Lokale Kultur

Auf literarischen Spuren . . .

Geführte Spaziergänge in Stuttgart und in der näheren Umgebung

Kirchheim. Wandern liegt saisonbedingt wieder voll im Trend. Wer nicht gerade mit dem Mountainbike durch die Natur brettert, mit Inline-Skates Fußgängerzonen unsicher macht

Anzeige

WOLF-DIETER TRUPPAT

oder als nordischer Walker bei sommerlichen Temperaturen unschuldige Waldwege mit Skistöcken traktiert, muss mindestens zu Fuß die Schwäbische Alb durchqueren, wenn es schon nicht für den Jakobsweg reicht.

Fernab sportlich motivierter Freizeithektik gibt es dankenswerter Weise als interessante Alternative einen in Marbach erschienenen handlichen „Wanderführer“, der eine abwechslungsreiche und bewusst entschleunigte freizeitliche Fortbewegungsart anbietet. „Unterwegs auf literarischen Spuren...“ lautet das viel versprechende Angebot, das sich vor allem auf Literaturspaziergänge in der Landeshauptstadt konzentriert, aber durchaus auch andere attraktive Ziele ansteuert.

Mit „Eine Stadt aus dem Musterbuche der Romantik“ ist ein Literaturspaziergang durch Esslingen überschrieben, der am Sonntag, 17. Mai, um 15 Uhr auf der Inneren Brücke am Treppenabgang zur Maille beginnt. Vom Denkmal für Karl Pfaff, dem „Deutschen Sängervater“, geht es am Postmichelbrunnen vorbei zum Gelben Haus am Hafenmarkt, wo der Naturforscher David Friedrich Weinland wohnte, der mit seinem „Rulaman“ ganze Generationen von Lesern begeisterte und in die Vergangenheit zurückversetzte.

Am Rathausplatz werden die Teilnehmer über den Grafen Alexander und seine Dichterfreunde informiert, hören Liebesgeschichten aus dem 19. Jahrhundert um einen armen Poeten und werden Zeugen einer unglücklichen Ehe wie aus einem Thomas-Mann-Roman.

Auf der Burg werden die Teilnehmer in kriegerische Geschichten verwickelt, um in der Stadtkirche Sankt Dionys bei Adam und Eva zu enden.

„Wenn Vater Schiller mit dem Sohne“ ist ein zum Schillerjahr 2009 neu in das Programm aufgenommenes Angebot, das der durch zahlreiche Lesungen in Kirchheim bestens bekannte Rundfunkmoderator Rudolf Guckelsberger an Himmelfahrt, Donnerstag, 21. Mai, und noch einmal am Sonntag, 1. November, im Rahmen eines Literaturspaziergangs von Ludwigsburg zum Schloss Solitude offeriert.

Am Sonntag, 14. Juni, steht unter dem Titel „Kühnste Zinnen und unterirdische Gemächer, Wilhelm Hauff und sein Denkmal, die Burg Lichtenstein“ im Brennpunkt des Interesses. Im Juni und Oktober steht in Marbach „Freunde, Freiheit und Quittenhäppchen“ im Vordergrund, wenn es darum geht, die Welt lebendig werden zu lassen, in die Friedrich Schiller vor 250 Jahren hineingeboren wurde.

Biografisches wird auf diesem Spaziergang genauso gewissenhaft erkundet wie Schillers Beziehung zu Frauen. Zum Abschluss der Spurensuche liest Rudolf Guckelsberger noch aus „Verbrecher aus verlorener Seele“.

Ulrike Goetz, durch begeisternde Lesungen in Kirchheim ebenfalls bestens bekannt, beschäftigt sich am Dienstag, 23. sowie am Mittwoch, 24. Juni, mit der schwäbischen Alhambra, dem literarischen Zoo Wilhelma und am Sonntag, 28. Juni, mit dem Thema „Silberburg und Sonnenschlössle“. Außerdem ist sie im August Rezitatorin bei einem literarischen Spaziergang über den Hoppenlau-Friedhof.

Der „Poesie der Weinsteige“ wird in Stuttgart im August genauso einfühlsam nachgegangen wie der „Literatur und Kunst im Villenviertel“, die im September, bei einem literarischen Spaziergang auf der Gänsheide, im Mittelpunkt steht.

Die Vielfalt der bei den literarischen Spaziergängen angesteuerten Ziele beeindruckt. Am Sonntag, 30. August, wird eine literarische Führung zu Hermann Lenz angeboten, um am Beispiel eines großen Stuttgarter Schriftstellers der Frage nachzugehen, was es bedeutet, „Fünfzig Jahre Fremdling und Wanderer in Stuttgart“ gewesen zu sein.

„Es muss nicht immer Schiller sein“ wird am Sonntag, 13. September, bei einem literarischen Spaziergang durch Marbach postuliert, aber dann doch nicht konsequent umgesetzt. Von der Alexanderkirche startend, geht es in die idyllische Altstadt mit dem Geburtshaus Friedrich Schillers, den Wohnstätten seiner Marbacher Vorfahren und dem Elternhaus Ottilie Wildermuth bis zur Schillerhöhe, wo das Schiller-Nationalmuseum, das Deutsche Literaturarchiv und das Literaturmuseum der Moderne das Dichter-Denkmal umgeben.

„Nichts wie weg“ ist eine im Schillerjahr ebenfalls neu ins Programm aufgenommene Tagesfahrt überschrieben, bei der Rudolf Guckelsberger am Sonntag, 20. September, den Weg von Friedrich Schillers in der Nacht vom 22. auf den 23. September 1782 erfolgten Fahnenflucht nachempfindet. In Ludwigsburg besteht im Oktober Gelegenheit, beim Thema „Kindheit unter Arkaden“ Wissenswertes über Justinus Kerner und Eduard Mörike zu erfahren.

„En passant und Avanti – Kommen und gehen“ ist eine Veranstaltung überschrieben, die sich im Oktober mit internationalen Literaten beschäftigt, die schon in Stuttgart zu Besuch waren. Die literarischen Führungen in und um Stuttgart befassen sich mit Weinbau und Gasthäusern genauso wie mit Dichterdenkmalen. Sie konzentrieren sich auf die 1920er-Jahre genauso wie auf „Die geistig zerklüftete Landschaft der Nachkriegs-Ära“.

Umfassende Informationen über die unter dem Titel „Unterwegs auf literarischen Spuren...“ angebotenen Veranstaltungen können abgerufen werden unter info@litspaz.de beziehungsweise telefonisch bei der Geschäftsstelle in Marbach am Neckar unter der Rufnummer 0 71 44/85 98 34, am besten montags von 9 bis 12 und freitags von 9 bis 12 Uhr oder per Fax unter 0 71 44/85 98 34 oder 0 71 44/84 12 17.