Lokale Kultur

"Aus der einen Welt": Spiegel der Volksseele und fairer Handel

KIRCHHEIM Mit "Kuwate", einem indianischen Volkslied, liefen die 35 Sängerinnen und Sänger des Sing-Out-Chores singend und klatschend ins Bohnauhaus ein. Bunt wie die T-Shirts der Chörler war das Programm, das Lieder aus der ganzen Welt von Afrika, Europa, Asien und Amerika beinhaltete. Wenn es um die "ganze" Welt geht, darf der "Eine"-Weltverein nicht fehlen, der den informativen Teil des Abends gestaltete und zudem einen üppigen Verkaufstisch aufgebaut hatte, an dem die Besucher neben schmackhaftem Mangosekt Kaffee, Kunsthandwerk und Webwaren kaufen konnten.

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"Aus der einen Welt" lautete auch der Titel des Konzertes, das der Sing-Out-Chor und der Eineweltverein gemeinsam veranstalteten. "Musik und fairer Handel" war Programm und überzeugte in seiner Vielfalt. "Wir haben den Völkern aufs Maul geschaut", erklärte Chorleiter Bertram Schattel zu Beginn der Veranstaltung, die die Zuhörer mitriss. Mühelos fand sich der Sing-Out-Chor in das charakteristische Feeling der jiddischen, katalanischen oder mexikanischen Lieder ein und spiegelte so ein Stück Volksseele wider. Dass die gewohnte sängerische Sing-Out-Chor-Qualität und die unübertroffene Einheit von Chor und Chorleiter ungetrübten Hörgenuss erlaubte, war auch Programm. Mit zarter Intonation erklang das alpenländische "Fein sein" im Kontrast dazu schmissig-rhythmisch der mexikanische Hit "La Cucaracha".

Nach der musikalischen Eröffnung berichtete die Erste Vorsitzende des Eineweltvereins, Ulrike Binder, vom fairen Handel und dem Kirchheimer Weltladen. 2002 gegründet, hat der Verein mittlerweile 92 Mitglieder. Ziel sei es gewesen, so Binder, das Thema "Eine Welt" auf die Kirchheimer Tagesordnung zu bringen. Idee zur Umsetzung dieses Zieles sei die Einrichtung eines Weltladens gewesen. April 2003 wurde in der Dettinger Straße der Laden eröffnet und seither könnten die Kirchheimer mit dem Kauf fair gehandelter Waren entwicklungspolitisches Engagement im Alltag zeigen. Fairer Handel bedeute, so die Vorsitzende, direkter Handel mit den Produzentengruppen unter Ausschluss von Zwischenhändlern. Fairer Handel sei Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruhe und damit eine konkrete Form der Entwicklungszusammenarbeit, die Produzenten in die Lage versetzten, ihre wirtschaftliche und soziale Stellung zu verbessern. Wie Ulrike Binder weiter erläuterte, profitierten vom fairen Handel 800 000 kleinbäuerliche Familien, Handwerker und Plantagenarbeiter aus 45 Ländern, das seien über fünf Millionen Menschen. In Deutschland gebe es bisher 800 Weltläden und 6000 Aktionsgruppen mit 25 000 ehrenamtlich engagierten Menschen. Überall dort könne man die fair gehandelten Produkte erwerben.

Der Sing-Out-Chor entführte seine Zuhörer im Anschluss musikalisch nach Griechenland, Kärnten und ins heiße Afrika. Nach Guatemala führte Wally Schlender das Publikum und stellte ein Frauen-Selbsthilfe-Projekt vor, das aber seit einer Woche durch den Hurrikan Stan gefährdet ist. Hatten die Entwicklungshelfer und der Verein Aprosas, der die Mayas in Guatemala unterstützt, bisher eine Kindertagesstätte, einen Kindergarten, eine Schule und ein Bildungszentrum errichten und Frauen durch ihre Webarbeiten zu eigenem Verdienst verhelfen können, so sind jetzt die Lehmhäuser der Familien verwüstet. Eindrücklich schilderte Wally Schlender die Situation vor Ort und bat um Soforthilfe für die Region, auch durch den Kauf der Schürzen und Tischdecken, die die Maya-Frauen gewebt hatten.

Von Guatemala reiste der Sing-Out-Chor melodisch auf die Insel Mallorca und besang deren Königin. Insbesondere die Tenöre fanden Gefallen an der schönen Frau und drückten dies mit innigem Schmelz in den Kehlen aus. Auch in dem galizischen Lied vom verliebten Gockel brillierten Männerstimmen, während die jamaikanische Aufforderung "Linstead Market", wir gehen auf den Markt, durchaus die Frauenstimmen zu erhöhtem und erwartungsvollem Glanz herausforderte.

Der Markt des fairen Handels wurde in der Pause rege genutzt und die schmackhaften Produkte wie Apfel-Mango-Saft getestet. Barbara Fischer stellte das Konzept dieses "one-world-mix" oder des "schwäbisch-philippinischen Cocktails" vor. Der Saft bestehe zu 70 Prozent aus Apfelsaft, gekeltert aus den Früchten hiesiger Streuobstwiesen von Wendlingen, Notzingen und Ötlingen. 30 Prozent des Saftes komme aus den Mangofrüchten von den Philippinen. Die Mangobäume seien dort so heimisch wie im Schwäbischen die Apfelbäume. Durch die Kooperation und den Aufkauf der Früchte könnte die Tier- und Pflanzenwelt erhalten und die Menschen vor bitterer Armut bewahrt werden.

Vor Not und Elend möchte auch das Projekt der Klein-Kredite schützen, das Siegfried Pfeiffer vorstellte. Kleinstkredit-Organisationen vergeben an benachteiligte Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa dringend benötigte Kredite. Als wichtigste Bank fungiere, so Siegfried Pfeiffer, der Oikocredit Förderkreis. Jeder könne einen Anteilsschein für 200 Euro erwerben, um Menschen einen Start ins Leben zu ermöglichen.

Mit deutschen, jiddischen und afrikanischen Liedern startete der Sing-Out-Chor nach der Pause seine stimmliche und musikalische Wandlungsfähigkeit, stach mit hervorragenden Solisten, insbesondere Phil Eick, hervor und ließ eine Welle der Begeisterung aufs Publikum überspringen.

rs