Lokale Kultur

Auf der Suche nach den Menschen . . .

KIRCHHEIM Der Kirchheimer Fotograf Ulrich Beuttenmüller, der in erster Linie für Werbeagenturen, Banken und Firmen aus dem Bereich

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MARTINA BAISCH

der Wirtschaft und Industrie sowie seit einigen Jahren für das Stuttgarter Ballett fotografiert, zeigt sich derzeit von einer ganz anderen Seite. In einer kleinen Ausstellung, die im Kirchheimer "Café Aroma" zu sehen ist, konzentriert er sich auf Porträts.

Mit diesen Porträtaufnahmen begibt sich Ulrich Beuttenmüller auf die Suche nach dem Menschen. Schon seit längerer Zeit begegnet ihm das Thema Mensch in seinem fotografischen Alltag, doch die Aufgabenstellung ist für gewöhnlich das Schaffen oder Unterstreichen eines Images und das Transportieren einer Botschaft. Mit den Porträts im Cafe Aroma nimmt sich Ulrich Beuttenmüller nun die Freiheit, Menschen zu fotografieren ohne jegliche Vorgaben, sondern ganz einfach so wie er sie sieht. Ulrich Beuttenmüller ist ein Fotograf, der sich selbst die Frage stellt: Was ist eigentlich Menschsein?

Die ausgestellten Porträts zeigen eben diese uneingeschränkte Suche nach dem Menschen und nicht nur das Ablichten einer Standardschönheit. Sie sind seine persönliche Suche nach dem Innern des Menschen und seine persönliche Ansicht, nämlich das, was er in ihnen gesucht und gefunden hat. Die Suche nach dem Menschen ist die Suche nach Berührung.

"Ich will berührt werden vom Ausdruck des Porträts und ich möchte den Betrachter mit genau diesem berühren", macht Ulrich Beuttenmüller deutlich. In all seinen Porträts sieht der Fotograf Menschen, die etwas zu sagen haben und der Ausdruck eines jeden Gesichts stellt eine Bereicherung dar. Ulrich Beuttenmüllers Porträts zeigen Menschen, die verletzlich scheinen. Und das sind eben die Menschen, denen der Fotograf auf eine ganz intensive innige Weise begegnet. Denn da zeigen sie sich ohne ihre alltägliche Maske, ohne das Rollenverhalten, das jeder Mensch tagtäglich lebt.

Sobald die Maske fällt, ist es möglich, dem Menschen zu begegnen. Ulrich Beuttenmüller versteht es als großes Kompliment, wenn sich jemand so offen vor ihm zeigt. Ob das nun der Biker ist, der mit tätowiertem Arm und maskulinen Auftreten in einer eigenartigen Weise nachdenklich und zugleich sanft wirkt, oder die junge Frau, deren Verletzlichkeit sich in der Offenbarung einer nackten Schulter widerspiegelt und umschmeichelt wird von warmen weichen Locken, sie zeigen, was sich Ulrich Beuttenmüller von der Suche nach dem Menschen wünscht: Verletzlich und doch stark sein.

Das "Coolsein" des Bikers funktioniert nicht wirklich, wenn der Betrachter sich in den Ausdruck dessen Blicks leiten lässt und das Verletzliche wahrnimmt. Obwohl die junge Frau auf der Fotografie nicht wirklich lächelt, lächelt sie doch aus ihrem Innern, ihrer Seele. Die Menschen auf den Porträts gleichen einem Raustrauen, Rauswagen ins Menschsein, indem sie ihr Inneres dem Betrachter offenbaren.

Ulrich Beuttenmüllers Intention ist es, den Menschen hinter seiner Fassade zu treffen und in seine Seele zu blicken. Was ihn antreibt ist der Wunsch, hinter die Selbstdarstellung eines Menschen zu sehen, die in größerem oder kleinern Umfang wahrscheinlich von jedem praktiziert wird. Denn wie oft sind wir schwer beeindruckt, wenn uns jemand sagt, wie wir auf andere wirken, die Selbstwahrnehmung aber eine ganz andere ist. Aber einmal einen Blick hinter die persönliche Bühne eines Menschen werfen zu können, zeugt von Vertrauen und ist wahrlich ein einzigartiges Kompliment.

Laut Ulrich Beuttenmüller ist das die "authentischste, wertvollste und schönste Möglichkeit, jemanden darzustellen und zu begegnen und das in Würde." Sich dem zu stellen beweist Mut des Porträtierten. Dennoch ist sein Wunsch nicht der, das Verborgene hinter der Selbstdarstellung zu offenbaren, sondern vielmehr der, zu verstehen und dem Betrachter verständlich zu machen.

Ulrich Beuttenmüller ist auf der Suche von seinem Gegenüber etwas zu verstehen und dies für andere verständlich zu machen. "Letztendlich ist es die Suche nach Nähe, von der ich glaube, dass sie würde sie von vielen Menschen praktiziert wesentliche Probleme aus der Welt schaffen würde, " erklärt Ulrich Beuttenmüller. Wenn der Betrachter die Nähe des Porträts auf sich wirken lässt, verspürt er vielleicht das, was der Fotograf beabsichtigt hat, den Menschen hinter seiner Selbstdarstellung getroffen, und gar etwas verstanden und auch für den Betrachter verständlich gemacht zu haben. Bei keinem seiner Porträts hat der Mensch an Würde und Ausstrahlung verloren. Das Gegenteil ist der Fall.

Zu sehen sind Ulrich Beuttenmüllers Porträtfotografien im Café Aroma in der Flachsstraße 8 in Kirchheim täglich von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr.