Lokale Kultur

Ausstellungen, Lesungen und Szenenspiele

LENNINGEN "Wir haben wenig Geld, aber wir machen was draus", sagte Wolfgang Guse, erster Vorsitzender des Förderkreises Schlössle, bei der Jahresmitgliederversammlung und blickte bei diesem Januartermin wie der doppelgesichtige Janus zurück und in die Zukunft. Mit

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ERIKA HILLEGAART

einem Dutzend Veranstaltungen und rund tausend Besuchern im vergangenen Jahr und dem Programm 2006 schreiben der Förderkreis Schlössle und die Gemeindebücherei ihre Erfolgsgeschichte fort. Der 400 Jahre alte Fachwerkbau erweist sich seit seiner Renovierung im Jahr 1992 als idealer Ausstellungs- und Veranstaltungsort. "Sympathie und Wohlwollen lassen uns die unterschiedlichen Besuchergruppen spüren", sagte der Vorsitzende des kleinen, feinen Kulturvereins und wies nachdrücklich auf die gute Zusammenarbeit mit der Bücherei, örtlichen Vereinen und Organisationen hin. Mit ausführlichen Informationen im Internet unter www.lenningen.de/Schlössle wird seit geraumer Zeit auch die jüngere Generation angesprochen.

Mit einer musikalischen Vernissage am Freitag, 10. Februar, eröffnet Erhard Dietl seine Ausstellung "Der Nasenkönig Farbradierungen zu Gedichten von Joachim Ringelnatz". Der bekannte Grafiker und Kinderbuchautor singt Lieder für Erwachsene "bayrisch und deutsch, deftig und witzig und voll Großstadtpoesie". Titus Vollmer begleitet ihn auf der Gitarre.

Mit Bildern eines Jahres zum Thema "Herz" zeigen ab dem 10. März Schülerinnen und Schüler des Lenninger Karl-Erhard-Scheufelen-Bildungszentrums in der Schlössle-Galerie, was sie auf dem Herzen haben und wie sie die vielen Sprachbilder vom Herzen in Bildersprache umgesetzt haben. Ein Vertreter der "Herzenssache" wird bei der Ausstellungs-Eröffnung für soziale Herzenswärme werben.

Ab 7. April bringen die Buchillustrationen von Roland Fürstenhöfer federleichte Heiterkeit ins Lenninger "Haus des Buches". Seine Bilder etwa zu Märchenbüchern und zu Kinderliederbüchern sind bekannt. Schon einen Tag später, am 8. April, beteiligt sich der Förderkreis mit zahlreichen Mitgliedern an dem musikalischen Spiel "Fairy Queen" von Henry Purcell in der Sankt-Martins-Kirche Oberlenningen.

Mit blühenden Bäumen im Lenninger Tal malte einst der Hobbymaler Eugen Henkel seine Heimat. Ab 19. Mai werden seine "Ölbilder von der Alb" die Fachwerkwände schmücken. Der 1912 in Oberlenningen geborene Steuerberater und langjährige Gemeinderat hatte vor über 20 Jahren im Rathausfoyer der Stadt Kirchheim seine Ölgemälde mit dem markanten Pinselstrich einem größeren Publikum ausgestellt. Sein Sohn Dr. Falk Henkel wird bei der Ausstellungseröffnung sprechen.

Bei der traditionellen Schlössle-Serenade wird heuer die Jugendkapelle des Musikvereins Unterlenningen am 23. Juli spielen.

In der zweiten Jahreshälfte zeigen ab 8. September die Lenninger Kunstschaffenden Berta Beppler, Gabriele Bächle, Elke Gaiser, Birgit Ringelspacher und Denise Vöhringer ihre Arbeiten und sorgen für künstlerisches Ambiente am "Tag des Offenen Denkmals", dem zweiten Sonntag im September. Bei schönem Wetter wird wieder der Förderkreis die Gäste bewirten.

Die traditionelle Herbstausstellung bestreitet in diesem Jahr ab 10. November Hannelore Weitbrecht mit Papierobjekten, Malerei und Installationen. Zuvor jedoch huldigt der Förderkreis einem Musikgenius und der heißt nicht Mozart, Schumann oder Schostakowitsch. Das Stuttgarter "Dein Theater" kommt am 27. Oktober mit "Ein Klavier im Urwald", einem Szenenspiel über Albert Schweizer, dem Theologen, Arzt und Musiker. Das Ein-Mann-Stück mit Stefan Österle findet voraussichtlich in der evangelischen Sankt-Martins-Kirche Oberlenningen statt.

Wie eh wird der Veranstaltungskalender stimmungsvoll mit der Adventslesung Mitte Dezember beschlossen. Bernd Löffler und "seine Schlossdamen" werden auch heuer in dem reichen Fundus der Weihnachtsliteratur heiter-besinnliche Texte vortragen.

In der Regel werden die Veranstaltungen aus Spenden, Verkaufsanteilen von Kunstobjekten und Einnahmen von Bewirtungen finanziert. Marie-Luise Guse, die langjährige Kassenwartin, präsentierte wie gewohnt eine umsichtig-präzise Kassenführung. Trotz der 3000-Euro-Spende an die Gemeinde zur Einrichtung des Hausmuseums meldete sie für das Jahr nur einen Verlust von 100 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Die Investition hat sich gelohnt. Das Hausmuseum mit den Zufallsfunden dokumentiert anschaulich den Alltag aus vier Jahrhunderten und findet reges Interesse bei den Gästen. Zahlreiche Schlössle-Führungen, in der Regel durch Förderkreis-Mitglieder, werden durch diese Einrichtung bereichert.

Die Entlastung des Leitungskreises mit ihren Vorsitzenden und der Kassierein auf Antrag von Edeltraud Cast erfolgte einstimmig. Ebenso einstimmig bestätigt in ihren Ämtern wurden wieder Marie-Luise Guse, Elke Gaiser als zweite Vorsitzende und Verbindungsfrau zu den Schulen sowie der Leitungskreis mit Hanna Dietterich, Ev Dörsam, Elke Gaiser, Ehepaar Guse, Bernd Löffler und Inge Sayler. Dieses Gremium trifft sich zirka fünfmal im Jahr und soll künftig für interessierte Gäste offen sein.

Wolfgang Guse konnte abschließend von einem großzügigen Angebot einer Schenkung von zwei Gemälden mit Oberlenninger Motiven berichten. Ein Mitglied überreichte den inzwischen antiquarisch wertvollen zweiten Band der Schwenkelschen Chronik. Beide Geschenke bestätigen, dass die Lenninger den Sinn des gemeinnützigen Vereins anerkennend würdigen.