirchheim

Am Transamerica-Highway entlang

Konzert Die kanadische Band „Los Paperboys“ begeisterte das Publikum im Kirchheimer Club Bastion mit fetzigem Latino-Celtic-Sound. Als Vorband spielte „Hanne Kah“ aus Mainz. Von Brigitte Gerstenberger

„Los Paperboys“: Kulturelle Vielfalt, die Musik im ureigenen Stil hervorbringt.Foto: Mirko Lehnen
„Los Paperboys“: Kulturelle Vielfalt, die Musik im ureigenen Stil hervorbringt.Foto: Mirko Lehnen

Der Ire liebt sein Guinness, der Mexikaner seinen Tequila, beide Getränke zusammengenommen würde aller Wahrscheinlichkeit nach im alkoholischen Chaos enden. Fügt man allerdings Musikstile beider Länder gekonnt zusammen, entsteht ein atemberaubender Sound-Mix à la Paperboys. Mehrfach war die Band, die sich vor 25 Jahren in Vancouver gründete, bereits zu Gast in der Bastion.

Bevor die Formation ihre musikalischen Funken aus Celtic Rock, Folkpop, Latin, gewürzt mit einer Prise Bluegrass und Country auf der Bühne versprühte, war „Hanne Kah“ angesagt. Kurzerhand und schon bei anderer Gelegenheit als Vorband der „Paperboys“ figurierend, war die junge Folk-Rock-Band aus Mainz mit angereist. Eine tolle Idee, wie das begeisterte Publikum schnell feststellen konnte. Denn die sympathische Songwriterin Hanne Kah an der Gitarre sowie Patrick Jost, Gitarre, und Niklas Quernheim, Kontrabass, waren weitaus mehr als eine adäquate Vorband. Pulsierende, stampfende Rockrhythmen im Wechsel mit berührenden ruhigen Tönen, welche an die frühen Songs von Joni Mitchell erinnerten.

Nach einem gelungenen Support konnte das bestens aufgewärmte Bastions-Publikum alsdann der musikalischen Reise entlang dem Transamerica-High­way von Mexiko bis hoch an die kanadische Westküste folgen. Mit ihrem charismatischen Frontmann, dem Sänger und Gitarristen Tom Landa, in Mexiko geboren und als Jungspund nach Kanada gezogen, hält „Los Paperboys“ einen absoluten Trumpf in ihren Händen. Landa, der englisch und spanisch singt, gelingt es virtuos, die unterschiedlichen Musikstile miteinander zu mixen. Daraus köchelt er seinen spritzigen Paperboy-Cocktail. Ein Sound, der berauscht und glücklich macht, ganz offensichtlich nicht nur das Publikum, sondern auch die Band selbst, denn die erfrischende emotionsgeladene Spielfreude der Band, die fern ab von jeglichem Pathos agierte, war nicht zu übersehen.

Das keltische Element, getragen durch Tin Whistle und Flöte, hervorragend gespielt von Geoffrey Kelly, sowie durch die virtuos aufspielende Kalissa Landa an der Geige, wird gekonnt in rockige und poppige Grooves von Sam Esecson an den Drums und Brad Gillard am Bass verpackt und entwickelt.

Musikalische Streiflichter, die verzaubern, Tex-Mex-Musik, hervorgegangen aus der traditionellen mexikanischen Volksmusik unter dem Einfluss von Blues und Rock‘n‘Roll, wirft die Band ebenso in ihren „melting pot“ wie den relaxten Satzgesang der kalifornischen Surfmusik, herrlich vorgetragen vom Ehepaar Landa.

Die Bandmitglieder haben irische, schottische und lateinamerikanische Wurzeln, eine kulturelle Vielfalt, durch die es der transatlantischen Band schließlich erfolgreich gelang, ihren ureigensten Stil zu finden. Wunderschöne Songs und fetzige Instrumentals sind perfekt aufeinander abgestimmt. Die unterschiedlichsten musikalischen Rhythmen bringen die Gelenke in Schwung, da gab es kein Halten mehr in der Bastion. Live ist die Band eine Liga für sich, Champions-League-verdächtig ist sie allemal.

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