Lokale Kultur

Auf den Punkt konzentriertInfo

Ein Auftritt beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“

Nürnberg. Blauer Himmel über Nürnberg, es ist 8.30 Uhr. Eigentlich noch viel zu früh, um in Konzertstimmung zu sein, aber für die dritte

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Urs Läpple

Runde bei „Jugend musiziert“, dem Bundeswettbewerb, der in diesem Jahr zum 50. Mal stattfindet, haben sich immerhin 2 400 Kinder und Jugendliche qualifiziert. Trotz der 23  Wertungsstätten im Dreieck Nürnberg, Fürth und Erlangen, muss schon morgens um 9 Uhr mit der Wertung begonnen werden, denn jeder Teilnehmer hat ein fünfzehn- bis zwanzigminütiges Programm zu präsentieren. Diejenigen, die es bis hierher geschafft haben, können stolz sein, denn in der ersten Runde, im Regionalwettbewerb, waren es noch 18 000, die sich angemeldet hatten.

Auch Katharina Sigel aus Dettingen hat sich in der Kategorie Violoncello solo in der Altersgruppe V – das sind die 16- und 17-Jährigen – für die dritte und letzte Runde qualifiziert. Dazu musste sie beim Landeswettbewerb, der für die Baden-Württemberger im März in Heidelberg stattfand, mindestens 23 von 25 Punkten erreichen. Ihre Eltern und ihr Lehrer Rainer Balbach, der sie schon seit vielen Jahren an der Musikschule Kirchheim unterrichtet, sind mit nach Nürnberg gekommen. Auch die Pianistin Moira Muschalla, Klavierpädagogin der Kirchheimer Musikschule, die Katharina als Partnerin am Klavier zur Verfügung steht, trifft rechtzeitig ein.

Mit Katharina treten noch 42 weitere Cellisten in dieser Altersgruppe an. Das Wertungsspiel findet im Heilig-Geist-Saal, zu Füßen der Nürnberger Burg, statt. Der 2011 renovierte Saal steht sonst der Nürnberger Musikhochschule als Konzert- und Veranstaltungsraum zur Verfügung.

Die rund 250 Sitzplätze sind so früh am Morgen zu 90 Prozent leer. Zaghaft betreten einige Interessierte und Angehörige der Spieler den Saal. Es ist kurz vor 9 Uhr, als die fünfköpfige Jury schwungvoll den Raum betritt und ihren Platz hinter den dafür aufgestellten Tischen im Saal einnimmt. Bis auf den Vorsitzenden, der immer fachfremd, also in diesem Fall kein Cellist, wohl aber Berufsmusiker sein muss, sind es alles gestandene Cellisten mit zum Teil internationalem Ruf. Katharina spielt sich unterdessen in einem Raum einen Stock höher ein. Sie ist erst als Zweite um 9.20 Uhr dran und hat noch ein wenig Zeit, ihre Finger geläufig zu machen.

Der humorvolle Juryvorsitzende stellt seine Kollegen kurz vor, dabei betonend, dass bei dieser föderativen Zusammensetzung – alle Jurymitglieder kommen aus verschiedenen Bundesländern – eine unabhängige Wertung nicht in Gefahr sei. Als Katharina an der Reihe ist, zeigt sie wie immer keine Nervosität nach außen. Ihr Programm trägt die Schülerin des Ludwig-Uhland-Gymnasiums, wie die meisten hier, auswendig vor. Es besteht aus Solostücken von Paul Hindemith und Johann Sebastian Bach sowie aus zwei Sätzen des B-Dur-Konzerts von Luigi ­Boccherini.

Jetzt zählt es, die ganze Konzentration auf den Punkt zu bringen. Tausendfach geübt und geprobt in den letzten Monaten. Die Solostücke spielt sie so ausdrucksvoll wie nie, sie kann alles auf den Punkt bringen. Die schwierigen Lagenwechsel beim Hindemith klappen ohne klangliche Einbußen. Die Akzente setzt sie sehr gekonnt und selbstbewusst. „Lebhaft und markiert“ hat Hindemith als Tempo- und Spielanweisung vorgegeben. Auch den Bach kann sie überzeugend darbieten. Es macht große Freude ihr zuzuhören. Zum Boccherinikonzert nimmt Moira Muschalla am Flügel Platz. Sie muss den Orchesterpart am Klavier darstellen. Katharina meistert ihren Part, wie es sich für eine Bundeswettbewerbsteilnehmerin gehört, mit viel Ausdruckskraft und hohem technischem Können. Lediglich bei einem winzigen Ausschnitt einer Phrase verlässt sie kurz die Konzentration.

Das Niveau des Wettbewerbs ist unglaublich hoch. Die Jury hat die undankbare Aufgabe, sich zwischen 10 und 25 Punkten entscheiden zu müssen. Katharina erhält für ihr Spiel am Ende 21 Punkte und bekommt somit einen 3. Bundespreis zugesprochen. Chapeau! Aber auch ohne diesen Preis hätte sich die harte Arbeit gelohnt, denn schließlich ist der Weg das eigentliche Ziel.

Der vorliegende Text über das Cello-Spiel von Katharina Sigel soll exemplarisch die Stimmung beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ zum Ausdruck bringen. So – oder zumindest so ähnlich – läuft es bei allen Teilnehmern.

Der Text oben über Vanessa Wünsch würdigt eine herausragende Wettbewerbsteilnehmerin aus Kirchheim, die nun aus Altersgründen zum letzten Mal bei „Jugend musiziert“ angetreten ist.

Nachfolgend sind alle Teilnehmer aus Kirchheim und Umgebung aufgeführt, die sich für den Bundeswettbewerb qualifiziert hatten:

Violoncello

Katharina Sigel, Dettingen (AG V), 3. Preis

Mallets

Vanessa Wünsch, Kirchheim (AG VI), 1. Preis

Pop-Gesang

Lina Ellesser, Kirchheim (AG IV), mit Erfolg teilgenommen

Gesangs-Duo

Benjamin Thiel, Wendlingen (Sopran, AG III), und Jakob Zimmermann, Esslingen (Sopran, AG III), 1. Preis

Klavier und ein Blechblasinstrument

Emily Ohlendorf, Notzingen (Horn, AG IV), und Anton Engelbach, Stuttgart (Klavier, AG IV), 1. Preis

Klavier und ein Holzblasinstrument

Kathrin Haberkern, Wendlingen (Querflöte, AG IV), und Helen Dörr, Esslingen (Klavier, AG IV), 3. Preis

Am Freitag, 5. Juli, beginnt um 19 Uhr im Kirchheimer Bohnauhaus das Preisträgerkonzert mit allen „Jugend musiziert“-Teilnehmern aus Kirchheim beziehungsweise mit Teilnehmern, die in Kirchheim Unterricht haben.