Lokale Wirtschaft

"Aufschwung light" bringt kaum neue Jobs

Auch zum Jahresbeginn bleibt's im Landkreis Esslingen beim "Aufschwung light". Die Unternehmen blicken dem jüngsten Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer weitgehend optimistisch in die Zukunft, zusätzliches Personal wollen allerdings die wenigsten einstellen.

KREIS ESSLINGEN Die Indikatoren der IHK-Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2004 zeigen einen leichten Aufwärtstrend. Der überwiegende Teil der rund 360 befragten Unternehmen sieht die aktuelle Lage und die zukünftigen Erwartungen "verhalten positiv". Die Anzahl der tendenziell negativen Antworten hat sich im Vergleich zum Vorquartal verringert. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch der Umsatz haben sich erholt.

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Lediglich 13,1 Prozent der Unternehmen sind mit ihrer Geschäftslage nicht zufrieden. Im Vorquartal waren dies noch 25,8 Prozent. Die Gesamtauswertung aller Branchen zeigt bei 39,7 Prozent der Unternehmen einen steigenden Umsatz. Dies stellt eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorquartal (34,5 Prozent) dar. Umsatzrückgänge werden nur noch von 26,4 Prozent der befragten Unternehmen angegeben. Die positiven Erwartungen sind auch in diesem Quartal unter anderem auf die guten Exportgeschäfte zurückzuführen. Allerdings zeigt sich auch in anderen Bereichen eine gewisse Belebung. Die Betriebe im Landkreis Esslingen sind zuversichtlich, auch was den Umsatz angeht. So rechnen 48,5 Prozent mit Umsatzsteigerungen in den kommenden Monaten. Im Vorquartal war dies lediglich bei etwa einem Drittel der Fall.

Die positive Geschäftserwartung wird sich aber nur in geringem Maße auf die Beschäftigtenzahlen der kommenden zwölf Monate auswirken. Zwar stehen 10,6 Prozent der befragten Unternehmen Neueinstellungen durchaus positiv gegenüber. Andererseits rechnet aber auch fast jedes dritte trotz guter Geschäftserwartung mit einer Personalreduzierung.

Im Bereich Industrie geht es weiter leicht bergauf. Nur noch 12,2 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage. Insgesamt beurteilen nun 60,2 Prozent ihre Geschäftslage als befriedigend. Damit steigt der IHK-Konjunkturindikator zur Geschäftslage von -7,5 auf 15,5 Punkte an.

Die Gründe für diese grundsätzlich gute Stimmung sind auch im vierten Quartal nicht in der Binnennachfrage zu finden, sondern in der anhaltend guten Auslandsnachfrage. Insbesondere für die Exporte nach Asien und in die EU rechnen viele Betriebe mit weiter steigenden Umsätzen. Der steigende Auftragseingang aus dem Ausland erklärt auch die hohen Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich der Entwicklung des Exports. Auch dieses Quartal bleibt das Auslandsgeschäft Zugpferd der Industrie im Landkreis Esslingen.

Die grundsätzlich positive Entwicklung in der Industrie lässt noch keine starken Auswirkungen auf die tendenziellen Beschäftigtenzahlen für die kommenden Monate erkennen. Zwar steigt die Zahl derjenigen Unternehmen, die eine steigende Beschäftigtenzahl erwarten, auf der anderen Seite befürchten jedoch auch mehr Unternehmen eine fallende Beschäftigtenzahl.

Der Handel hat sich etwas erholt, sieht aber der Zukunft immer noch skeptisch entgegen. Die aktuelle Geschäftslage hat sich gegenüber dem Vorquartal verbessert. Beurteilten im dritten Quartal 12,1 Prozent der befragten Handelsunternehmen die aktuelle Lage als gut, so sind es im vierten Quartal schon 20,5 Prozent. Jedoch sehen immer noch 17,9 Prozent ihre Geschäftslage als schlecht an.

Der Einzelhandel vermeldet eine stabile Geschäftslage. 80 Prozent der Betriebe sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Das Kaufverhalten der Kunden hat sich leicht verbessert. Trotzdem gilt, dass das Preisbewusstsein der Kunden den Wettbewerb im Einzelhandel weiter verschärft. Die Umsätze im Einzelhandel sind überwiegend gleich geblieben,15 Prozent berichten sogar von gestiegenen Umsätzen. Allerdings berichten auch 35 Prozent der Einzelhandelsbetriebe von einem Minus. Den kommenden Monaten sieht der Handel allerdings nicht so positiv entgegen wie im Vorquartal.

Hinsichtlich der Investitionen lässt insbesondere der Einzelhandel eine gestiegene Bereitschaft erkennen. Lediglich jedes zehnte Einzelhandelsunternehmen nimmt im kommenden Quartal keine Investitionen vor. Fast ein Drittel prognostiziert steigende Investitionen. Sowohl beim Einzel- als auch beim Großhandel ist überwiegend Ersatzbedarf Hauptmotiv für Investitionen.

Die Handelsunternehmen sehen die Beschäftigtenzahlen für die kommenden zwölf Monate eher kritisch. Fast jeder Dritte rechnet mit einer rückläufigen Beschäftigung. Im Vorquartal war es jeder Fünfte. Die Ten-denz zum Stellenabbau ist insbesondere beim Einzelhandel weiter gestiegen. Über die Hälfte der befragten Unternehmen rechnen hier mit sinkenden Beschäftigtenzahlen.

Im Vergleich zum Vorquartal hat sich das Baugewerbe im Landkreis Esslingen leicht erholt. In diesem Quartal beurteilen immerhin 7,1 Prozent der Unternehmen die Geschäftslage als gut. Im Vorquartal gab dies kein einziges Unternehmen an. Auch die Anzahl der Betriebe, die die Geschäftslage als befriedigend bezeichnen, ist gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Mit einer Verbesserung der Geschäftslage in den nächsten zwölf Monaten wird vorerst jedoch nicht gerechnet. Auftragseinbußen sind vor allem in den Bereichen öffentlicher und gewerblicher Hochbau zu verzeichnen. Hinsichtlich der Beschäftigtenzahl ist in den kommenden Monaten mit wenig Veränderung zu rechnen.

Im Landkreis Esslingen bezeichnen 90 Prozent der befragten Dienstleistungsunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend. Nur zehn Prozent berichten von einer schlechten Geschäftslage. Das Hotel- und Gaststättengewerbe scheint sich weitgehend von den Folgen der Euro-Umstellung erholt zu haben: 62,5 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Dies sind deutlich mehr als im Vorquartal (15,5 Prozent). Dabei hat sich vor allem die Lage im Beherbergungsbereich verbessert. Auch was die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate angeht, sind die Hoteliers und Gastronomen im Landkreis durchaus optimistisch.

pm