Lokale Kultur

Ausdrucksstark und dicht strukturiert

Die Werke des Weilheimer Malers Werner Jocham sind noch bis 9. April im Kornhaus zu sehen

Der Künstler Werner Jocham malt nicht konkret wiedererkennbare Ansichten. Vielmehr lässt er Landschafts-Assoziationen zu.Foto: G
Der Künstler Werner Jocham malt nicht konkret wiedererkennbare Ansichten. Vielmehr lässt er Landschafts-Assoziationen zu.Foto: Genio Silviani

Kirchheim. Ausdrucksstarke, dicht strukturierte Oberflächen. Anklänge ferner und vertrauter Landschaften, die unter dem Schleier einer Patina hervorzubrechen, dann wieder in ungeahnte Weiten zu versinken scheinen. Das sind Eindrücke beim Gang durch die Ausstellung mit Werken des Weilheimer Malers Werner Jocham. Er zeigt seine Arbeiten derzeit im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus.

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Die mit Rissen und aufgesprengten Verläufen als regelrechte Topografien zu erlebenden Bildoberflächen sind dem kalkulierten Einsatz von Metallpigmenten geschuldet. Während des Malvorgangs beginnen diese zu oxidieren und durch Volumenveränderung auf darüber befindliche Farbschichten einzuwirken. Dank dieses handwerklichen Ansatzes, Materialprozesse mit bildimmanenter Gültigkeit einzubinden, entspinnt sich in Werner Jochams Atelier ein Dialog zwischen Maler und Bild. So kommt es immer wieder zu Momenten des Innehaltens, zu Standortbestimmungen, die über den weiteren malerischen Fortgang entscheiden, den Werner Jocham mit intuitiv lenkender Kraft vollzieht. Diese den Bildern schon während ihrer Entstehung zugestandene Autonomie macht sich im Gegenüber mit dem vollendeten Werk in dessen wesenhafter Präsenz bemerkbar.

Jochams fein austarierte, dem Bildaufbau nach klassisch zu nennende Kompositionen bieten dem Betrachter eine Lesbarkeit als Landschaften an. Es ist nicht die Absicht des Künstlers, bestimmte, konkret wiedererkennbare Ansichten zu malen. Vielmehr lässt er im Schaffensprozess Landschafts-Assoziationen zu, die er dann teils deutlicher he­rausstellt, teils aber auch chiffriert und nur mit wenigen Andeutungen ins Bild setzt.

Immer wieder sind Landschaftssituationen zu erkennen, die am Wasser verortet sind und trotz der meist schweren, erdtönig-gedeckten Farbigkeit lichtdurchflutet wirken. Licht über Wasser, dieses Ur-Motiv hat Werner Jocham bei den Impressionisten entdeckt und eingehend studiert. Die Kunst des Impressionismus war es auch, die ihn überhaupt bewogen hat, sich ernsthaft der Malerei zu widmen.

In seinen jüngsten Arbeiten kommt vermehrt eine leichtere, im Verbund mit den Landschaftsmotiven auch surreal wirkende Farbigkeit zum Einsatz. Dimensionen und Proportionen des Bildraums sind gesteigert, Perspektiven und Fluchten verschieben sich in eine Weite, die gewohnte Maßstäbe der Natur übersteigt. Hier wird deutlich, dass ­Jochams Landschaften nicht der Mimesis verpflichtet sind, keine objektiven Gegebenheiten abzubilden suchen. Vielmehr können sie – ganz im Sinne der romantischen „Seelenlandschaft“ – als bildlich geronnener Ausdruck innerer Zustände empfunden werden.

 

Die Ausstellung „Werner Jocham – Malerei“ ist noch bis Montag, 9. April, im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus zu sehen.