Lokale Wirtschaft

Auch der Mittelstand zeigt wieder Mut zu Investitionen

Der wirtschaftliche Aufschwung sorgt auch bei der Volksbank Kirchheim-Nürtingen für zufriedene Gesichter. Das genossenschaftliche Kreditinstitut verzeichnete im vergangenen Jahr in allen Bereichen deutliche Zuwächse.

FRANK HOFFMANN

Anzeige

NÜRTINGEN "Wir sind nicht unzufrieden", präsentierte Volksbank-Vorstandsvorsitzender Ulrich Weiß gestern mit schwäbischem Understatement die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahrs. Die genossenschaftliche Bank konnte sowohl bei den Einlagen als auch bei den Krediten ordentlich zulegen und verbesserte damit ihr Jahresergebnis vor Steuern um rund zwei Millionen auf 9,4 Millionen Euro. Wie in den Vorjahren soll wieder eine Dividende von 5,5 Prozent an die Mitglieder ausgeschüttet werden.

Vor allem in der zweiten Jahreshälfte nahm die deutsche Wirtschaft nach monatelanger Flaute wieder kräftig Fahrt auf. Auch das Sorgenkind Binnenkonjunktur zeigte endlich Anzeichen der Erholung und bescherte den kleinen und mittelständischen Unternehmen volle Auftragsbücher. Davon konnte auch die Volksbank profitieren. "Der Mittelstand war wieder investitionsfreudiger", berichtete Ulrich Weiß von einer deutlich gestiegenen Kreditnachfrage der Firmen. Da sich auch die Privathaushalte von der positiven Stimmung anstecken ließen und ordentlich investierten, konnte das Geldinstitut im vergangenen Jahr bei den Krediten kräftig zulegen. Die Kundenforderungen erhöhten sich um 3,6 Prozent auf 863 Millionen Euro.

Bei den Einlagen gab es eine Steigerung um 4,7 Prozent auf 975 Millionen Euro. Hinzu kommen die bei den Verbundpartnern angelegten Gelder, die sich nicht in der Bilanz niederschlagen. Gerade im Verbundgeschäft verzeichnet die Volksbank Kirchheim-Nürtingen seit Jahren wachsende Umsätze und zählt inzwischen beispielsweise bei den Bausparverträgen zu den erfolgreichsten Genossenschaftsbanken in Deutschland. Insgesamt betreute die Volksbank für ihre Kunden im vergangenen Jahr über 3 Milliarden Euro.

Deutliche Steigerungen gab es für die Volksbank auch im Immobilienbereich. Die speziell für das Immobiliengeschäft in Nürtingen, Wendlingen und Kirchheim eingerichteten Kompetenz-Center, so Vorstandsmitglied Harald Kuhn, seien sehr gut angenommen worden. "Wir bieten unseren Kunden dort keine Standardangebote von der Stange, sondern maßgeschneiderte individuelle Lösungen." Dass das Konzept greift, zeige der Zuwachs bei der Immobilienvermittlung um 28 Prozent.

Vor allem dem Mehrwertprogramm "Mitglied Plus" schreibt es Harald Kuhn zu, dass die Zahl der Volksbank-Mitglieder abermals deutlich um 3,8 Prozent auf 49 592 gesteigert werden konnte. 180 Firmen beteiligen sich mittlerweile an dem Programm und bieten den Voba-Mitgliedern spezielle Angebote oder Rabatte.

Nach wie vor enorme Zuwachsraten kann das Online-Banking verbuchen. "Mittlerweile ist jedes dritte unserer Girokonten online geschaltet, und täglich werden 7 700 Online-Transaktionen getätigt", sagte Harald Kuhn. Leider steigt mit der Attraktivität auch die Zahl der Gauner, die es auf die Zugangsdaten der Bankkunden abgesehen haben. Ulrich Weiß und Harald Kuhn warnen deshalb nachdrücklich vor Mails, deren Absender angeblich die Hausbank ist und die dazu auffordern, PIN und TAN einzugeben. "Das sind klassische Phishing-Versuche von Betrügern." Zudem sollte jeder Online-Kunde eine Firewall einrichten und seine Antiviren-Software auf dem neuesten Stand halten, um auch gegen Spionageprogramme aus dem Internet geschützt zu sein. Wem dies nicht ausreicht, dem bieten die Volksbanken ab sofort das "Mobile-TAN-Verfahren" an. Für jeden Buchungsvorgang wird eine Transaktionsnummer erzeugt, die per SMS auf das Handy des Kunden übertragen wird. Bei diesem Verfahren, so die Bankexperten, haben potenzielle Angreifer keinerlei Chance, an die vertraulichen Daten heranzukommen.

"Wir sprechen Ihre Sprache" heißt ein weiterer neuer Service der Volksbank, der ab Februar angeboten wird. "Unsere ausländischen Mitbürger", so Weiß, "können sich künftig auf Wunsch in allen Finanzangelegenheiten in ihrer Muttersprache fachkundig beraten lassen." 24 Mitarbeiter aus zehn verschiedenen Ländern sorgen für die individuelle Beratung, und Bankchef Weiß ist sich sicher, dass der Fremdsprachenservice rege in Anspruch genommen wird.

Ganz im Gegensatz zu den Größen der Branche hat die Volksbank im vergangenen Jahr kein Personal abgebaut, sondern zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und beschäftigt jetzt 441 Personen (2005: 437). Hinzu kommen 33 Auszubildende. Für Ulrich Weiß sind der gestiegene Personalaufwand und das ausgeprägte Weiterbildungsprogramm wesentliche Teile der Vorwärtsstrategie der Volksbank: "Wir wollen wachsen und Marktanteile gewinnen. Dies ist nur mit einer motivierten, engagierten und gut ausgebildeten Mannschaft möglich."