Lokale Wirtschaft

Auf der Suche nach einem starken Partner

Die Insolvenz der Sektkellerei Kessler traf Mitarbeiter und Geschäftspartner der Firma kurz vor Weihnachten wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Inzwischen macht sich bei dem Esslinger Traditionsunternehmen wieder vorsichtiger Optimismus breit. Geschäftsführer Clemens Weiss und Insolvenzverwalter Uwe Kassube verhandeln derzeit mit mehreren Investoren, die bei Kessler einsteigen möchten.

ESSLINGEN Eine positive Erkenntnis haben die vergangenen Wochen bereits gebracht: Den Esslingern liegt Deutschlands älteste Sektkellerei sehr am Herzen. Nachdem die Nachricht über die Zahlungsunfähigkeit der Traditionsfirma die Runde gemacht hatte, schnellten die Absatzzahlen in der Region in die Höhe. Die Zahl der Besucher, die sich samstags an der Sektbar im Kessler-Haus ein Gläschen genehmigen, hat sich glatt verdoppelt. "Die Leute haben gesagt: Jetzt trinken wir alle Kessler-Sekt", freut sich Geschäftsführer Clemens Weiss über die große Solidarität.

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Die Trinkfreudigkeit der Esslinger wird die angeschlagene Firma allerdings nicht retten können. Dafür braucht das Unternehmen einen finanzkräftigen Partner. "Wir verhandeln derzeit mit sieben bis acht Interessenten", berichtet Insolvenzverwalter Uwe Kassube vom Stuttgarter Rechtsanwaltsbüro Braun. Er hofft, dass die Gespräche innerhalb der nächsten vier Wochen zum Erfolg führen werden.

Die Zielsetzung ist dabei klar: "Wir suchen einen Investor, der die Produktion in Esslingen lässt", sagt Insolvenzverwalter Kassube. Horrorvision wäre für ihn und das Familienunternehmen eine Übernahme durch einen Geldgeber, der sich nur den Markennamen sichern will und den Sekt woanders abfüllen lässt. Völlig auszuschließen ist dieses Risiko allerdings nicht, wie der Insolvenzverwalter weiß: "Die Bewerber können uns viel erzählen, aber was sie ein halbes Jahr später machen, weiß natürlich niemand."

Clemens Weiss ist jedoch optimistisch. Schon nach den ersten Gesprächen hat er das Gefühl, dass sich ein seriöser Partner finden wird: "Es sind mehrere Kandidaten dabei, bei dennen ich sagen würde: Das ist eine tolle Lösung." Ob am Ende ein reiner Geldgeber oder ein Investor mit Branchenkenntnis das Rennen machen wird, ist noch ungewiss: "Ich bin da relativ offen", sagt der Geschäftsführer, der derzeit zwar ohne Zustimmung des Insolvenzverwalters keine Entscheidungen treffen darf, aber dennoch an allen Verhandlungen beteiligt ist.

Fest steht, dass es bei Kessler, falls die Rettung gelingt, nicht einfach so weitergehen kann wie bisher. So hat der Insolvenzverwalter bereits Verträge mit Zahlungsmodalitäten entdeckt, "die in einem gesunden Unternehmen nicht üblich sind." Aber auch in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens wird sich einiges ändern müssen. Für die bisher stark regional orientierte Marke sollen neue Märkte gefunden werden. Geschäftsführer Clemens Weiss denkt da nicht nur an Deutschland, sondern auch an Nachbarländer wie zum Beispiel die Schweiz: "Dort werden Genussmittel noch höher geschätzt", glaubt er.

An den Produkten selbst soll sich hingegen nichts ändern: "Wenn wir jetzt anfangen würden, Billigsekt zu produzieren, wäre das der falsche Weg", ist der Geschäftsführer überzeugt. Auch in Zukunft will das Unternehmen die Nische zwischen Massenware und teurem Champagner besetzen: "In diesem Preissegment ist die Konkurrenz auch nicht so groß." Und wenn es nach Weiss geht, wird er die neuen Wege mit seinem bewährten Team gehen. Einen weiteren Personalabbau Kessler hat seine Mitarbeiterzahl bereits von 60 auf 35 reduziert kann er sich jedenfalls nicht vorstellen: "Mit noch weniger Leuten geht es nicht."

ez