Lokale Kultur

Analyse kontra possenhafter Klamauk

KIRCHHEIM In rasendem Tempo überstürzten sich groteske Ereignisse in Dario Fos Farce "Bezahlt wird nicht", die die Badische Landesbühne auf Einladung des Kulturrings

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RENATE SCHATTEL

auf die Kirchheimer Stadthallenbühne brachte. Der eigentlich scharfen Gesellschaftsanalyse in Dario Fos Theaterstück hörbar in den zum Teil beißenden Dialogen der hier als Arbeiter fungierenden Schauspieler wurde durch den possenhaften Klamauk des nur Allzumenschlichen die Schärfe genommen.

Hinreißende slapstickhafte Szenen, einfallsreich vorgegeben von Stefan Holm, diesmal in der Funktion des Regisseurs, brachten das Pub-likum zu nicht enden wollenden Lachsalven, die eigentlich brisante politisch-linksextreme Botschaft versank allerdings gerade in dieser turbulenten Commedie. In dem Spannungsfeld Politische Agitation Humoristisches Menscheln verlor sich dann auch der Spannungsbogen der Inszenierung gerade in den politischen Dialogen, die gelegentlich aufgesetzt wirkten. In den possenhaften Szenerien konnten sich die fünf Agitatorinnen und Agitatoren der Badischen Landesbühne dafür herrlich ausspielen.

Dario Fo behauptete selbst, dass der Text von seinem Theaterkollektiv "La Comune" und von Mailänder Arbeitern mitgestaltet wurde und dadurch die ambivalente Wirkung entstanden ist. Die Badische Landesbühne mit Regisseur Stefan Holm hat den grotesken Charakter herausgearbeitet und traf damit den Publikumsgeschmack. Evelyn Nagel als zupackende Antonia glänzte in der Paraderolle einer gewitzten Hausfrau, Cornelia Heilmann füllte die Rolle der wenig konturenhaften Mitläuferin und Komplizin wider Willen Margeritha mitleiderregend aus.

Giovanni, Antonias Mann, alias Karsten Morschett wandelte sich im Stück glaubhaft vom biederen Moralisten zum überzeugten Linken und Mario Lohmann als Luigi, Margerithas Gatte, personifizierte den selbstbewussten Arbeitertyp, der seine Rechte einfordert und sich nimmt, was er braucht, mit Charme. Kongenial schlüpfte Hannes Höchsmann in vier verschiedene Rollen vom gestreng-staatstreuen Carabiniere bis zum marxistisch-maoistisch angehauchten Polizeiwachtmeister.

Tobias Sieben gestaltete eine Guckkastenbühne, um den Füllsel-Charakter, das Schauspiel im Schauspiel, zu symbolisieren. Im Guckkasten gelangen dem Bruchsaler Schauspielpersonal wunderbare Szenen, wie etwa als die "Fruchtblase" der "schwangeren" Margeritha platzte und Giovanni sich beim Aufputzen wunderte, dass es nach Essig riecht, oder als Antonia den Carabiniere mit dem Sauerstoff des Schweißgerätes wiederbeleben will und ihm dabei den Bauch aufbläst und dieser auch "schwanger" wird. Oh heilige Eulalia!