Lokale Kultur

Außergewöhnliche echte und musikalische Blüten im Advent

KIRCHHEIM Wenn in der Adventszeit Bäume Blüten treiben, liegt eine außergewöhnliche Wetterlage vor. Wenn beim Konzert einer Musikschule das Niveau selbst Profis ins Staunen versetzt, liegt es möglicherweise an einer außergewöhnlichen Musikschule.

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Beim jüngsten Konzert der Gesangsklasse der Owener Musikschule war schon die Eröffnung durch das erst kürzlich von Martin Hermann gegründeten Blöckflötenquartett ein Hochgenuss.

Die jungen Flötisten und ihr Lehrer spielten konzentriert und in klanglicher Harmonie bei präzisem Rhythmus zum Auftakt eine Allemande von Johann Hermann Schein. Der Gesangsteil begann mit Duetten und alten Weihnachtsliedern. Der erste Beitrag von Ingrid Vogel und Sissilia Stieglmeier, "Sonntagsmorgen" von Mendelssohn, überzeugte wie auch alle anderen Duette mit großer Ausdrucksstärke. Bei "Vom Himmel hoch, o Englein kommt", glänzte Helen Müller mit klarer Aussprache und warmem Timbre.

Rainer Strohwald erfreute bei "Hosianna David's Son", durch seine schöne Baritonstimme und temperamentvolle Interpretation. Nach Steffi Ruoffs "Es sungen drei Engel" beendeten Tatjana Sigel und Carolina Bross mit einer Duett-Bearbeitung von Mozarts "Ave Verum" den ersten Teil.

Das sehr anspruchsvolle "Bereite dich Zion" von Johann Sebastian Bach meisterte Uta Rendl mit rhythmischer und tonaler Sicherheit. Dasselbe gilt auch für Ingrid Vogels strahlenden Vortrag von "Schafe können sicher weiden", ebenfalls von Bach.

Das Duett "Quando corpus morietur" von Pergolesi, vorgetragen von Martina Hanßum und Uta Rendl, erfüllte dieselben hohen Ansprüche. Es ist ein selten aufgeführtes Kleinod der Barockmusik. Ein hoch interessanter Teil des Programms waren Werke aus neueren Zeiten. "St. Ita's Vision" des amerikanischen Komponisten Samuel Barber wurde von Sissilia Stieglmeier mit herrlichem Timbre überzeugend interpretiert. Die Freude Marias auf die Ankunft des Jesuskindes in John Rutter's "Et Misericordia" brachte Martina Hanßum ebenso nachvollziehbar zum Ausdruck.

Den Abschluss bildete eine besondere Auswahl von Spirituals. Eröffnet wurde dieser Teil von der erst 14 Jahre alten Miriam Gruel, der Jüngsten unter den Gesangsschülern, mit "I Know De Lord Laid His Hand On Me". Sie hinterließ den Eindruck, dass Gesang und Bühnenpräsenz für sie etwas absolut Selbstverständliches seien und empfahl sich als Talent, auf dessen weitere Auftritte man gespannt sein darf.

"Chariot's Comin'", eine raffinierte Bearbeitung von "Swing Low Sweet Chariot" boten Angelika Precker, Steffi Ruoff, Helen Müller und Tatjana Sigel. Mit inniger Anteilnahme und starker Emotion sang Carolina Bross das großartige Wiegenlied "Sweet Little Jesus Boy". Bei dem Spiritual "Peace Like A River" und "Kum Ba Yah", einer interessanten Kombination aus zwei bekannten Liedern, harmonierten die vollen Stimmen von Sissilia Stiglmaier und Rainer Strohwald. Abschließend sangen alle Sänger "Go Tell It On the Mountain", das aufgrund allgemeiner Begeisterungsstürme wiederholt werden musste.

Die Leiterin der Gesangsklasse, Professor Aylish E. Kerrigan, gestaltete und führte durch das interessante und vielseitige Programm. Die Sänger wurden unterstützt durch kompetente Begleitmusiker. Allen voran Noemi May am Klavier, die ihre Aufgabe wie immer mit Bravour meisterte. Die Blockflötenbegleitung von Martin Hermann und Ingrid Gräbner zu den Barockwerken trug mit stilistischem und mit musikalischem Feingefühl zweifellos zur Bereicherung des Programms bei. Ebenso die Begleitung am Cello durch Irmgard Metzger.

Der Konzertabend in Owen erweckte tatsächlich den Eindruck, als als würde der Frühling in musikalischer Weise mitten im Herbst über Owen hereinbrechen. Entsprechend war die Reaktion des Publikums, das einen tiefen musikalischen Wärmestrom empfunden hat und diesen den Künstlern auch mit anhaltendem Applaus zur Kenntnis gab.

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