Lokale Kultur

Ausgesprochen intime Bekenntnisse eines Singles

KIRCHHEIM Der Hamburger Musiker, Pianist und Komponist Jan Christof Scheibe hatte durch seinen exzellenten Auftritt zusammen mit Sissi Perlinger im Kirchheimer Kulturzelt 2003 die Messlatte für sein Soloprogramm ziemlich hoch gelegt.

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USCHI NEROLADAKIS

Im ausverkauften Gewölbekeller des club bastion gastierte er nun mit seiner Show mit dem provokanten Titel "Zu viel Sex ist gar nicht gesund," doch schien dieser Titel eher der Geschichte von den sauren Trauben vergleichbar zu sein, denn in einer bunten Mischung aus Musik, Stand-up-Comedy und Dialogen mit dem Publikum kreiste Jan Christof Scheibe nur um dieses eine Thema.

Begleitet wurde er dabei von der Lonely-Hearts-Combo, die an diesem Abend allerdings auf den Gitarristen Andreas Dopp reduziert war, der als braver Familienvater mit goldener Gitarre aber eher den ruhigen Hintergrund für den Entertainer Jan Christof Scheibe abgab. Sollte man Scheibe, dem Mann mit den unglaublich blauen Augen, wirklich glauben, dass er auf dem Gebiet der Erotik ein Versager und Verlierer ist? Kann so ein Mann wirklich ein erfolgloser Single auf der Suche nach der wahren Liebe sein?

Von Bettina sei er verlassen worden, klagte er gleich in seinem ersten Song und kam dann auf erotische und vor allem auch unerotische Namen zu sprechen, wobei die Damen des Publikums gleich kräftig mitwirken durften. Um seine Absichten der Damenwahl noch zu unterstreichen, präsentierte sich Scheibe im silbernen Unterhöschen, bevor er dann wieder etwas seriöser gewandet über seine Versuche mit Voodoo sang, die wohl nicht nur erfolgreich, sondern auch ziemlich makaber waren.

Um für den Neuanfang in seinem Leben besser gewappnet zu sein, hatte Jan Christof Scheibe sich auch mit der Problematik der "falschen Fragen" auseinander gesetzt, die ein Mann lieber nicht stellen sollte, weil er sich sonst der Gefahr einer aufrichtigen Antwort aussetzt. Um sich das Single-Dasein erträglich zu machen, spricht sich der einsame Mann gelegentlich per Handy ein paar nette Worte auf den Anrufbeantworter, ist aber dennoch in der Gefahr zu "verschraten", denn es fehlt ja bekanntermaßen das regulative und hilfreiche Element einer Partnerin.

Wer beurteilt zum Beispiel bei einem Single die Hautveränderungen an seinem Rücken? Wer macht den allein stehenden Mann auf den kreisrunden Haarausfall an seinem Hinterkopf aufmerksam? Amüsant war Scheibes Song über Angela Merkel, die er so herrlich melancholisch findet. Das darauffolgende Wunschkonzert des Publikums kam allerdings erst mit reichlich Nachhilfe des Künstlers in Fahrt. Doch schließlich beteiligten sich die anwesenden Damen mit Vergnügen an ihrem Part: "Do you light my fire?", worauf die Männer mit plumpem "Hä?" antworteten.

Im zweiten Teil des Abends sprang der Funke auf das Publikum etwas stärker über, auch wenn Melanie, Sabine und Barbara öfter das Opfer des Künstlers waren, als sie es sich vielleicht am Anfang der Show gewünscht hätten. Jan Christof Scheibe versuchte auch immer wieder, dem Single-Dasein positive Seiten abzugewinnen, denn wer keinen Sex hat, kann sich ja den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmen: Fußball, Nachbarschaftshilfe und Kleinstlebewesen. So allmählich ließ der Künstler allerdings durchblicken, was das Publikum auf Grund mancher Widersprüchlichkeiten wohl von Anfang an vermutete: gelegentlich läuft in Sachen Liebe bei Herrn Scheibe eben doch etwas, wenn auch nur mit der Sorte Frauen, die etwas anstrengend sind: den Zicken.

Der darauffolgende Zicken-Song, den Jan Christof Scheibe und Andreas Dopp mit extravaganten Lampenschirmen auf den Köpfen darboten, war sicherlich der Höhepunkt des Abends, denn "Zicken floppen mit Niveau." Das Kirchheimer Publikum groovte noch einen Zugabe-Titel mit, den Scheibe und Dopp mit einer Pina-Bausch-mäßigen Tanzeinlage dekorierten.

Wie für Jan Christof Scheibe der Abend in der Teckstadt dann ganz privat zu Ende ging, darüber kann an dieser Stelle nur spekuliert werden . . .