Lokale Kultur

Auseinandersetzung mit mythologischen Frauenbildern

KIRCHHEIM Unter dem Ausstellungstitel "Sphären" sind derzeit Malereien, installative Arbeiten und Glasobjekte des Künstlers Henning Hauke in der städtischen Galerie im

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FLORIAN STEGMAIER

Kornhaus zu sehen. Neben der erfrischend offenen Vielfalt an Techniken

und Materialien, die uns in der Ausstellung begegnen, kann man den Begriff der Sphären auch mit den zahlreichen kulturhistorischen Strömen, die Hauke seit je her als reiche Inspirationsquellen dienen und in seinem Schaffen zusammenfließen, in Verbindung bringen. Dabei entsteht jedoch kein wurzelloser Synkretismus, vielmehr treten hier die Spuren einer ernsthaften und tiefschürfenden künstlerischen Suche nach Geistig-Essentiellem zu Tage.

So etwa in seiner malerischen Auseinandersetzung mit mythologischen Frauenbildern. Gedanklich anknüpfend an das Werk des Jungianers Erich Neumann, sowie an C. G. Jung selbst, beschäftigt sich Hauke dabei mit dem Archetyp des Ewigweiblichen und schafft im positiven Sinn des Wortes äußerst ästhetische Frauenbildnisse. Dabei spannt er den Bogen von der sich zwischen den Sphären der Unter- und Oberwelt zyklisch bewegenden Persephone, über die an Munch angelehnte Schwarze Madonna, sowie die in samtigen Rottönen gehaltene Hommage an Klimt, bis hin zum hellorangen Venustorso.

Reflektionen der antiken ägyptischen Hochkultur durchziehen die gesamte Ausstellung wie ein roter Faden. Pylone stehen in ihrer strengen, symmetrisch-klaren Architektur da und eröffnen einen weiteren Aspekt des Ausstellungstitels "Sphären", war doch die Bauweise des altägyptischen Tempels gedacht als ein Weg von der physisch-scheinhaften Außenwelt hinein in die geistige Essenz des Allerheiligsten, ein Weg, der sich jedoch nicht von selbst geht, sondern die verschiedenen Sphären das griechische Wort sphaira kann auch Hülle bedeuten der menschlichen Existenz zu durchschreiten hat.

In einer weiteren Werkgruppe befasst sich Hauke mit Wolkenlandschaften. Diese Malereien sind geprägt von einer unablässigen, ins Bild gebannten Dynamik, von einer permanenten Bewegung und einem ständigen Wechsel von Licht und Schatten. Sie verweisen auf Gerhard Richter, als auch auf die Landschaftsmalerei der Niederländer des 16. und 17. Jahrhunderts, in denen das entweder kontrastreich dramatisch oder auch poetisch still dargestellte Himmelsgeschehen über einem meist niedrig gesetzten Horizont eine entscheidende Rolle spielte. Im Kontext zu den Ägyptenbildern kann man hier eine schöne kulturhistorische Ambivalenz entdecken, die Hauke bewusst aufgreift.

Die Wolkenlandschaften Ansichten und Einsichten von Luft- und Lichtsphären erzeugen als Repräsentanten einer nördlich geprägten Kulturströmung einen saugenden, sich dynamisch in die Weite des Bildes hinein öffnenden Raum, während die Ägyptenbilder als Ausdruck einer südlichen Strömung in ihrer Ruhe, ihrer Klarheit, ihrem Willen zur Proportion einen architektonisch gefassten Lichtraum vermitteln. Auch die Auseinandersetzung mit asiatischen Kulturen war und ist für Hauke äußerst wichtig. Die dreiteilige und zusammengenommen ein großes Bild ergebende Arbeit "Mond und Wasser", basiert auf der Beschäftigung mit der nach wie vor in Ostasien lebendigen Tradition des Daoismus und begegnet ganz im Sinne dieser Tradition als ein zunächst leer scheinendes "weißes Meer", das sich dem Betrachter wenn er sich dem Bild bewusst öffnet als eine geradezu opulent scheinende Projektionsfläche für eigene bildhafte Vorstellungen anbietet.

In der unter den Begriff "Partitur" gestellten Werkgruppe werden Gegebenheiten musikalischer Notation und Satztechniken, Charakteristika von Tonsätzen aufgegriffen und mit bildnerischen Mitteln erfasst und umgesetzt. Durch die sich nach Art einer Partitur fortspinnenden linearen grafischen Elemente entstehen zudem Bezüge zur Landschaftlichkeit. Auch die bewusste Wahrnehmung von Landschaft, von Natur im Wechsel der Jahreszeiten, ist ein zentrales Moment im Schaffen von Henning Hauke. Exemplarisch dafür steht die zweiteilige Arbeit "Jahreskreislauf", die aus einer Vielzahl von tagebuchartig entstandenen Miniaturen besteht, die nun fast ein komplettes Jahr umfassen und in ihrer mosaikartigen, klaren und strengen geometrischen Präsentation auch architektonische Bezüge anklingen lassen.

Dazu gesellen sich Glasobjekte und Glasstelen, die unter Mithilfe modernster Technologie im sogenannten "Architectural-Fused-Glass"-Verfahren hergestellt wurden und den Betrachter verschiedene Schichten transparenter Farbräume erleben lässt.

Im Rahmen der Ausstellung, die bis 22. Oktober zu sehen ist, finden zwei Veranstaltungen statt: am Samstag, 14. Oktober wird Wolfgang Zumdick aus Aachen zum gegenwärtigen Stand der "Sozialen Kunst" um 19 Uhr in der Galerie referieren, am folgenden Sonntag, 15. Oktober findet auf Einladung des Literaturbeirats um 11 Uhr eine literarische Matinee mit SWR-Sprecher Michael Speer statt.