Lokale Wirtschaft

Ausbildung bietet Jugendlichen eine Chance

Stephanie Helmik lernt Verkäuferin im Diakonieladen im Eckpunkt in Kirchheim. Der Kreisdiakonieverband Esslingen betritt damit Neuland: "Wir sind der erste Diakonieladen in Württemberg, wenn nicht deutschlandweit, der einen Ausbildungsplatz im Einzelhandel schafft", erklärt Eberhard Haussmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands.

KIRCHHEIM Die Entscheidung, nicht nur Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten, sondern auch eine fundierte Ausbildung, ist ganz bewusst gefallen: "Wir wollen Menschen eine Chance geben, die anders nicht unterkommen", so Eberhard Haussmann. Deshalb hat er mit der Stellenausschreibung bis nach der Sommerpause gewartet, als der überwiegende Teil an Lehrstellen besetzt war. Die Wahl fiel schließlich auf Stephanie Helmik.

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Die 18-Jährige aus Neuffen hat die Werkrealschule absolviert und bereits viele Absagen erhalten. "Nach mehr als 100 Bewerbungen hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben", erzählt sie. Ein Beruf, in dem sie mit Menschen zu tun hat, ist ihr wichtig. Im Diakonieladen arbeitet sie unter Anleitung von Carola Ullmann, der Leiterin des Diakonieladens, und ihrer Kollegin Ika Babel zusammen mit Ehrenamtlichen und so genannten geringfügig Beschäftigten, hat Kontakt zu Leuten, die Waren bringen oder dort gespendete Waren für wenig Geld einkaufen können.

"Sie hat hier viele Kundenkontakte und mit Menschen unterschiedlichster sozialer Schicht zu tun. So kann sie hohe Sozialkompetenz erwerben", ist sich Eberhard Haussmann sicher. Im kleinen Team habe die Auszubildende zudem die Chance, schnell Verantwortung zu übernehmen.Weil im Diakonieladen Einkauf, Warenkunde und Preiskalkulation keine Rolle spielen, ist Eberhard Haussmann froh über die Unterstützung des örtlichen Modehauses Fischer. Dessen Inhaber Ralf Gerber imponiert das Vorhaben des Kreisdiakonieverbands: "Ich bin über jeden froh, der einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellt und so jungen Menschen eine Perspektive gibt." Stephanie Helmik wird zusammen mit den Auszubildenden der Kirchheimer Modehäuser Fischer und Bantlin an Schulungen zur Warenkunde und Betriebswirtschaft teilnehmen.

Da der Diakonieladen nicht mit Gewinn arbeitet, musste sich Eberhard Haussmann auch finanzielle Unterstützung für sein Vorhaben holen. Finanziert wird der zunächst auf zwei Jahre angelegte Ausbildungsplatz je zur Hälfte vom Diakonischen Werk Württemberg und dem Kirchheimer Verein "Diakonie und Gemeinde", der sich auf verschiedenen diakonischen Feldern engagiert. Möglicherweise kann Stephanie Helmik auch ein drittes Jahr anhängen. Dann wäre sie Einzelhandelskauffrau.

Wenn der "Probelauf" erfolgreich verläuft, soll der Ausbildungsplatz im Diakonieladen in Kirchheim zu einer Dauereinrichtung werden. "Möglicherweise können wir längerfristig auch in unseren anderen Diakonieläden in Esslingen, Bernhausen und Nürtingen Ausbildungsplätze schaffen", blickt Eberhard Haussmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverband, bereits in die Zukunft.

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