Kirchheim

Auch Pfarrer können witzig

Jubiläum Männervesper im Jesinger Gemeindehaus: Zu Gast war Dietmar Scheytt-Stövhase aus Albershausen.

Kirchheim. Das hätte frau sich eigentlich denken können. „Men only“, wie auf dem Veranstaltungsplakat angekündigt, ist eine Veranstaltung „nur für Männer“. Als einzige Frau unter lauter Männern wird die Teckboten-Mitarbeiterin erst mal gefragt: „Was machen Sie denn hier?“. Ein Scherz, die Herren schmunzeln und freuen sich. Gläschen Sekt? Oder ein gepflegter Imbiss vom Vesper-Buffet? Alles regionale Produkte, alles beim örtlichen Metzger, Bäcker, Getränkehändler eingekauft. Bei der freundlichen Begrüßung und im späteren Programm wird die „Dame“ wie selbstverständlich mit einbezogen.

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„Stargast“ allerdings ist Dietmar Scheytt-Stövhase, der sich schon beim Sekt als „Pfarrer im Wartestand“ in Szene setzt. Ein kleiner Vorgeschmack aufs Hauptprogramm des Jesinger Männervespers, die Zuschauer fragen sich „Dichtung oder Wahrheit?“. Mit dem gleichen Schalk im Nacken erzählt er später seine Insider-Storys aus Albershausen.

So hat er dort angeblich schon vor längerer Zeit einen „Wanderweg des Glaubens“ eingeführt. Es soll dort wie bei einem Kreuzweg mehrere Stationen geben. Dort wird gebetet, der Posaunenchor spielt, Armkreisen und Kniebeugen im Takt mit den Gebeten und Fürbitten sind Pflicht für die Gläubigen. Auf diese Weise will der Pfarrer Bewegung in die Menschen bringen. Als Belohnung lockt nach 30 Minuten Fußmarsch eine Imbissstation mit Bier und Brathendl. Für „Fußkranke“ wurde ein Shuttle-Bus organisiert. „Tolle Idee!“ Im Ergebnis wollen die Albershäuser jetzt allerdings jeden Sonntag diese Imbissstation - und alle benutzen den Bus.

Nächste Szene: Den Alberhäuser Kirchgängern ist „ihr“ Heiligabend mehr als heilig. Vom Pfarrer wünschen sie sich ausdrücklich: alles soll so sein „wie früher“. Das macht für den Pfarrer das Leben und die Vorbereitung leicht: jedes Jahr die gleichen Lieder, exakt die gleiche Predigt. Von der Kanzel aus sieht er, wie die Kirchenglieder sogar die Texte schon lautlos mitsprechen. Obligatorisch sind auch „Stille Nacht“, „Oh du Fröhliche“ und „Fröhlich soll mein Herze springen“. Da heißt es in der fünften Strophe: „Lasset fahren, was euch quälet“. Jahr für Jahr nähmen das manche nur allzu wörtlich. Aber bis zur Christmette sei genügend Zeit zum Lüften.

Der ganze Saal honoriert die Gags mit herzhaftem Männer-Gelächter. Riesenbeifall auch für „Helene und Fischer“ alias Pfarrer Roland Conzelmann und Gesangspartner Peter Müllner. Die beiden heizen das Publikum mit ihrer Version von „Atemlos“ vor dem Kabarettprogramm an. „Spätzle mit Soß‘“ steuert gewaltig zur allgemeinen Erheiterung bei.

Roland Conzelmann hat das Männervesper vor neun Jahren ins Leben gerufen, eine Gemeinschaftsaktion der evangelischen und katholischen Kirche. Ein abendlicher Stammtisch mit unterschiedlichen Themen, immer in Verbindung mit kulinarischen Genüssen. Oft gibt es Vorträge, mal besichtigt die Gruppe Firmen wie die Segelflugzeugschmiede Wolf-Hirth oder das Recyclingunternehmen Feess. Die Männer lernen beim Jesinger Metzgereibetrieb Ebensberger wie Wurst hergestellt wird oder informieren sich übers Bierbrauen. Männerthemen sozusagen, aber zwischendurch geht’s auch um Dinge wie „Männer-Gesundheit“ oder Hilfsprojekte in Afrika. Um die 30, 40 Leute kommen jedes Mal, sagen Martin Lehmann und Thomas Meyer-Weithofer vom Orga-Team. „Hier ergeben sich manchmal Gespräche, die undenkbar wären, wenn Frauen dabei sind.“ Er meint keineswegs Klischee-Sprüche oder Blondinen-Witze, sondern ehrliche Diskussionen.

Am Ende des Abends räumen die Organisatoren gründlich auf. Am Morgen danach findet im Gemeindezentrum schon das nächste Event statt: ein Frauenfrühstück. Da muss wirklich alles wieder tipptopp sein. Andrea Barner

Drei Fragen an Pfarrer Dietmar Scheytt-Stövhase

1. Kirche und Kabarett - wie passt das zusammen?

Eigentlich passt das gar nicht zusammen, weil die Leute bei einem Pfarrer anderes erwarten. Dass er ernst ist, die Menschen versteht, ihnen zuhört. Aber vielleicht ist das das Spannende, weil man neugierig ist, wie dieser Mensch auf der Bühne agiert.

2. Gibt es Tabus für Sie als Kabarettist?

In politischen Dingen halte ich mich komplett zurück. Es sind Alltagsbeobachtungen, die oftmals skurril genug sind. Vor allem nehme ich mich auch selber dabei auf die Schippe. Es gibt eine Wirklichkeit, die man auch aus einer anderen Perspektive betrachten kann. Das hilft gegen die eigene Wichtigtuerei.

3. Unterscheiden sich Männer und Frauen als Publikum?

Ich glaube man kann die Regel aufstellen: Je mehr Frauen im Publikum sind, desto mehr wird gelacht. Männer sind zurückhaltender. Ich kann das verstehen, ich bin selbst introvertiert und empfinde Fröhlichkeit in mir, ohne es nach außen zu zeigen. ab